In Deutschland darf nicht jeder Vertragsarzt und -psychotherapeut automatisch sämtliche Behandlungen an Patienten durchführen und abrechnen. Für bestimmte Kassenleistungen wie die Onkologie brauchen sie eine Genehmigung. Dies dient der Qualitätssicherung im Sinne der Patienten und Praxen. Hessische Vertragsärzte und -psychotherapeuten beantragen die Genehmigung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Organisierte Krebsfrüherkennungsprogramme

Die Krebsfrüherkennungsprogramme haben zum Ziel, Vorstufen einer Krebserkrankung oder eine bisher unentdeckt gebliebene Krebserkrankung ohne Symptomatik möglichst früh zu erkennen und, soweit erforderlich, für den Patienten in eine Behandlung zu veranlassen. Dazu hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Früherkennung von Darmkrebs und Zervixkarzinom zu organisierten Screeningprogrammen mit folgenden zentralen Strukturelementen weiterentwickelt:

  • regelmäßige Einladung und Information der Versicherten zur Früherkennungsuntersuchung
  • inhaltliche Bestimmung der Zielgruppen, der Untersuchungsmethoden, der Abstände zwischen den Untersuchungen, der Altersgrenzen, des Vorgehens zur Abklärung auffälliger Befunde und der Maßnahmen zur Qualitätssicherung
  • systematische Erfassung, Überwachung und Verbesserung der Qualität der Krebsfrüherkennungsprogramme

Die organisierte Krebsfrüherkennungsrichtline (oKFE-RL) regelt speziell die organisierten Krebsfrüherkennungsprogramme und steht somit neben der seit längerem etablierten Krebsfrüherkennungsrichtlinie (KFE-RL), die nicht organisierte Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zum Gegenstand hat.

Start der Dokumentation am 1. Oktober 2020

Die Dokumentationspflicht für das bereits laufende Programm zur Früherkennung von Darmkrebs sowie für das am 1. Januar 2020 gestartete Programm zur Früherkennung des Zervixkarzinoms war vorübergehnd ausgesetzt. Diese Frist endet am 30. September 2020. Nach Auffassung des G-BA und weiterer Beteiligter auf Bundesebene steht den Praxen zum 1. Oktober 2020 voraussichtlich eine hinreichend zuverlässige und geprüfte Dokumentationssoftware für den Start zur Verfügung.

Damit die Dokumentationspflicht nach der oKFE-RL gut starten kann, kontaktieren Sie bitte Ihren Softwareanbieter, ob er die notwendige Software rechtzeitig zur Verfügung stellen und implementieren kann.

 

So laufen oKFE ab (Klicken zum Vergrößern).

Ärzte, die Leistungen im Rahmen der oKFE-RL erbringen, sind verpflichtet, die durchgeführten Untersuchungen elektronisch zu dokumentieren. Dabei fungiert die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) als Datenannahmestelle (DAS).

Die Dokumentationen übermitteln Ärzte analog zu ihrer Abrechnung bis spätestens zehn Tage nach Ende des Abrechnungsquartals an die DAS. In der Praxis wird die Verschlüsselung der dort erzeugten Daten automatisch beim Export der Dateien durch das Praxisverwaltungssystem (PVS) vorgenommen. Die erfassten Daten laden Ärzte im KV-SafeNet* hoch.

Um die Programmevaluation zu gewährleisten, werden die verschlüsselt an die DAS angelieferten Daten datenschutzkonform an die Vertrauensstelle und von dort an die Auswertungsstelle übermittelt und weiter verarbeitet.

Ärzte mit einer Genehmigung zur Koloskopie haben bis zum 31. Dezember 2019 nach den Vorgaben der KFE-RL dokumentiert.

Nach der Weiterentwicklung des Programms zur Früherkennung von Darmkrebs ist dieses als Darmkrebsscreening nun in der oKFE-RL geregelt und neu gestartet. Inhaltlich unterscheiden sich die Vorgaben der oKFE-RL nur geringfügig von denen der bis zum 31. Dezember 2019 maßgeblichen KFE-RL.

Die Dokumentation der Koloskopie und des i-FOBTests erfolgt nun nach den Vorgaben der Anlage III der oKFE-RL.

Hinweis: Für die Durchführung und Abrechnung der Früherkennungskoloskopie nach der GOP 01741 EBM und GOP 13421 EBM benötigen Ärzte eine Genehmigung nach der Qualitätssicherungsvereinbarung (QSV) Koloskopie. Für die Durchführung und Abrechnung der Leistungen des i-FOBT nach der GOP 01738 benötigen sie eine Genehmigung nach der QSV Spezial-Labor.

