In Deutschland darf nicht jeder Vertragsarzt und -psychotherapeut automatisch sämtliche Behandlungen an Patienten durchführen und abrechnen. Für bestimmte Kassenleistungen wie die Neuropsychologische Therapie brauchen sie eine Genehmigung. Dies dient der Qualitätssicherung im Sinne der Patienten und Praxen. Hessische Vertragsärzte und -psychotherapeuten beantragen die Genehmigung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Neuropsychologische Therapie

Die neuropsychologische Diagnostik und Therapie dient der Feststellung und Behandlung von hirnorganisch verursachten Störungen geistiger (kognitiver) Funktionen, des emotionalen Erlebens, des Verhaltens und der Krankheitsverarbeitung sowie der damit verbundenen Störungen psychosozialer Beziehungen. Betroffen sind Patienten mit hirnorganischen Erkrankungen – etwa nach einem Schlaganfall oder Unfall.

Die Indikation für eine neuropsychologische Therapie wird in zwei Stufen festgestellt (§ 5 Abs. 1 Anlage I Nr. 19 Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung).

Stufe 1: somatische Abklärung, Indikation – kann nur abgerechnet werden (nicht antrags- und genehmigungspflichtig) von Fachärzten für

  • Neurologie
  • Nervenheilkunde
  • Psychiatrie
  • Psychiatrie und Psychotherapie
  • Neurochirurgie
  • Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Neuropädiatrie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Stufe 2: neuropsychologische Diagnostik, Indikationsstellung und Behandlungsplan – kann nach Genehmigung nur abgerechnet werden von Fachärzten für

  • Neurologie
  • Nervenheilkunde
  • Psychiatrie
  • Psychiatrie und Psychotherapie
  • Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Neuropädiatrie
  • Neurochirurgie
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie
    sowie von
  • Ärztlichen Psychotherapeuten, Psychologischen Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten mit fachlicher Befähigung nach § 13 der Psychotherapie-Richtlinie

Neuropsychologische Zusatzqualifikation inhaltsgleich oder gleichwertig der jeweiligen Zusatzbezeichnung für Neuropsychologie gemäß Weiterbildungsordnung der Landespsychotherapeutenkammern oder, soweit eine solche nicht besteht, gemäß der Muster-Weiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer.

Da es in der ärztlichen Weiterbildungsordnung bisher noch keine entsprechende Zusatzbezeichnung gibt, müssen Ärzte zum Erhalt einer Abrechnungsgenehmigung ebenfalls die genannten Nachweise erbringen (inhaltsgleich oder gleichwertig).

  • Meldung des Therapiebeginns an die zuständige Krankenkasse
  • Stufendiagnostik nicht durch denselben Leistungserbringer nach § 5 Abs. 2 und 3 Anlage I Nr. 19 Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung
  • Anforderungen an Anwendungsformen, Leistungserbringung, Leistungsinhalt und Leistungsumfang der neuropsychologischen Therapie entsprechend § 7 Anlage I Nr. 19 Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung
    • maximal fünf probatorische Sitzungen zur Diagnostik
    • Einzelbehandlungen bis zu 60 Sitzungen à 50 Minuten oder 120 Sitzungen bei Unterteilung in 25 Minuten, gegebenenfalls um 20 Sitzungen verlängerbar
    • Gruppenbehandlung bis zu 40 Sitzungen à 100 Minuten oder bis zu 80 Sitzungen à 50 Minuten Sitzungsdauer
    • bei Kombination von Einzel- und Gruppentherapie ist die gesamte Behandlung im Rahmen des als Regelfall definierten Leistungsumfangs von 60 oder 120 Sitzungen durchzuführen.

Wie erhalte ich die Genehmigung?

Wenn Sie Neuropsychologische Therapie als Leistung für gesetzlich Versicherte anbieten und abrechnen möchten, muss die KVH dies zunächst genehmigen. Mitglieder der KVH stellen dazu einen Antrag bei der KVH und weisen die geforderten Voraussetzungen nach. Bitte beachten Sie, dass Genehmigungen nicht rückwirkend erteilt werden können.

Welche Leistungen sie nach der Genehmigung abrechnen können, hat die KVH ihren Mitgliedern in der Liste genehmigungspflichtiger Leistungen (GELE-Liste) zusammengefasst.

Dokumentation der Befunde nach § 5 Anlage I Nr. 19 Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung, Therapieplan, Anzahl und Dauer der Behandlung pro Woche, Gesamtbehandlungsanzahl (Einzelheiten siehe Richtlinie § 9 Nr. 19).

Einzelfallprüfung durch Stichproben (Dokumentationsprüfung): Mindestens vier Prozent der abrechnenden Ärzte und hier werden jeweils zwölf Fälle kontrolliert.

zuletzt aktualisiert am: 14.09.2018

Abrechnung

Schon gesehen? Die KVH informiert ihre Mitglieder auch über die Abrechnung von Kassenleistungenin hessischen Vertragsarzt- und -psychotherapeutenpraxen sowie über aktuelle EBM-Änderungen.

Ansprechpartner

Merhawi Tewolde

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6658
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.9(at)kvhessen(.)de

Ansprechpartner

Anna Sophie Zebi

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6688
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.9(at)kvhessen(.)de

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