In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) rechnen Ärzte und Psychotherapeuten ihr Honorar einmal im Quartal nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ab, die die Daten prüft und sie wiederum mit der Krankenkasse des Patienten abrechnet.

Labor - Abrechnung und Vergütung

Mit der Laborreform (1. April 2018) gelten neue Regeln für Laboruntersuchungen, das betrifft auch den EBM. Im Zuge der Reform wurde der WiBo neu bewertet, die Laborquote Q ist komplett weggefallen und die Kennnummern (sogenannte Ausnahmeziffern oder Befreiungsziffern) sowie die Honorarvorgaben wurden geändert. Alle wichtigen Informationen hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) in einem Fragen-Antworten-Katalog (FAQ) für ihre Mitglieder zusammengefasst.

Aus Sicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) war die Laborreform 2018 nur ein erster Schritt: Wegen steigender Kosten wurde auf Bundesebene vereinbart, auch die Laboruntersuchungen der Abschnitte 32.2 und 32.3 des EBM bis Ende 2020 zu überprüfen.

Kennnummern zur Abrechnung

Die Kennnummern (sogenannte "Ausnahme-" oder "Befreiungsziffern") befreien bestimmte Laborleistungen von der Anrechnung auf die Kosten der erbrachten, bezogenen und veranlassten Untersuchungen. Der Wirtschaftlichkeitsbonus (WiBo) auf diesen Fällen bleibt erhalten. Da den Kennnummern einzelne Leistungen zugeordnet werden, ist es möglich und notwendig, pro Quartal einmalig und je Patient die zutreffenden (auch: mehrere) Kennnummern anzugeben, auch wenn Laborleistungen veranlasst oder bezogen werden. Die KVH ordnet die Kennnummern dann den zu befreienden Laborleistungen zu.

Wirtschaftlichkeitsbonus (WiBo)

Der WiBo (GOP 32001) wird je Behandlungsfall berücksichtigt, vorausgesetzt es wird eine Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale aus den in der untenstehenden Tabelle aufgeführten Kapiteln des EBM abgerechnet.

Sonderregelung Selektivverträge: In diesen Fällen setzen Praxen die Kennziffer 88192 an, damit diese bei der Fallzählung für den WiBo berücksichtigt werden. Diese Kennziffer gilt nur für selektivvertragliche Fälle, bei denen keine Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen abgerechnet werden kann, jedoch Laborleistungen als kollektivvertragliche Leistungen veranlasst oder abgerechnet werden.

Der WiBo wird für jede Arztgruppe gesondert bestimmt (obere und untere begrenzende Fallwerte, siehe Tabelle). Die Höhe der Fallwerte orientiert sich an den durchschnittlichen Kosten der veranlassten, eigenerbrachten und bezogenen Laborleistungen. Praxen erhalten

  • den vollen Bonus, ist ihr Wert unter oder gleicht er dem unteren begrenzenden Fallwert.
  • einen anteiligen Bonus, liegt ihr Wert zwischen oberem und unterem begrenzenden Fallwert.
  • keinen Bonus, liegt ihr Wert oberhalb des oberen begrenzenden Fallwerts.

Für Berufsausübungsgemeinschaften (BAG), Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Praxen mit angestellten Ärzten werden WiBo und Fallwerte praxisspezifisch anhand der dort tätigen Arztgruppen ermittelt.

