Ärzte, die das organisierte Programm zur Früherkennung (oKFE) von Zervixkarzinomen anbieten, können die Leistungen über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) abrechnen.

Gynäkologische Krebsfrüherkennung

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) entsteht durch Gewebeveränderungen am Muttermund. Ärzte können diese durch Früherkennungsuntersuchungen erkennen und gegebenenfalls entfernen, bevor sie sich möglicherweise zu Gebärmutterhalskrebs entwickeln. Die Grundlagen für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs können Ärzte der Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (KFE-RL) und der Richtlinie für organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme (oKFE-RL) entnehmen.

Patientinnen haben im organisierten Früherkennungsprogramm je nach Alter Anspruch auf verschiedene Früherkennungsuntersuchungen.

AlterLeistung
20 bis 34Frauen in diesem Alter haben jährlich Anspruch auf eine zytologische Untersuchung mittels Pap-Abstrich.
Ab 20Bei auffälligen Befunden haben alle teilnehmende Frauen Anspruch auf eine Abklärungsdiagnostik.
Ab 35Frauen ab 35 haben alle drei Jahre Anspruch auf eine Kombinationsuntersuchung (Ko-Test) aus Pap-Abstrich und HPV-Test.

Bei auffälligen Befunden sieht das Programm für alle Patientinnen klare Algorithmen zur Abklärung vor. Diese sind in der Richtlinie für oKFE-RL festgelegt und richten sich nach den jeweiligen Befunden des Primärscreenings.

Die Abrechnungsregelungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) betreffen das Primärscreening und die Abklärungsdiagnostik als gynäkologische Krebsfrüherkennung. Beteiligt an dem Programm sind Gynäkologen, Zytologen, Pathologen und Ärzte mit Genehmigung für das Speziallabor.  

Zudem können Allgemeinmediziner die Leistungen (GOP 01760, 01761 und 01764) abrechnen. Vorausgesetzt, sie haben der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) nachgewiesen, dass sie die Leistungen bereits vor dem 31. Dezember 2002 abgerechnet haben oder über eine mindestens einjährige gynäkologische Weiterbildung verfügen.

Wenn Allgemeinmediziner die Voraussetzungen erfüllen und noch keine Genehmigung haben, stellen sie dazu einen formlosen Antrag an die KVH. Ein Schreiben mit der Bitte um Genehmigung und dem geforderten Nachweis an das Team Antragsverfahren reicht aus. Wichtig: Genehmigungen können nicht rückwirkend erteilt werden.

Die Inhalte der Krebsvorsorgeuntersuchung im Primärscreening können Ärzte im Teil III. C. § 6 der oKFE-RL nachlesen.

GOPBeschreibungBewertungBewertung ab 1. Oktober 2021
01761Krebsfrüherkennung bei der Frau gem. Teil III. C. § 6 oKFE-RL24,03 Euro* (216 Punkte)23,92 Euro* (215 Punkte)
01762Zytologische Untersuchung nach Teil III. C. § 6 der oKFE-RL9,01 Euro* (81 Punkte)-
01763HPV-Test gemäß Teil III. C. § 6 der oKFE-RL19,02 Euro* (171 Punkte)-
01769Zuschlag zu den GOP 01763 und 01767 zur HPV-Genotypisierung17,02 Euro* (153 Punkte)-

 *gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2021 (11,1244 Cent)

Die Krebsvorsorgeuntersuchung im Primärscreening rechnen Gynäkologen über die GOP 01761 ab. Die GOP 01761 können Gynäkologen in demselben Kalenderjahr nicht neben der klinischen Untersuchung nach GOP 01760 abrechnen.

  • Bei Frauen im Alter von 20 bis 34 Jahren gehört zur Krebsvorsorgeuntersuchung ein Abstrich für eine zytologische Untersuchung.
     
  • Frauen ab dem Alter von 35 Jahren (ohne Altersobergrenze) erhalten ein kombiniertes Screening. Der Gynäkologe nimmt für diese sogenannte Ko-Testung Abstriche für eine zytologische Untersuchung und einen Humane Papillomviren (HPV)-Test ab. Die erforderlichen Materialien für die Abnahme des konventionellen Abstrichs oder mittels Dünnschichtverfahren und den HPV-Test erhält der Gynäkologe von den Ärzten, die die Abstriche untersuchen, also dem Zytologen oder Labor.

