Ärzte, die die Substitutionsbehandlung abrechnen möchten, müssen die Vorgaben aus dem Abschnitt 1.8 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) beachten.

Substitution – Abrechnung und Begründung

Die Substitutionstherapie umfasst die Behandlung von Patienten, die an einer Abhängigkeit von Opioiden leiden. Dabei erhält der Patient Ersatzstoffe (ebenfalls Opioide, genannt Substitute). Die Behandlung erfolgt mit dem Ziel, in absehbarer Zeit eine dauerhafte Substanzfreiheit herbeizuführen und die soziale Situation des Patienten deutlich zu verbessern.

Bei der Substitutionsbehandlung gibt es eine neue Leistung für die Behandlung mit einem Depotpräparat und das therapeutische Gespräch können Ärzte wegen der Corona-Pandemie häufiger und per Videosprechstunde abrechnen.

Abrechnungsvoraussetzungen: Die Gebührenordnungspositionen (GOP) aus dem Abschnitt 1.8 EBM können Ärzte in Hessen nur dann abrechnen, wenn sie eine Genehmigung der KVH haben und die Bestimmungen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) erfüllen.

Die Take-Home-Vergabe nach § 5 Absatz 9 BtMVV rechnen Praxen über die GOP 01949 ab. Sie ist einmal je Behandlungstag, jedoch höchstens zweimal pro Behandlungswoche berechnungsfähig. Die Behandlungswoche ist jede Kalenderwoche, in der die Substitutionsbehandlung nach der  Anlage I „Anerkannte Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden“ der Richtlinie Methoden Vertragsärztliche Versorgung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) durchgeführt wird.

Wenn der Opioidabhängige eine substitutionsgestützte Behandlung (GOP 01950) in der Arztpraxis benötigt, ist diese am Behandlungstag selbst nicht neben der GOP 01949 berechnungsfähig. Allerdings können Praxen beide GOP in einer Kalenderwoche nebeneinander abrechnen, wenn dies medizinisch nötig ist. Die medizinische Begründung vermerken Ärzte dann an der GOP 01949 EBM in dem freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009).

Vorsicht: Praxisorganisatorische Gründe wie geschlossene Praxen am Wochenende gelten nicht als medizinische Begründung.

Die GOP 01949 beinhaltet neben dem persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt und -Gespräch auch, dass der Arzt prüft, ob der Patient die Voraussetzungen erfüllt, Substitutionsmittel für einen oder mehrere Tage mit nach Hause zu nehmen. Im Regelfall ist die Take-Home-Vergabe für sieben Tage vorgesehen, in begründeten Einzelfällen sind auch 30 Tage möglich.

Die GOP 01960 für die konsiliarische Untersuchung und Beratung eines Patienten kann nur von suchtmedizinisch qualifizierten Ärzten abgerechnet werden. Die Konsultation muss bei substituierten Patienten jedes Quartal eingeholt werden (persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt von mindestens zehn Minuten), wenn der behandelnde Arzt nicht suchtmedizinisch qualifiziert ist. Ärzte können ohne zusätzliche Qualifikation zehn (statt bislang drei) Patienten substituieren.

Hausbesuche im Rahmen der Substitution rechnen Ärzte ab über die

  • GOP 01410 und 01413 für Mitbesuche
  • GOP 01950 oder
  • GOP 01949 für die Substitutionsbehandlung während des Hausbesuches.

Die Substitutionsbehandlung an sich ist kein Grund für einen Hausbesuch.

Hausbesuche können nur dann abgerechnet werden, wenn der Patient die Arztpraxis nicht aufsuchen kann wegen

  • einer nicht mit der Substitution im Zusammenhang stehenden Krankheit oder
  • chronischer Pflegebedürftigkeit (Pflegegrad).

Ärzte müssen bei der Abrechnung unbedingt den ICD-10-Kode der ausschlaggebenden Erkrankung für den Hausbesuch angeben. Die Pflegestufe des Patienten vermerken sie im freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009).

