Rechts im Bild ist ein Arzt. Links im Bild eine Patientin. Der Arzt untersucht den Arm der Patientin.

In Deutschland darf nicht jeder Vertragsarzt und -psychotherapeut automatisch sämtliche Behandlungen an Patienten durchführen und abrechnen. Für bestimmte Kassenleistungen wie die Dialyse brauchen sie eine Genehmigung. Dies dient der Qualitätssicherung im Sinne der Patienten und Praxen. Hessische Vertragsärzte und -psychotherapeuten beantragen die Genehmigung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Dialyse

Da Nieren ihre Funktion meist schleichend einstellen, fällt oft erst spät auf, dass die Nierenfunktion nachlässt. Dann können die Nieren ihre Hauptaufgaben (Reinigung und Balance des Wasserhaushalts) bereits nicht mehr (ausreichend) erfüllen. Insbesondere das Gleichgewicht der Mineralstoffe Phosphat und Calcium ist gestört. Die Dialyse, auch Nierenersatztherapie genannt, ist ein Blutreinigungsverfahren und übernimmt dann die wichtigsten Aufgaben der Nieren.

Corona-Pandemie: Versorgung von Dialyse-Patienten

Corona-Notfallplan: Damit die Versorgung für dialysepflichtigen Patienten während der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie sichergestellt ist, haben sich die Partner des Bundesmantelvertrags Ärzte (BMV-Ärzte) auf temporäre Ausnahmeregelungen verständigt. Die Vereinbarung zu den Notfallmaßnahmen wurde erstmals bis zum 30. September 2020 befristet und aktuell bis zum 30. September 2021 verlängert.

Während der Coronavirus-Pandemie können Ärzte, die Patienten mit einem Dialyse-Versorgungsauftrag nach Anlage 9.1 BMV-Ä (Versorgung chronisch niereninsuffizienter Patienten) versorgen, von den darin genannten Vorgaben abweichen. Die Regelung gilt, soweit dies durch das Infektionsgeschehen zur Sicherstellung der Versorgung der Patienten erforderlich und unter Berücksichtigung aller möglichen Alternativen medizinisch vertretbar ist.

Als Infektionsgeschehen gilt zum Beispiel:

  • die Schließung von Dialyseeinrichtungen (und Versorgung der Patienten in anderen Einrichtungen)
  • krankheitsbedingter Ausfall oder Quarantäne von Vertragsärzten
  • Versorgung von mit SARS-CoV-2 infizierten oder unter Infektionsverdacht stehenden Patienten 

Soweit dies zur Sicherstellung der Versorgung der Patienten zwingend erforderlich ist, kann die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) auch bestehende Versorgungsaufträge vorübergehend und befristet anpassen. Ärzte informieren die Ansprechpartner der Qualitätssicherung der KVH unverzüglich, wenn sie von den Vorgaben der Anlage 9.1 BMV-Ä abweichen müssen.

Zuschlagsziffer zu Infektionsdialysen

Die KVH hat für Ärzte spezielle Informationen zur Abrechnung von Infektionsdialysen während der Corona-Pandemie zusammengefasst.

Fachinformationen der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie

Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) hat Fachinformationen zu COVID-19 veröffentlicht. Nephrologen und Praxisteams finden dort unter anderem Hygieneempfehlungen, Handlungsanweisungen sowie Informationsblätter für Patienten und Personal.

Niedergelassene, ermächtigte und angestellte Fachärzte, Sicherstellungsassistenten und Vertreter sowie ärztlich geleitete Einrichtungen oder nicht ärztlich geleitete Einrichtungen im Rahmen einer Institutsermächtigung mit

  • Facharztbezeichnung Innere Medizin und Nephrologie
  • Schwerpunkt Nephrologie
  • Schwerpunkt / Zusatzweiterbildung Kinder-Nephrologie
  • Gebietsbezeichnung Kinderheilkunde (siehe „Welche zusätzlichen fachlichen Voraussetzungen brauche ich?“)

Ärzte mit Gebietsbezeichnung Kinderheilkunde müssen nachweisen (siehe § 4 Absatz 2 Qualitätssicherungsvereinbarung zu den Blutreinigungsverfahren):

  • selbstständige Durchführung von mindestens 1000 Dialysen unter Anleitung*, davon mindestens 250 Hämodialysen und mindestens 250 Peritonealdialysen
  • mindestens 24-monatige** ständige Tätigkeit in der pädiatrischen Nephrologie unter Anleitung*
  • mindestens zwölfmonatige** ständige Tätigkeit in der Dialyse unter Anleitung*
  • danach: erfolgreiche Teilnahme an einem Kolloquium

*durch einen nach der Weiterbildungsordnung befugten Arzt für das Gebiet Kinderheilkunde
** während der Tätigkeit in der pädiatrischen Nephrologie möglich

Nachzuweisen sind die apparative Ausstattung und organisatorischen Voraussetzungen sowie die Erfüllung der in §§ 5 und 6 der Qualitätssicherungsvereinbarung zu den Blutreinigungsverfahren genannten Anforderungen.

