Rechts im Bild ist ein Arzt. Links im Bild eine Patientin. Der Arzt untersucht den Arm der Patientin.

In Deutschland darf nicht jeder Vertragsarzt und -psychotherapeut automatisch sämtliche Behandlungen an Patienten durchführen und abrechnen. Für bestimmte Kassenleistungen wie das Zweitmeinungsfahren brauchen sie eine Genehmigung. Dies dient der Qualitätssicherung im Sinne der Patienten und Praxen. Hessische Ärzte beantragen die Genehmigung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Zweitmeinungsverfahren

Patienten haben bei bestimmten planbaren Eingriffen den Anspruch auf eine unabhängige zweite Meinung eines Arztes. Ärzte können ihre Zweitmeinung bei bestimmten Indikationen über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen.

Bislang kann eine ärztliche Zweitmeinung für folgende Eingriffe eingeholt werden:

  • Gebärmutterentfernung
  • Mandeloperation
  • Schulterarthroskopie
  • Implantationen von Knieendoprothesen
  • Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom

Für Gebärmutterentfernungen (Hyperektomie): 

  • Fachärzte für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Für Mandeloperationen (Tonsillektomie, Tonsillotomie):

  • Fachärzte für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

Für Arthroskopien am Schultergelenk:

  • Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Fachärzte für Orthopädie
  • Fachärzte für Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie
  • Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Für Implantationen von Knieendoprothesen:

  • Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Fachärzte für Orthopädie
  • Fachärzte für Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie
  • Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin

Für Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom:

  • Fachärzte für Innere Medizin und Angiologie
  • Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
  • Fachärzte für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
  • Fachärzte für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
  • Fachärzte für Gefäßchirurgie
  • Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Fachärzte für Orthopädie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie
  • Fachärzte für Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie
  • Allgemeinchirurgie
  • Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
  • mindestens fünfjährige ganztägige Tätigkeit, vom Umfang her entsprechende Teilzeittätigkeit oder in Kombination aus ganztägiger Tätigkeit und Teilzeittätigkeit in einem Bereich der unmittelbaren Patientenversorgung in dem für den jeweiligen Eingriff im besonderen Teil der Richtlinie genannten Gebiet nach Anerkennung der maßgeblichen Facharztbezeichnung

und

  • die Erfüllung der jeweils geltenden Fortbildungsverpflichtung nach § 95d oder § 136b Absatz 1 Nummer 1 SGB V oder im Falle des § 27 Absatz 3 Nummer 5 SGB V eine entsprechende von der zuständigen Landesärztekammer anerkannte Zahl an Fortbildungspunkten

und

  • eine durch die zuständige Landesärztekammer erteilte Befugnis zur Weiterbildung odereine akademische Lehrbefugnis
Für Amputation beim diabetischen Fußsyndrom:
  • besondere Qualifikation für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms (in den letzten fünf Jahren vor Antragstellung Behandlung von durchschnittlich 30 Patienten pro Jahr mit diabetischem Fußsyndrom in einem multidisziplinären Setting)

und

  • eine schriftliche Vereinbarung zur Kooperation gemäß Satz 1 Buchstabe b mit einer anderen Fachrichtung (Fachärzte der Fachgruppen Nr. 1 bis 4 mit Fachärzten der Fachgruppen Nr. 5 bis 9), so dass deren Expertise bei Abgabe einer Zweitmeinung bei Bedarf genutzt werden kann.
  • Bestätigung des Gebotes der Unabhängigkeit gemäß § 27b Abs. 1 Satz 2 SGB V
  • eine Erklärung, ob finanzielle Beziehungen vorliegen oder nicht, aus: Anstellungs- oder Beratungsverhältnissen, dem Erhalt von Honoraren, Drittmitteln oder sonstiger Unterstützung, dem Besitz von Aktien oder Geschäftsanteilen jeweils in Bezug auf Hersteller von Medizinprodukten oder einem industriellen Interessenverband solcher Hersteller 

Wie erhalte ich die Genehmigung?

Wenn Sie eine Zweitmeinung für die Indikationen Mandeloperationen, Gebärmutterentfernung, Schulterarthroskopien, Implantationen von Knieendoprothesen oder Amputationen beim diabetischen Fußsyndrom als Leistung für für gesetzlich Versicherte anbieten und abrechnen möchten, muss die KVH dies zunächst genehmigen. Mitglieder der KVH stellen dazu einen Antrag bei der KVH und weisen die geforderten Voraussetzungen nach. 

Ärzte, die bislang noch nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen, müssen nicht nur die Genehmigung durch die KVH, sondern auch die Ermächtigung durch den Zulassungsausschuss (ZA) Hessen beantragen.  Bitte beachten Sie, dass Genehmigungen nicht rückwirkend erteilt werden können.

Ärzte mit einer Genehmigung für das Zweitmeinungsverfahren können ihre Grundpauschale und gegebenenfalls weitere erforderliche Leistungen abrechnen. Alle Leistungen im Zweitmeinungsverfahren müssen gekennzeichnet werden. Weitergehende Informationen zur Abrechnung hat die KVH für ihre Mitglieder zusamengefasst.

zuletzt aktualisiert am: 18.08.2021

Abrechnung

Schon gesehen? Die KVH informiert ihre Mitglieder auch über die Abrechnung von Kassenleistungenin hessischen Vertragsarzt- und -psychotherapeutenpraxen sowie über aktuelle EBM-Änderungen.

Ansprechpartnber

Christina Ranzinger

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Team 2

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt/Main

Tel 069 24741-6687
Fax 069 24741-68833
zweitmeinungsverfahren(at)kvhessen(.)de

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