In Deutschland darf nicht jeder Vertragsarzt und -psychotherapeut automatisch sämtliche Behandlungen an Patienten durchführen und abrechnen. Für bestimmte Kassenleistungen wie die Liposuktion bei Lipödem im Stadium III brauchen sie eine Genehmigung. Dies dient der Qualitätssicherung im Sinne der Patienten und Praxen. Hessische Vertragsärzte und -psychotherapeuten beantragen die Genehmigung bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Liposuktion bei Lipödem im Stadium III

Das Lipödem zeichnet sich durch eine disproportionale, schmerzhafte Vermehrung von Fettgewebe vor allem an Beinen und Armen aus. Durch die als Liposuktion bezeichnete operative Fettabsaugung bei einem Lipödem im Stadium III wird – häufig in mehreren Teileingriffen – versucht, die Bewegungsfähigkeit zu verbessern und Beschwerden zu lindern.

Am 7. Dezember 2019 ist die neue Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Verfahren der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III in Kraft getreten und gilt befristet bis zum 31. Dezember 2024. Die neue Qualitätssicherungs-Richtlinie regelt unter anderem die Voraussetzungen zur Durchführung und Abrechnung der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III in der vertragsärztlichen Versorgung. Die Liposuktion zur Behandlung des Lipödems im Stadium III hat dabei als Tumeszenz-Liposuktion zu erfolgen. Trockene Verfahren der Absaugung sind nicht zulässig. Die Liposuktion kann seit dem 1. Januar 2020 zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erfolgen.

  • Fachärzte für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
  • Sonstige operativ tätige Facharztgruppen

Leistungen, die Ärzte nach Erteilung der Zustimmung abrechnen können, hat die KVH als EBM-Änderungen zusammengefasst.

  • Nachweis über die selbstständige Durchführung der Liposuktion bei Lipödem in mindestens 50 Fällen vor dem 7. Dezember 2019 (Inkrafttreten der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Verfahren der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III ).

oder

  • Nachweis über die Durchführung der Liposuktion bei Lipödem in mindestens 20 Fällen innerhalb von zwei Jahren unter der Anleitung eines bereits erfahrenen Anwenders im Falle der Neuanwendung. (Zur Anleitung berechtigt sind Anwender, die die Liposuktion beim Lipödem nachweislich in 50 oder mehr Fällen selbstständig durchgeführt haben.)
  • Persönliche Genehmigung zur Ausführung und Abrechnung von ambulanten Operationen und sonstigen stationsersetzenden Eingriffen nach § 115 b SGB V gemäß der Vereinbarung von Qualitätssicherungsmaßnahmen nach § 135 Abs. 2 SGB V zum ambulanten Operieren am Operationsstandort.
  • Bei belegärztlicher Erbringung ist die Belegarzt-Anerkennung notwendig.
  • Bei einer Absaugung von mehr als 3.000 ml reinen Fettgewebes pro Eingriff muss die postoperative Nachbeobachtung über mindestens zwölf Stunden sichergestellt sein. (Das maximale Fettvolumen, das pro Sitzung entfernt werden kann, beträgt acht Prozentdes Körpergewichts in Litern.)
  • Geeignete Organisation und Infrastruktur mit Notfallplänen (SOP) sowie Bereithaltung der für Reanimation und sonstige Notfälle benötigten Geräte und Medikamente vor Ort.
  • Geeignete Organisation und Infrastruktur durch Möglichkeit einer intensivmedizinischen Behandlung und stationärer Notfalloperationen.

Einrichtungen, die nicht über eine Intensivstation und die kontinuierliche Möglichkeit zu stationären Notfalloperationen verfügen, haben organisatorisch zu gewährleisten, dass eine im Bedarfsfall erforderliche intensivmedizinische beziehungsweise operative Behandlung der Patientin durch Kooperation mit einer anderen Einrichtung erfolgt.

Wie erhalte ich die Zustimmung?

