Ärzte, die Leistungen zur Hyperbaren Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom abrechnen möchten, müssen die Vorgaben aus dem Abschnitt 30.2.2 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) beachten.

Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom (DFS)

Patienten mit schwerem diabetischem Fußsyndrom (DFS) können mit der hyperbaren Sauerstofftherapie behandelt werden. Dabei atmen die Betroffenen unter erhöhtem Luftdruck in einer Druckkammer reinen Sauerstoff ein. So wird das Wundgewebe mit mehr Sauerstoff versorgt, um die Heilung anzuregen.

Abrechnungsvoraussetzungen: Ärzte können im Rahmen der hyperbaren Sauerstofftherapie Leistungen zur Indikationsprüfung, für die Durchführung der hyperbaren Sauerstofftherapie in der Druckkammer und für die Versorgung zwischen den Druckkammerbehandlungen abrechnen. Grundlage sind die Anforderungen aus dem Abschnitt 30.2.2 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM).

Indikation und Voraussetzung

Die Gebührenordnungspositionen (GOP) aus dem Abschnitt 30.2.2 sind für Patienten mit diabetischem Fußsyndrom vorgesehen, deren Läsion Gelenkkapsel oder Sehnen einschließt (entsprechend Wagner Stadium II) und bei denen andere Maßnahmen der Standardtherapie – medikamentöse Behandlung, Wunddebridement, Verbände, Druckentlastung und chirurgische Maßnahmen – erfolglos geblieben sind.

GOP zur hyperbaren Sauerstofftherapie

GOPKurzbeschreibungHinweiseBewertung
30210Teilnahme an einer multidisziplinären Fallkonferenz zur Indikationsprüfung vor Überweisung an ein DruckkammerzentrumEinmal im Krankheitsfall, auch telefonisch möglich, wenn allen Teilnehmern die erforderlichen Dokumentationen vorliegen6,93 Euro* (64 Punkte)
30212Indikationsprüfung vor Überweisung an Druckkammerzentrum, Beratung zum Befund, Berücksichtigung des Ergebnisses zur GOP 30210, Dokumentation, Beurteilung des Lokalbefundes, der Wundversorgung und der Wundheilungstendenz sowie die Wirksamkeit der bisher durchgeführten Maßnahmen. Die Transportfähigkeit muss geprüft und ein Befundbericht erstellt werdenEinmal im Krankheitsfall37,12 Euro* (343 Punkte)
30214Betreuung eines Patienten zwischen den Druckkammerbehandlungen, Fußinspektion, Wundversorgung sowie Überprüfung und Dokumentation der Wundgröße und -heilungstendenzJe Bein, je Sitzung15,15 Euro* (140 Punkte)
30216Feststellung der Druckkammertauglichkeit, Feststellung der Transportfähigkeit, Aufklärung Druckkammertherapie, Ganzkörperstatus, Otoskopie und/oder Tympanometrie und/oder binokularmikroskopische Untersuchung des TrommelfellsEinmal vor Beginn des Behandlungszyklus34,96 Euro* (323 Punkte)
30218Hyperbare Sauerstofftherapie, unter Anwendung des Problemwunden-Therapieschemas 240-90, Dokumentation, expiratorische Sauerstoffmessung und Maskenüberwachung sowie Koordination und Sicherstellung der Betreuung zwischen den Behandlungen nach GOP 30214Einmal je Behandlungstag126,95 Euro* (1173 Punkte)

* gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2019 (10,8226 Cent)

Ärzte können die Indikationsprüfung vor Überweisung zur hyperbaren Sauerstofftherapie (GOP 30210 und 30212) jeweils einmal im Krankheitsfall abrechnen.

Ausnahmen, in denen ein zweimaliger Ansatz im Krankheitsfall möglich ist:

  1. Zum Zeitpunkt der Erstberechnung liegt eine nicht behandlungsrelevante Wunde vor. Ärzte tragen im freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009) „zweite Wunde“ ein.
  2. Bei derselben Wunde ist dies nur in Ausnahmefällen bei einer medizinischen Notwendigkeit möglich. Ärzte tragen im freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009) eine kurze Begründung hinsichtlich der Wunde ein.

Bei allen GOP ist die Nr. 22 der Anlage I „Anerkannte Untersuchungs- oder Behandlungsmethoden“ der Richtlinie Methoden Vertragsärztliche Versorgung zu beachten. Liegt die Indikation zur hyperbaren Sauerstofftherapie vor (GOP 30212), erfolgt die Überweisung zur hyperbaren Sauerstofftherapie (GOP 30218) als Auftrag.