Der vom Gynäkologen beauftragte Zytologe rechnet die ärztliche zytologische Untersuchung nach der GOP 01762 ab. Die Leistung beinhaltet fakultativ das Dünnschichtverfahren.

Zytologen stellen Objektträger und Fixierlösung für die konventionelle Zytologie oder Probengefäß und Fixierlösung für das Dünnschichtverfahren sowie jeweils das Abstrichbesteck (Bürste und Spatel) den Gynäkologen, die die Abstriche entnehmen, zur Verfügung.  

Neben der zytologischen Untersuchung für die Früherkennung darf der Zytologe für dieses Untersuchungsmaterial keine weiteren GOP des Kapitels 19 sowie der Abschnitte 32.3.8 bis 32.3.12 abrechnen. Die Abrechnung der GOP 01762 setzt eine Genehmigung nach der Qualitätssicherungs- (QS-) Vereinbarung Zervix-Zytologie voraus.

Ärzte rechnen für den Nachweis von HPV im Rahmen des Primärscreenings die GOP 01763 ab. Die Leistung nach der GOP 01763 beinhaltet die Kosten für Probengefäß und Fixierlösung sowie das Abstrichbesteck (Bürste und Spatel). Die Genotypisierung der HPV-Typen 16 und 18 bei positivem HPV-Nachweis im Rahmen des Zervixkarzinom-Screenings rechnen sie über die GOP 01769 ab. Sie ist ein Zuschlag zu der GOP 01763.

Auch hier gilt, dass für dieses Untersuchungsmaterial keine weiteren GOP des Kapitels 19 sowie der Abschnitte 32.3.8 bis 32.3.12 neben der GOP 01763 berechnet werden dürfen. Die GOP 01763 setzt eine Genehmigung nach der QS-Vereinbarung Speziallabor  voraus. Die Leistung darf nur abgerechnet werden, wenn die Ergebnisse der externen Qualitätssicherungsmaßnahmen nachgewiesen werden und der Test die geforderten Kriterien erfüllt (Teil III. C. § 8 Abs. 3 der oKFE-RL).

Neben dem organisierten Krebsfrüherkennungsprogramm zum Zervixkarzinom besteht weiterhin der Anspruch auf eine gynäkologische Krebsfrüherkennungsuntersuchung nach der KFE-RL.

Leistung überblicken
GOPBeschreibungBewertung
01760Krebsfrüherkennung bei der Frau gem. Abschnitt B. II. §§ 6 und 8 KFE-RL17,69 Euro* (159 Punkte)

 *gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2021 (11,1244 Cent)

Gynäkologen rechnen für die klinische Untersuchung ohne Abstrich die GOP 01760 ab. Diese Leistung gehört nicht zum organisierten Programm und wird bei Frauen ab 35 Jahren zwischen dem dreijährigen Untersuchungsintervall durchgeführt. In den zwei Jahren zwischen den kombinierten Tests besteht für sie nur der Anspruch auf eine klinische Untersuchung (ohne Zytologie und HPV-Test). Das gleiche gilt für Frauen, bei denen eine Früherkennung nach der oKFE-RL nicht durchgeführt werden kann (zum Beispiel nach totaler Hysterektomie oder bei Ablehnung des Screenings auf Zervixkarzinom).

Die GOP 01760 können Gynäkologen in demselben Kalenderjahr nicht neben der GOP 01761 abrechnen (siehe Infos zu den GOP 01760 und 01761). Ärzte können je nachdem welche Früherkennungsuntersuchung sie bei der Patientin im aktuellen Kalenderjahr durchgeführt haben, im nächsten Kalenderjahr die jeweils andere  Früherkennungsuntersuchung erbringen und abrechnen (GOP 01760 oder GOP 01761), sofern die Patientin berechtigt ist, die jeweilige Früherkennungsuntersuchung nach oKFE-RL oder KFE-RL in Anspruch zu nehmen. Das Kalenderjahr beginnt mit dem 1. Januar (0 Uhr) und endet mit dem nachfolgenden 31. Dezember (24 Uhr).

Das heißt: Ärzte können zum Beispiel bei einer Patientin ab 35 Jahren im April 2020 eine Krebsfrüherkennungsuntersuchung nach oKFE-RL mit Zytologie und HPV-Test nach der GOP 01761 durchführen und abrechnen. Anschließend können sie im März 2021 bei dieser Patientin eine klinische Untersuchung nach der KFE-RL ohne Abstrich (GOP 01760) durchführen und abrechnen.