Wenn Sie Liposuktionen durchführen und abrechnen möchten, reichen Sie bitte die Erklärung zur Durchführung und Abrechnung der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III bei der KVH ein. Damit bestätigen Sie die Leistungsvoraussetzungen und Mindestanforderungen, die nach der Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Verfahren der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III vorzuhalten sind.

Der Unterausschuss Methodenbewertung des G-BA ist mit weiteren Beratungen zu der Richtlinie beauftragt, insbesondere zur weiteren themenspezifischen Konkretisierung gemäß § 2 Absatz 3 der Richtlinie zur Förderung der Qualität und zu Folgen der Nichteinhaltung sowie zur Durchsetzung von Qualitätsanforderungen des G-BA gemäß § 137 Absatz 1 SGB V (QFD-RL). Sollte der G-BA Änderungen der Richtlinie beschließen, die sich auf die Durchführung und Abrechnung und Liposuktion auswirken, informieren wir Sie an dieser Stelle.

Die aktuell gültige Fassung der Richtlinie über Maßnahmen zur Qualitätssicherung bei Verfahren der Liposuktion bei Lipödem im Stadium III fordert insbesondere die folgenden Dokumentationen.

Zu dokumentierende obligate Kriterien gemäß § 4 Abs. 2 Diagnose und Indikationsstellung:

  • Disproportionale Fettgewebsvermehrung (Extremitäten-Stamm) mit großlappig überhängenden Gewebeanteilen von Haut und Subkutis
  • Fehlende Betroffenheit von Händen und Füßen
  • Druck- oder Berührungsschmerz im Weichteilgewebe der betroffenen Extremitäten
     

Zu dokumentierende obligate Voraussetzungen gemäß § 4 Abs. 3: Diagnose und Indikationsstellung:

  • Trotz innerhalb der letzten sechs Monate vor Indikationsstellung kontinu ierlich durchgeführter, ärztlich verordneter konservativer Therapie konnten die Krankheitsbeschwerden nicht hinreichend gelindert werden
  • Bei Patientinnen mit einem Body Mass Index (BMI) ab 35 kg/m2 findet eine Behandlung der Adipositas statt.

 Bitte beachten Sie: Bei einem BMI ab 40 kg/m2 soll keine Liposuktion durchgeführt werden. (§ 4 Abs. 4)

Gemäß § 5 Abs. 4 –  Eingriffsbezogene Qualitätssicherung – ist vor dem ersten Eingriff eine übergreifende Operationsplanung vorzunehmen. Dabei sind:

  • die Zahl der Einzeleingriffe,
  • das jeweils in einem Eingriff abzusaugende Fettvolumen und
  • die zu behandelnden Areale unter Risikoabwägung zu planen.
  • Im Rahmen der eingriffsbezogenen Risikoabwägung muss außerdem jeweils die maximale Infiltrationsmenge der Tumeszenzlösung, bei Zusatz eines Lokalanästhetikums auch unter Berücksichtigung einer maximalen Wirkstoffdosierung, festgelegt und dokumentiert werden.

 Im Rahmen der Diagnose- und Indikationsstellung sollen die Patientinnen über die Erprobungsstudie des G-BA zur Behandlung des Lipödems informiert werden.

Der Unterausschuss Methodenbewertung des G-BA ist mit weiteren Beratungen zu dieser Richtlinie beauftragt, insbesondere zur weiteren themenspezifischen Konkretisierung gemäß § 2 Absatz 3 der Richtlinie zur Förderung der Qualität und zu Folgen der Nichteinhaltung sowie zur Durchsetzung von Qualitätsanforderungen des G-BA gemäß § 137 Absatz 1 SGB V (QFD-RL).

zuletzt aktualisiert am: 10.02.2020

Abrechnung

Schon gesehen? Die KVH informiert ihre Mitglieder auch über die Abrechnung von Kassenleistungenin hessischen Vertragsarzt- und -psychotherapeutenpraxen sowie über aktuelle EBM-Änderungen.

Ansprechpartner

Stefanie Gilmer

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6354
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.1(at)kvhessen(.)de

Ansprechpartner

Beate Hartmann

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6551
Fax 069 24741-68819
qs.fb1.1(at)kvhessen(.)de

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