Bei substituierten Patienten können Ärzte nach wie vor bei Bedarf den Zuschlag (GOP 01952) für das therapeutische Gespräch bei den GOP 01950 und 01955 abrechnen. Dies ist auch bei der GOP 01949 möglich. 

Ärzte können das therapeutische Gespräch (GOP 01952)  wegen der Corona-Pandemie vorübergehend auch per Telefon und Video durchführen und abrechnen. Das Gespräch muss dafür mindestens zehn Minuten dauern.

Um das therapeutische Gespräch per Video abzurechnen, benötigen Ärzte einen zertifizierten Videodienstanbieter. Wenn Ärzte die Videosprechstunde durchführen, rechnen sie zusätzlich den Technikzuschlag mit der GOP 01450 ab. Die GOP 01952 kennzeichnen sie dabei mit dem Suffix „W“, also 01952W.

Neu ist außerdem, dass Ärzte die GOP 01952 während der Corona-Pandemie achtmal im Behandlungsfall abrechnen können. Dies war zuvor nur viermal im Behandlungsfall möglich. Diese Änderungen sind zunächst bis zum 30. Juni 2021 befristet.

Ärzte können seit dem 1. April 2020 die Gabe des Buprenorphin-Depotpräparats (Buvidal®) über die GOP 01953 abrechnen. Die Regelung gilt vorerst bis zum 30. Juni 2021.

Das Buprenorphin-Depotpräparat (Buvidal®) ist für die substitutionsgestützte Behandlung Opioidabhängiger zugelassen und wird in Form einer subkutanen Injektion durch den Arzt oder medizinisches Fachpersonal appliziert.

Wenn Ärzte den Patienten mit einem Depotpräparat behandeln und im Rahmen der Nachsorge betreuen, rechnen sie dafür die GOP 01953 ab. Für die Abrechnung muss ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattfinden. Die GOP 01953 ist 14,46 Euro wert (130 Punkte); bundeseinheitlicher Punktwert 2021 ist 11,1244 Cent. Ärzte können sie einmal je Behandlungswoche abrechnen.

Abrechnungsvoraussetzungen: Die GOP aus dem Abschnitt 1.8 EBM können Ärzte in Hessen nur dann abrechnen, wenn sie eine Genehmigung der Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) haben und die Bestimmungen der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV) erfüllen. Ärzte die bereits eine Genehmigung für den Abschnitt 1.8 EBM haben, können die neue GOP 01953 automatisch abrechnen.

Abschnitt 1.8 EBM

GOP
Kurzlegende
Hinweise
01949
Substitutionsgestützte Behandlung Opioidabhängiger bei Take-Home-Vergabe gemäß § 5 Abs. 9 BtMVV
Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, je Behandlungstag, höchstens zweimal in der Behandlungswoche (Kalenderwoche)
01950
Substitutionsgestützte Behandlung Opioidabhängiger nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses
Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, je Behandlungstag
01951
Zuschlag zu den GOP 01949 und 01950 für die Behandlung an Samstagen, an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen, am 24. und 31. Dezember
 
01952
Zuschlag zu den GOP 01949 oder 01950 für das therapeutische Gespräch
Mindestens 10 Minuten, höchstens achtmal im Behandlungsfall
01953
Versorgung Opioidabhängige mit einem Depotpräparat
Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, einmal je Behandlungswoche
01955
Diamorphingestützte Behandlung Opioidabhängiger nach den Richtlinien des G-BA und BtMVV
Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, je Behandlungstag
01956
Zuschlag zu der Gebührenordnungsposition 01955 für die Behandlung an Samstagen, an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen, am 24. und 31. Dezember
 
01960
Konsiliarische Untersuchung und Beratung eines Patienten im Rahmen des Konsiliariusverfahrens
Persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt, Dauer mindestens 10 Minuten, einmal im Behandlungsfall
zuletzt aktualisiert am: 22.03.2021

Ihre Downloads ()

Ihre gesammelten Downloads können Sie jetzt komfortabel mit einem Klick herunterladen.

Alle herunterladen