Organisatorische Voraussetzungen (§ 5 der QS-Vereinbarung zu den Blutreinigungsverfahren)

  • Dialyseverfahren und Dialyseformen
  • Kooperation mit einem Transplantationszentrum
  • Ärztliche Präsenz und pflegerische Bereitschaftsdienst
  • Bei der Durchführung von Hämodialysen von Erwachsenen als Zentrumsdialyse müssen in einer Praxis/Einrichtung mindestens 10 Behandlungsplätze vorhanden sein und nachgewiesen werden.

Apparative Voraussetzungen (§ 6 der QS-Vereinbarung zu den Blutreinigungsverfahren)

  • Nachweis der apparativen Voraussetzungen durch Bestätigung der Hersteller-, Liefer- oder Servicefirma und durch eigene Angaben des Antragstellers.

Wie erhalte ich die Genehmigung?

Wenn Sie Dialyse als Leistung für gesetzlich Versicherte anbieten und abrechnen möchten, muss die KVH dies zunächst genehmigen. Mitglieder der KVH stellen dazu einen Antrag bei der KVH und weisen die geforderten Voraussetzungen nach. Bitte beachten Sie, dass Genehmigungen nicht rückwirkend erteilt werden können.

Welche Leistungen sie nach der Genehmigung abrechnen können, hat die KVH ihren Mitgliedern in der Liste genehmigungspflichtiger Leistungen (GELE-Liste) zusammengefasst.

Damit die Krankenkassen die Leistungsvoraussetzungen prüfen können, müssen Ärzte dokumentieren, wenn

  • sie erstmalig ein Blutreinigungsverfahren einleiten.
  • sie das Verfahren wechseln.

Diese Dokumentation müssen sie an die Krankenkasse des Versicherten schicken. Dies regelt § 3 Absatz 6 Anlage 9.1 des Bundesmantelvertrags Ärzte (BMV-Ä) und dient zur Indikation des Dialyseverfahrens (Peritonealdialyse, Hämodialyse, IPD) sowie der Dialyseform (Zentrumsdialyse, Heimdialyse, zentralisierte Heimdialyse).

Für die Meldung an die Krankenkassen hat die KVH ihren Mitgliedern ein praktisches Muster sowie eine Liste der Krankenkassen erstellt, die zentrale Ansprechpartner für diese Meldung haben.

Um Ihnen diese Dokumentationspflicht so einfach wie möglich zu gestalten, hat die KV Hessen ein Formular „Meldung an die Krankenkassen“ (Muster 23) entworfen, welches die notwendigen Daten erhält und bequem am Computer von Ihnen ausgefüllt werden kann. Ebenso finden Sie für die Weiterleitung dieses Formulars eine Liste der Krankenkassen, welche eine zentrale Anschrift oder Faxnummer speziell nur für diese Meldung eingeführt haben. Bitte entnehmen Sie aus dieser Liste die betreffende Krankenkasse, bei der Ihr Patient versichert ist.

Gegenstand des sektorenübergreifenden Qualitätssicherungsverfahrens „Nierenersatztherapie bei chronischen Nierenversagen einschließlich Pankreastransplantationen (QS NET)“ sind sowohl Prozess- als auch Ergebnisqualität. Dabei stützt sich das Verfahren auf zwei Datenquellen: Fallbezogene Dokumentation durch den Arzt sowie Sozialdaten, die bei den Krankenkassen vorliegen. Mehr Informationen erhalten Mitglieder auf der Seite zur QS NET.

zuletzt aktualisiert am: 19.08.2021

Fragen zur sQS?

Auf den Seiten zur Sektorenübergreifenden Qualitätssicherung (SQS) veröffentlicht die KVH alle wichtigen Informationen und Ansprechpersonen.

Abrechnung

Schon gesehen? Die KVH informiert ihre Mitglieder auch über die Abrechnung von Kassenleistungenin hessischen Vertragsarzt- und -psychotherapeutenpraxen sowie über aktuelle EBM-Änderungen.

Ansprechpartner

Maria Kazantsidou

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Team 1

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6522
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.3(at)kvhessen(.)de

Ansprechpartner

Melanie Majarian

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Team 1

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6675
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.3(at)kvhessen(.)de

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