Ein Mann bedient eine professionelle Kamera © Judith Scherer

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert Medienvertreter direkt und aktuell über relevante Neuigkeiten rund um die ambulante Versorgung in Hessen – durch Pressemitteilungen und -konferenzen.

Notfallversorgung in Hessen

Projekt zur Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen startet in den Echtbetrieb

Armin Beck, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVH:„Bereitschafts- und Rettungsdienst werden im SaN-Projekt bei der Akut- und Notfallversorgung endlich so verzahnt, dass der medizinische Bedarf im Vordergrund steht und der Patient in die richtige Versorgungsebene gesteuert werden kann.“

 Gesundheitsministerin Diana Stolz:„Mit dem neuen System kommen Patienten direkt an die richtige Stelle – damit werden Rettungsdienst und Notaufnahmen entlastet.”

In Hessen startet das SaN Projekt, das die Notfallversorgung deutlich verbessern soll, jetzt in drei Pilotlandkreisen in den Echtbetrieb. Voraussetzung dafür ist ein durchgehend digitaler Prozess, der eine Fallübernahme und -übergabe zwischen Leitstellen des Rettungsdienstes und der Disposition des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes ermöglicht. „SaN” – die Abkürzung steht für „Sektorenübergreifende ambulante Notfallversorgung” – ist damit ein großer Schritt auf dem Weg zu einer effizienten Patientensteuerung in der Akut- und Notfallversorgung.

Die Hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz erklärt: „Hinter dem SaN-Projekt steckt eine einfache Idee: Wer medizinische Hilfe braucht, soll künftig schneller an die richtige Stelle geleitet werden. So bekommen Patienten die passgenaue Hilfe, die sie brauchen – bei gleichzeitiger Entlastung von Rettungsdienst und Notaufnahmen.“

Am Montag haben sich die Beteiligten in der Rettungsleitstelle in Hofheim am Taunus angeschaut, wie das Ganze in der Praxis funktioniert. Vor Ort waren die Hessische Gesundheitsministerin Diana Stolz, der Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) Armin Beck, Prof. Steffen Gramminger für die Hessische Krankenhausgesellschaft (HKG) und Claudia Ackermann, Leiterin der Landesvertretung Hessen des Verbands der Ersatzkassen e. V. (vdek), stellvertretend für die GKV in Hessen.

Bisher ist es oft so: Wer krank wird, ruft vielfach den Rettungsdienst (112) oder fährt direkt in die Notaufnahme. Das Problem: Viele Menschen greifen damit auf den Rettungsdienst zurück oder landen in der Notaufnahme, obwohl ihr Fall eigentlich ambulant und somit beim Hausarzt oder Ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) behandelt werden könnte. Das führt zu steigenden Einsatzzahlen im Rettungsdienst, überfüllten Notaufnahmen mit langen Wartezeiten für Patienten und einer hohen Belastung für das medizinische Personal.

„Rettungsdienst und Notaufnahmen dürfen nicht mit Fällen überlastet werden, die dort nicht hingehören – wenn zum Beispiel der Hausarzt die richtige Anlaufstelle wäre”, so Diana Stolz. „Umgekehrt müssen Patienten nicht mehr stundenlang an der falschen Stelle warten und werden richtig gelotst.” Hessen kann somit bereits wichtige Erfahrungen für die zukünftige, verbesserte Patientensteuerung sammeln, denn auch auf Bundesebene wird dieser Weg als zukunftsweisend in der aktuell beschlossenen Notfallreform angesehen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass alle Versorgungsbereiche auch künftig handlungsfähig bleiben und die notwendigen Rahmenbedingungen für eine verlässliche Zusammenarbeit geschaffen werden.

Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KVH, Armin Beck, ergänzt: „Die zentrale Innovation des Projektes ist das Denken der medizinischen Versorgung von Not- und Akutfällen als Ganzes, ganz unabhängig davon, welche Anlaufstelle eine Hilfe suchende Person zuerst kontaktiert. Egal ob der Rettungsdienst über die 112, den Akut- und Terminservice der KVH über die 116117 oder die Notaufnahme eines Krankenhauses: im SaN-Projekt werden die Dringlichkeit und der Versorgungsbedarf der Hilfesuchenden qualifiziert ersteingeschätzt und diese so in die bedarfsgerechte medizinische Versorgung gesteuert.