Nach zervixerhaltender Partialhysterektomie können Frauen auch am Zervixkarzinom-Screening nach der oKFE-RL teilnehmen. Ist anatomisch kein Gewebe des Zielorgans des Zervixkarzinomscreenings mehr sichtbar, können Ärzte als präventive Leistung nur die Früherkennungsuntersuchung – ohne Zytologie und HPV-Test – nach der GOP 01760 abrechnen. Leistungen nach dem Früherkennungsprogramm Zervixkarzinom der oKFE-RL können sie dann nicht durchführen.

Kontrolluntersuchungen zur Sicherung des Behandlungserfolges nach operativen Eingriffen an der Zervix uteri, beispielsweise einer Konisation, sind kurative Untersuchungen. Nach Abschluss der Behandlung kann die Patientin wieder regulär am Früherkennungsprogramm Zervixkarzinom teilnehmen.

Für die Abklärungsdiagnostik gibt es ärztliche, zytologische und laborärztliche Leistungen im EBM.

Leistungen überblicken
GOPBeschreibungBewertungBewertung ab 1. Oktober 2021
01764Abklärungsdiagnostik nach Teil III. C. § 7 oKFE-RL10,35 Euro* (93 Punkte)-
01765Abklärungskolposkopie nach Teil III. C. §§ 7 und 8 oKFE-RL81,10 Euro* (729 Punkte)80,99 Euro* (728 Punkte)
01766Zytologische Untersuchung nach Teil III. C. § 7 mittels Zytologie der oKFE-RL32,04 Euro* (288 Punkte)-
01767HPV-Test nach Teil III. C. § 7 der oKFE-RL19,02 Euro* (171 Punkte)-
01768Histologie bei Abklärungskolposkopie nach Teil III. C. § 7 der oKFE-RL27,59 Euro* (248 Punkte)-
01769Zuschlag zu den GOP 01763 und 01767 zur HPV-Genotypisierung17,02 Euro* (153 Punkte)-

Für die Abklärung auffälliger Befunde aus dem Primärscreening und dem kombinierten Primärscreening gehen Ärzte nach den in der Richtlinie (§ 7 im Teil III. C. oKFE-RL) vorgegebenen Algorithmen vor. In medizinisch begründeten Ausnahmefällen kann davon abgewichen werden.

Die Beurteilung, von den vorgegebenen Abklärungsalgorithmen abzuweichen, stellt der behandelnde Arzt individuell unter Berücksichtigung der Befunde.

Wird in der Abklärungsdiagnostik aufgrund der erhobenen Befunde eine weitere Diagnostik erforderlich und diese nach der oKFE-RL dokumentiert, zählt diese Diagnostik zum Früherkennungsprogramm der oKFE-RL Zervixkarzinom. Die Untersuchungen können Ärzte somit als präventive Leistungen durchführen und abrechnen. Gynäkologen veranlassen die Zytologie und den HPV-Test über das Muster 39.

Nach der oKFE-RL gilt: Sind Befunde größer oder gleich CIN III, gelten die Folgemaßnahmen als kurative Leistungen.

Gynäkologen rechnen für die Abklärungsdiagnostik auffälliger Befunde mit Abstrichentnahme die GOP 01764 ab. Das zytologische Labor stellt die Entnahmematerialien den Gynäkologen zur Verfügung. 

Die GOP 01764 darf nicht in der Sitzung neben der Empfängnisregelung GOP 01825 und am Behandlungstag nicht neben den Krebsvorsorgeuntersuchungen nach der GOP 01761 abgerechnet werden.

Für die Abklärungskolposkopien zur Abklärung auffälliger Befunde nach der GOP 01765 benötigen Gynäkologen eine Genehmigung der KVH nach der neuen QS-Vereinbarung Abklärungskolposkopie. . Alle Leistungen, die eine Abklärungskolposkopie beinhalten, finden sich in § 8 Absatz 4 der oKFE-RL. 

Für die zytologische Untersuchung für die Abklärungsdiagnostik nach der GOP 01766 benötigen Zytologen eine Genehmigung nach der QS-Vereinbarung Zervix-Zytologie. Über die Inhalte der zytologischen Untersuchung im Primärscreening hinaus ist ggf. ein vorliegender Vorbefund zu beurteilen und weiterführende immunhistochemische Untersuchungen durchzuführen.

Um den HPV-Test für die Abklärungsdiagnostik nach der GOP 01767 abrechnen zu können, benötigen Ärzte eine Genehmigung nach der QS-Vereinbarung Speziallabor. Der Inhalt entspricht dem Test für das Primär-Screening.