Berechnungsgrundlage WiBo

VP, GP und KP aus Kap. EBM
Arztgruppe
Punkte WiBo
Unterer begrenzender Fallwert
Oberer begrenzender Fallwert
3
Allgemeinmedizin, hausärztliche Internisten und praktische Ärzte
19
1,60 €
3,80 €
4
Kinder- und Jugendmedizin
17
0,90 €
2,40 €
7
Chirurgie
3
0,00 €
0,40 €
8
Gynäkologie, Fachärzte ohne SP Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
10
1,00 €
2,60 €
8
Gynäkologie, SP Endokrinologie und Reproduktionsmedizin: Nur für Ärzte, die die GOP 08520, 08531, 08541, 08542, 08550, 08551, 08552, 08560 und 08561 abrechnen
37
3,90 €
60,80 €
9
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
6
0,10 €
0,80 €
10
Dermatologie
10
0,50 €
2,30 €
11
Humangenetik
3
0,00 €
2,80 €
13.2
Innere Medizin, fachärztliche Internisten ohne SP
15
1,20 €
4,60 €
13.3.1
Innere Medizin, SP Angiologie
10
0,20 €
2,00 €
13.3.2
Innere Medizin, SP Endokrinologie
37
12,60 €
71,70 €
13.3.3
Innere Medizin, SP Gastroenterologie
15
1,60 €
6,30 €
13.3.4
Innere Medizin, SP Hämatologie/Onkologie
23
10,90 €
30,50 €
13.3.5
Innere Medizin, SP Kardiologie
6
0,30 €
1,50 €
13.3.6
Innere Medizin, SP Nephrologie
37
22,20 €
55,90 €
13.3.7
Innere Medizin, SP Pneumologie
15
0,80 €
5,20 €
13.3.8
Innere Medizin, SP Rheumatologie
23
8,40 €
35,30 €
16
Neurologie, Neurochirurgie
6
0,00 €
0,90 €
17
Nuklearmedizin
23
0,10 €
17,90 €
18
Orthopädie, Fachärzte ohne SP Rheumatologie
3
0,00 €
0,40 €
18
Orthopädie, SP Rheumatologie: Nur für Ärzte, die die GOP 18700 abrechnen
6
0,20 €
1,40 €
20
Phoniatrie, Pädaudiologie
3
0,00 €
0,40 €
21
Psychiatrie
3
0,00 €
0,30 €
26
Urologie
15
2,40 €
7,10 €
27
Physikalische und Rehabilitative Medizin
3
0,00 €
0,30 €
30.7
Schmerztherapie
3
0,00 €
0,40 €

Die KVH hat für ihre Mitglieder Beispiele für die Berechnung des WiBo erstellt.

Laborvergütung

  • Aus dem Grundbetrag Labor werden nur der WiBo sowie Leistungen vergütet, die auf Muster 10 veranlasst wurden. Alle anderen Leistungen werden je nach Erbringung aus dem hausärztlichen oder fachärztlichen Grundbetrag oder dem Grundbetrag Bereitschaftsdienst und Notfall vergütet.
     
  • Unter-/ Überschüsse im Grundbetrag Labor werden quartalsbezogen nach dem Anteil des haus- oder fachärztlichen Versorgungsbereichs am Vergütungsvolumen des Grundbetrags Labor auf die haus- oder fachärztlichen Grundbeträge übertragen.
     
  • Die Laborquote Q ist nicht mehr gültig.
     
  • Laborleistungen werden mit der Quote 89 Prozent vergütet.
     
  • Fallwertbezogene Budgetierung von Speziallaborleistungen (Abschnitt 32.3 EBM) von Nicht-Laborärzten ist möglich.
     

Die Kassenärztlichen Vereinigungen können generell oder individuell das Budget und die angegebenen Referenzfallwerte erweitern, aussetzen oder bedarfsgerecht anpassen. Details zum neuen Grundbetrag Labor enthält der Honorarverteilungsmaßstab (HVM), eine Sonderausgabe des KVH-Mitgliedermagazins Auf den PUNKT.

Keine verpflichtende Labordiagnostik vor Antibiotikatherapie

Aufgrund verschiedener Berichterstattung ist bei einigen Mitgliedern der Eindruck entstanden, dass zukünftig vor jeder Antibiotikatherapie labordiagnostische Untersuchungen durchgeführt werden müssen, da sonst Arzneimittelregresse drohten.

Richtigstellung: Der Beschluss zur Antibiotikatherapie zum 1. Juli 2018 verpflichtet nicht zur Durchführung labordiagnostischer Untersuchungen vor jeder Verordnung eines Antibiotikums. Sofern die klinischen Symptome ausreichend charakteristisch sind, können sich Ärzte auch künftig für oder gegen eine antibiotische Therapie ohne labordiagnostische Untersuchung entscheiden.

Eine Laboruntersuchung sollte dagegen immer dann veranlasst werden, wenn aufgrund klinischer Kriterien die Indikation für oder gegen eine Antibiotikatherapie nicht eindeutig gestellt werden kann.

zuletzt aktualisiert am: 15.10.2018

In ihrem Laborkompendiuminformiert die KBV über Regeln zur Beauftragung und Abrechnung von Laboruntersuchungen im ambulanten Bereich und gibt Empfehlungen für die laboratoriumsmedizinische Stufendiagnostik.

Ansprechpartner

info.line

Mo – Fr: 7 – 17 Uhr

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
Fax 069 24741-68826
info.line(at)kvhessen(.)de

Spezielle Laboratoriumsuntersuchungen können Ärzte und Psychotherapeuten nur dann abrechnen, wenn sie bestimmte Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen. Sie müssen einen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) stellen, die wiederum die Abrechnung genehmigen muss.

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