Das kann die rettungsdienstliche Versorgung im kritischen Notfall sein, das kann kurzfristig eine geeignete Praxis, aber auch die hausärztliche Versorgung am nächsten Tag sein, je nach festgestelltem, tatsächlichem Bedarf. Und da die Prozesse jetzt durchgängig digitalisiert sind, können Patientinnen und Patienten in diesem Steuerungsprozess auch nicht mehr „verloren gehen“.

Prof. Dr. med. Steffen Gramminger, Geschäftsführender Direktor der HKG, erklärt: „Das SaN-Projekt zeigt, wie eine bessere Patientensteuerung in der Praxis funktionieren kann, nämlich dann, wenn wir die Versorgung gemeinsam denken und nicht entlang von Sektorengrenzen organisieren. Hessen ist hier früh vorangegangen und hat seine Hausaufgaben gemacht.

Entscheidend ist aber jetzt, dass dieser Weg nicht durch fehlende Rahmenbedingungen des Bundes aufs Spiel gesetzt wird, wodurch alle unsere Bemühungen zur Sicherung einer guten Patientenversorgung erschwert werden. Damit Projekte wie SaN ihr Potenzial entfalten können, dürfen die bestehenden Strukturen nicht durch zusätzliche Anforderungen, etwa im Zuge der geplanten Notfallreform der Bundesregierung, überfordert werden. Sonst lässt sich eine verlässliche Versorgung langfristig nicht sicherstellen“.

„Mit dem SaN Projekt schließen wir in Hessen gezielt eine Versorgungslücke in der Notfallversorgung. Durch die technische Vernetzung der ambulanten Akutversorgung (116117) mit dem Rettungsdienst (112) ist erstmals eine durchgängige patienten- und bedarfsorientierte Steuerung möglich.

Hilfesuchende werden gezielt dorthin geleitet, wo sie medizinisch richtig aufgehoben sind. Patientinnen und Patienten, die keine stationäre Behandlung benötigen, können direkt in einer niedergelassenen Arztpraxis behandelt werden, ohne dass ein Transport in ein Krankenhaus notwendig ist“, erklärt Claudia Ackermann, Leiterin der vdek-Landesvertretung Hessen stellvertretend für die GKV in Hessen.

Wie funktioniert SaN?

Egal, wo sich jemand meldet – ob bei der 112, der 116117 oder in der Notaufnahme – das medizinische Personal schätzt ein, wie dringend der Fall ist und welche Hilfe gebraucht wird. Das kann bedeuten: Bei einem echten Notfall gibt es einen sofortigen Rettungseinsatz. Bei dringenden, aber nicht lebensbedrohlichen Fällen wird an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst weitergegeben. Bei leichteren Beschwerden reicht ein Termin beim Hausarzt am nächsten Wochentag.

Grundlage für die Einschätzung ist im Rettungsdienst und in der Notaufnahme ein geprüftes digitales Medizinprodukt namens „SmED” (Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland). Damit wird die Einschätzung überall nach den gleichen, sicheren Regeln getroffen. Das SaN-Projekt läuft in drei Pilotlandkreisen: im Main-Taunus-Kreis, im Main-Kinzig-Kreis und im Landkreis Gießen.

Alle Beteiligten begrüßen den Start der Produktivphase. Die Ministerin würdigte abschließend das Engagement der Projektpartner: „Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn alle Akteure im Gesundheitswesen partnerschaftlich an einem Strang ziehen. Mein Dank gilt den beteiligten Landkreisen und Krankenhäusern, der KV Hessen, der Hessischen Krankenhausgesellschaft, den Krankenkassen und allen weiteren Partnern, die dieses Vorhaben mit großem Einsatz vorangebracht haben. Wir werden den hessischen Weg konsequent im Sinne unserer Bürgerinnen und Bürger weitergehen.“

 

zuletzt aktualisiert am: 27.04.2026

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