Bei bestimmten planbaren Eingriffen haben Patienten das Recht, sich eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Ärzte müssen bei der Abrechnung des Zweitmeinungsverfahrens rechtliche Vorgaben beachten.

Zweitmeinungsverfahren abrechnen

Patienten können sich vor bestimmten planbaren Operationen eine ärztliche Zweitmeinung bei Ärzten einholen. Ein rechtlicher Zweitmeinungsanspruch besteht momentan bei einer Mandeloperation (Tonsillotomie oder Tonsillektomie), bei einer Gebärmutterentfernung (Hysterektomie) sowie bei einer Schulterarthroskopie.

Jeder Arzt, der eine Operation bei den genannten Indikationen plant, muss den Patienten über das Recht auf eine Zweitmeinung informieren. Dafür kann er die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 aus dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen.

Dies betrifft Fachärzte für

  • Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) bei einer Mandeloperation
  • Gynäkologie bei einer Gebärmutterentfernung
  • Orthopädie und Unfallchirurgie oder
  • Orthopädie oder
  • Chirurgen mit Schwerpunkt Unfallchirurgie oder 
  • Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin bei einer Schulterarthroskopie

Ärzte, die eine Zweitmeinung für die Indikationen Mandeloperationen, Gebärmutterentfernung oder Schulterarthroskopie für gesetzlich Versicherte anbieten und abrechnen möchten, müssen sich diese von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) zunächst genehmigen lassen.

Eine zweite ärztliche Meinung soll das Risiko einer zu weiten Indikationsstellung verringern und damit zu hohen Zahlen bestimmter planbarer mengenanfälliger Eingriffe, die nicht immer medizinisch geboten sind.

Ärzte müssen nach der Zweitmeinungsrichtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) Patienten über ihren Rechtsanspruch informieren, wenn sie die Indikation für einen der oben genannten planbaren Eingriffe stellen.

In der Praxis heißt das: Rät ein HNO-Arzt einem Patienten zu einer Tonsillektomie, Tonsillotomie, ein Gynäkologe zu einer Hysterektomie oder ein Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie/ Chirurg mit Schwerpunkt Unfallchirurgie/ Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin zu einer Schulterarthroskopie, muss er den Patienten darauf hinweisen, dass er sich vor dem Eingriff eine Zweitmeinung einholen kann. Er händigt ihm dazu alle für die Zweitmeinungsberatung nötigen Befunde sowie ein Merkblatt des G-BA aus. Der indikationsstellende Arzt muss den Patienten auf die Liste der zweitmeinungsgebenden Ärzte hinweisen. Die KVH veröffentlicht die genehmigten zweitmeinungsgebenden hessischen Ärzte in der Arztsuche in Hessen. Bundesweit können Patienten zweitmeinungsgebende Ärzte über die Bundesarztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) suchen.

Der indikationsstellende Arzt rechnet für die Aufklärung zur Zweitmeinung mit den oben aufgeführten Bestandteilen die GOP 01645 ab. Die GOP 01645 ist 8,24 Euro wert (75 Punkte); bundeseinheitlicher Punktwert 2020 ist 10,9871 Cent. Ärzte können sie einmal im Krankheitsfall abrechnen. Die Aufklärung zur Zweitmeinung soll vom indikationsstellenden Arzt mindestens zehn Tage vor dem geplanten Eingriff erfolgen.

Suffix nötig: Bei der Aufklärung zur Zweitmeinung bei einer bevorstehenden Mandeloperation setzt der HNO-Arzt das Suffix „A“ an (er rechnet also die GOP 01645A ab). Bei einer bevorstehenden Gebärmutterentfernung setzt der Gynäkologe das Suffix „B“ an (er rechnet also die GOP 01645B ab). Bei einer bevorstehenden Schulterarthroskopie setzen Ärzte das Suffix „C“ an und rechnen also die GOP 01645C ab.

 

Im Abschnitt 4.3.9 der Allgemeinen Bestimmungen EBM ist festgelegt, dass der zweitmeinungsgebende Arzt die arztgruppenspezifischen Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen seiner Arztgruppe beim ersten Arzt-Patienten-Kontakt abrechnet. Die Zweitmeinung umfasst die Durchsicht vorliegender Befunde des indikationsstellenden Arztes und ein Anamnesegespräch.

Hinzu kommen ärztliche Untersuchungen, sofern sie zur Befunderhebung und Überprüfung der Indikationsstellung erforderlich sind. Die medizinische Notwendigkeit der Untersuchungen muss im freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009) angegeben werden.

Leistungen kennzeichnen: Der zweitmeinungsgebende Arzt kennzeichnet alle GOP zum Zweitmeinungsverfahren im freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009). Bei der bevorstehenden Mandeloperation wird die Kennzeichnung 88200A in das freie Begründungsfeld gesetzt, bei der bevorstehenden Gebärmutterentfernung die Kennzeichnung 88200B. Bei einer geplanten Schulterarthroskopie lautet die Kennzeichnung 88200C.

Im Rahmen des Zweitmeinungsverfahrens können (wenn medizinisch zwingend notwendig) Aufträge an weitere Vertragsärzte erfolgen. Der Arzt, der beauftragt wird, muss seine Leistungen kennzeichnen (88200A bei einer bevorstehenden Mandeloperation oder 88200B bei einer bevorstehenden Gebärmutterentfernung beziehungsweise 88200C bei einer geplanten Schulterarthroskopie). Der zweitmeinungsgebende Arzt gibt hierfür auf der Überweisung bei dem Auftrag „Zweitmeinung“ an.

zuletzt aktualisiert am: 05.05.2020

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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