Ärzte müssen das Primärscreening und die Abklärung mittels Zytologie sowie den Test auf Humane Papilomviren (HPV-Test) nach den Vorgaben dokumentieren. Konkret hat der durchführende Arzt die Angaben nach der Anlage VII der oKFE-RL zu dokumentieren und diese elektronisch an die DAS zu übermitteln.

  • Die Dokumentation der Zytologie und die elektronische Übermittlung an die DAS erfolgen durch den durchführenden Arzt beziehungsweise das durchführende Labor
  • Die Daten des HPV-Tests werden vom durchführenden Arzt beziehungsweise Labor dokumentiert und elektronisch an die DAS übermittelt.
  • Der kolposkopierende Arzt dokumentiert sowohl die Ergebnisse der Abklärungskolposkopie als auch die Ergebnisse von operativen Eingriffen und übermittelt diese elektronisch an die DAS

Hinweis: Für die zytologische Untersuchung im Rahmen der Abklärungsdiagnostik nach der GOP 01766 benötigen Zytologen eine Genehmigung nach der QSV Zervix-Zytologie. Um den HPV-Test für die Abklärungsdiagnostik nach der GOP 01767 abrechnen zu können, benötigen Ärzte eine Genehmigung nach der QSV Spezial-Labor. Für die Abklärungskolposkopie zur Abklärung auffälliger Befunde nach der GOP 01765 benötigen Gynäkologen eine Genehmigung nach der QSV Abklärungskolposkopie.

Mit der Weiterentwicklung der Früherkennung von Darmkrebs und dem Start der oKFE-RL wird der Verweis auf die Aussetzung der eDoku an den GOP 01737 bis 01741 aus dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) gestrichen. Die KVH hat  weitere Informationen zur Abrechnung der organisierten Krebsfrüherkennungsprogramme zusammengefasst.

Versicherteninformationen des G-BA

Der G-BA hat Patienteninformationen veröffentlicht, die als Entscheidungshilfe dienen:

  • Darmkrebs-​Früherkennung für Männer ab 50 Jahren
  • Darm-​Krebsfrüherkennen (für Männer ab 50 Jahre in leichter Sprache)
  • Darmkrebs-​Früherkennung für Frauen ab 50 Jahren
  • Darm-​Krebs-Früherkennen (für Frauen ab 50 Jahre in leichter Sprache)
  • Gebärmutterhalskrebs-​Früherkennung (für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren)
  • Gebärmutterhalskrebs-​Früherkennung (für Frauen ab 35 Jahren)

Die Patienteninformationen stehen auf der Homepage des G-BA zum Download zur Verfügung. Praxen können sie über den Verlag W. Kohlhammer auch in Papierform bestellen.

Der G-BA hat Versicherteninformationen veröffentlicht, die Patienten die Entscheidung erleichtern sollen. Die Krankenkassen verschicken diese zuvor mit der Einladung zur Früherkennungsuntersuchung an die Versicherten. Die Praxen halten jedoch auch unabhängig davon Exemplare für Beratungsgespräche bereit.

Folgende Versicherteinformationen sind verfügbar:

  • Darmkrebs-​Früherkennung für Männer ab 50 Jahren
  • Darm-​Krebsfrüherkennen (für Männer ab 50 Jahre in leichter Sprache)
  • Darmkrebs-​Früherkennung für Frauen ab 50 Jahren
  • Darm-​Krebs-Früherkennen (für Frauen ab 50 Jahre in leichter Sprache)
  • Gebärmutterhalskrebs-​Früherkennung (für Frauen zwischen 20 und 34 Jahren)
  • Gebärmutterhalskrebs-​Früherkennung (für Frauen ab 35 Jahren)

Praxen bestellen die Versicherteninformationen wie gewohnt über den Bestellservice, im Webshop der Rieco Gruppe oder per Fax über den Bestellschein.

 

 

zuletzt aktualisiert am: 18.09.2020

Datenübermittlung an die Datenannahmestelle (DAS):

Kontakt

Tobias Fischer

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Sektorenübergreifende Qualitätssicherung

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6502
Fax 069 24741-68819
sqs(at)kvhessen(.)de

Programm zur Früherkennung von Darmkrebs:

Ansprechpartner

Antje Andres

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6584
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.6(at)kvhessen(.)de

Programm zur Früherkennung des Zervixkarzinoms (Primärscreening, Zytologie und HPV-Test):

Ansprechpartner

Karola Reichert

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6673
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.8(at)kvhessen(.)de

Programm zur Früherkennung des Zervixkarzinoms (Abklärungskolposkopie):

Ansprechpartner

Heike Kirchner

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6611
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.8(at)kvhessen(.)de

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