Die Genotypisierung der HPV-Typen 16 und 18 bei positivem HPV-Nachweis im Rahmen der Abklärungsdiagnostik rechnen sie über die GOP 01769 ab. Sie ist ein Zuschlag zu der GOP 01767.

Die Leistungen nach GOP 01767 beinhaltet die Kosten für Probengefäß und Fixierlösung sowie das Abstrichbesteck (Bürste und Spatel).

Für die Histologie der Abklärungskolposkopie rechnen Ärzte die histologische Untersuchung nach der GOP 01768 ab. Die Leistung selbst ist je Material berechnungsfähig und beinhaltet fakultativ immunhistochemische Färbungen nach den GOP 19320 bis 19322.

Die Leistungen des Abschnitts 1.7.3.2.1 EBM und des Abschnitts 1.7.3.2.2 sollen zunächst extrabudgetär vergütet werden.

Ärzte müssen die elektronische Dokumentation (eDoku) erfassen und übermitteln, wenn sie Untersuchungen im Rahmen der Früherkennungsprogramme für Gebärmutterhalskrebs durchführen und abrechnen. Die genauen Dokumentationsvorgaben können Ärzte der oKFE-RL entnehmen. Die Dokumentation dient der Evaluation der Programme mit dem Ziel, die Qualität der Programme systematisch zu erfassen und weiterzuentwickeln.

Die erfassten Daten laden Ärzte im KV-SafeNet** hoch.

Gynäkologen veranlassen die Zytologie und den HPV-Test sowohl im Primärscreening als auch in der Abklärungsdiagnostik über das Muster 39.

Zum 1. Januar 2021 wird das Formular „Krebsfrüherkennung Zervix-Karzinom“ (Muster 39) ohne Übergangsfrist angepasst, alte Muster 39 verlieren zu diesem Stichtag ihre Gültigkeit. Weitere Informationen dazu hat die KVH zusammengefasst.

Auf dem Muster 39 finden Ärzte nun fünf Felder zur differenzierten Beauftragung der zytologischen Untersuchung sowie HPV-Tests im Primärscreening und der Abklärungsdiagnostik. Auf dem überarbeiteten Muster 39 „Krebsfrüherkennung Zervix-Karzinom“ entfallen die Ankreuzfelder zur Ausdifferenzierung klinischer Befunde, die Angabe der Nummer des vorangegangen und aktuellen zytologischen Befundes sowie ein Feld zur Angabe des Jahres des HPV‐Vorbefundes. Diese erfolgen nun in einem Freitextfeld. Die Freitextfelder wurden linienlos gestaltet, damit sie besser bedruckt werden können. Das Muster 39 folgt nach der Umgestaltung nun stringenter den Dokumentationsvorgaben zur organisierten Krebsfrüherkennung des Zervixkarzinoms.

Mit dem Muster 39 können Ärzte auch digital den Auftrag erteilen und den Befund übermitteln. Das Muster 39 kann mit dem Praxisausweis (SMC-B) signiert werden. Die Signierung mittels qualifizierter elektronischer Signatur des elektronischen Heilberufsausweises ist auch möglich, aber für dieses Muster nicht unbedingt erforderlich.

Alle gesetzlich versicherten Frauen im Alter von 20 bis 65 Jahren werden alle fünf Jahre von ihren Krankenkassen eingeladen, an dem organisierten Programm zur Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung teilzunehmen. Diese dienen dazu, an die Untersuchung zu erinnern. Für die Untersuchung selbst wird die Einladung nicht benötigt. Mit den Einladungen erhalten Frauen auch Informationen zum Programm und zu Nutzen und Risiken der Leistungen. Ärzte legen einige Exemplare dieser Versicherteninformation für Beratungsgespräche aus. Versicherte, die unabhängig von einer Einladung in die Praxis kommen, können sich so über das Programm informieren. Die Versicherteninformationen erhalten Ärzte über den Bestellservice der KVH.

**KV-SafeNet steht nicht mit der Firma SafeNet, Inc., USA, in firmenmäßiger oder vertraglicher Verbindung.

zuletzt aktualisiert am: 24.02.2021

EBM-Begriffe verstehen

Zu speziellen Begriffen im EBM haben unsere Mitglieder immer wieder Fragen. Die KVH hat kurz und knapp in einer Übersicht zusammengefasst, was sie bedeuten.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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Antragsverfahren

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Fax 069 24741-68847
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