Bei Feststellung der Druckkammertauglichkeit des Patienten rechnen Ärzte die GOP 30216 vor Beginn eines Behandlungszyklus ab. Ein Behandlungszyklus ist die aufeinanderfolgende Druckkammerbehandlung an wöchentlich mindestens drei Tagen. Insgesamt sind in einem Behandlungszyklus höchstens 40 Druckkammerbehandlungen möglich.

Im Krankheitsfall sind mit schriftlicher Begründung bis zu zwei Behandlungszyklen berechnungsfähig. Jeweils nach zehn Druckkammerbehandlungen muss der überweisende Facharzt oder seine Vertretung die Notwendigkeit einer Weiterführung der Behandlung schriftlich bestätigen. Ärzte rechnen für die Betreuung eines Patienten zwischen den Druckkammerbehandlungen die GOP 30214 ab.

Indikationsprüfung nach GOP 30212 und Teilnahme an einer multidisziplinären Fallkonferenz zur Indikationsprüfung (GOP 30210) eines Patienten:

Die GOP 30212 und 30210 abrechnen dürfen Fachärzte

  • für Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
  • im Gebiet Innere Medizin mit Zusatzweiterbildung „Diabetologie“ oder die Bezeichnung „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft“
  • für Allgemeinmedizin mit Zusatzweiterbildung „Diabetologie“ oder die Bezeichnung „Diabetologe Deutsche Diabetes Gesellschaft“

Die GOP 30210 abrechnen dürfen zusätzlich Fachärzte

  • Ärzte müssen bestimmte Mindeststandards erfüllen, wenn sie die GOP 30214 abrechnen: Sie gehören einer der oben genannten Personengruppen an. Wenn sie einer anderen Fachgruppe angehören oder als Facharzt für Innere Medizin oder für Allgemeinmedizin keine Zusatzweiterbildung haben, müssen sie in den letzten vier Quartalen mindestens 100 Patienten mit Diabetes mellitus behandelt haben sowie die Qualifikation zur Durchführung von programmierten Schulungen für Diabetiker nachweisen können. Chirurgen, Dermatologen und Orthopäden müssen die Schulung nicht nachweisen.
  • Das medizinische Fachpersonal hat die Kompetenz in lokaler Wundversorgung. Als Nachweis dienen von der DDG anerkannte Kurse für Wundversorgung oder gleichwertige Kurse.
  • Räumlichkeiten nach § 6 Absatz 2 Nr. 2 Qualitätssicherungsvereinbarung Ambulantes Operieren
  • Ausstattung für angiologische und neurologische Basisdiagnostik
  • Voraussetzung für entsprechende therapeutische Maßnahmen
  • Zusammenarbeit mit entsprechend qualifizierten Fachdisziplinen und -berufen.

Die Mindeststandards gelten nicht für überweisende Fachärzte, die Patienten für die Bestätigung der Notwendigkeit einer Weiterbehandlung nach jeder zehnten Druckkammerbehandlung betreuen.

Um die hyperbare Sauerstofftherapie (GOP 30216 und 30218) durchführen und abrechnen zu können, wird eine Druckkammer benötigt, in der ein erhöhter Luftdruck erzeugt werden kann. Dies ist in der Regel nur in speziellen Einrichtungen möglich, beispielsweise in Tauch- und Überdruckzentren.

Ärzte benötigen für die GOP 30216 und 30218 eine Genehmigung der KVH zur Durchführung der hyperbaren Sauerstofftherapie. Die Qualitätssicherungsvereinbarung (QS-Vereinbarung) ist seit dem 1. Oktober 2019 in Kraft.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der Spitzenverband der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) haben die QS-Vereinbarung nach § 135 Abs. 2 SGB V gefasst. Sie regelt fachliche, apparative, räumliche und organisatorische Voraussetzungen für die Ausführung und Abrechnung von Leistungen.

zuletzt aktualisiert am: 14.11.2019

Genehmigung zur Abrechnung

Ärzte benötigen für die Abrechnung der GOP 30216 und 30218 eine Genehmigung der KVH zur Durchführung der hyperbaren Sauerstofftherapie. Sie müssen dazu einen Antrag bei der KVH stellen, die wiederum die Abrechnung genehmigen muss.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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