Bedarfsplan: Wie viele Ärzte braucht das Land?
Die Bedarfsplanung ist sozusagen die Arbeitsgrundlage für den Zulassungsausschuss Hessen, der Vertragsärztinnen und -ärzte, Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Bundesland Hessen zulassen muss, bevor sie gesetzlich krankenversicherte Patientinnen und Patienten behandeln dürfen.
Hier erläutert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) die Bedarfsplanung.
Bedarfsplanungs-Richtlinien
Die Bedarfsplanungs-Richtlinien werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erlassen. Sie legen die Verhältniszahlen fest und wie viele Vertragsärzinnen und -ärzte gebraucht werden. Im Einzelnen regeln sie
- die vertragsärztliche sowie psychotherapeutische Bedarfsplanung
- die Feststellung einer Überversorgung in einer Region
- die Beurteilung einer drohenden oder bestehenden Unterversorgung
- Sonderbedarfsfeststellungen sowie
- die hausärztliche und fachärztliche Versorgungsstruktur
Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ist es, die Bedarfspläne aufzustellen und sie an die Entwicklung anzupassen (§ 99 SGB V). Dazu weisen sie Planungsbereiche aus, die jeweils das Gebiet einer kreisfreien Stadt, eines Landkreises oder einer Kreisregion umfassen. In diesen Planungsbereichen wird für jedes ärztliche Fachgebiet eine Verhältniszahl festgelegt, also die Relation „Einwohner je Arzt“. Beispielsweise betreut eine Augenärztin oder ein Augenarzt im Durchschnitt 300 gesetzlich Krankenversicherte.
Verhältniszahlen bilden die Grundlage für die Berechnung des Versorgungsgrades und somit auch für die Feststellung einer Über- oder Unterversorgung in einem Planungsbereich. Wenn beispielsweise die tatsächliche Arztdichte die festgelegte Verhältniszahl um zehn Prozent übersteigt, so wird im Planungsbereich für diese Arztgruppe eine Überversorgung festgestellt und der Bereich wird für weitere Niederlassungen von Ärztinnen und Ärzten dieser Fachrichtung gesperrt. In bestimmten Fällen sind Sonderbedarfszulassungen durch den Zulassungsausschuss Hessen möglich.
Bedarfsplan 2026 – Anpassung Stadt Hanau und Main-Kinzig-Kreis
Der Bedarfsplan 2026 wurde einvernehmlich von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sowie den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen beschlossen. Das Hessische Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und Pflege (HMG) hat keine Beanstandungen ausgesprochen.
Der Bedarfsplan ist kontinuierlich fortzuschreiben. Teil 1 des Bedarfsplans beinhaltet tabellarische und kartographi-sche Darstellungen zur regionalen Versorgungssituation, Teil 2 die regionalen Grundlagen der Bedarfsplanung. Die Bedarfsplanungs-Richtlinie sieht in § 4 Abs. 1 Satz 5 alle drei bis fünf Jahre eine Aktualisierung dieser beiden Teilbereiche des Bedarfsplans vor.
Neben einer Aktualisierung der im Bedarfsplan 2022 beschriebenen Inhalte sieht der Bedarfsplan 2026 eine neue regionale Abweichung vor. Im Rahmen der allgemeinen fachärztlichen Versorgung werden im Zuge der Auskreisung Hanaus die Verhältniszahlen der Stadt Hanau sowie des Main-Kinzig-Kreises angepasst.
Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Hessen hat erstmals am 23. April 2026 auf der Grundlage dieses Bedarfsplans einen Beschluss zur Über- und Unterversorgung gefasst.
Warteliste für Niederlassungsinteressierte
Sie möchten sich niederlassen oder angestellt in einer vertragsärztlichen Praxis arbeiten und haben bereits einen Zulassungsantrag gestellt? Dann tragen Sie sich rechtzeitig in die Warteliste für den beantragten Planungsbereich ein.
Aktuelle Zulassungsbeschränkungen
Die Geschäftsstelle des Landesausschusses ist bei der KVH (Team Bedarfsprüfung) angesiedelt.
Beschluss vom 23. April 2026
Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Hessen hat am 23. April 2025 unter Zugrundelegung des Arztstandes vom 1. März 2026 auf Basis der Bedarfsplanungs-Richtlinie 2012 (zuletzt geändert am 19. Februar 2026) einen Beschluss zur Anordnung und Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen gefasst.
Freie Sitze
Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten können sich für Sitze in Hessen bewerben. Das geht ganz einfach mit der Übersicht der freien Sitze in Hessen.
Bedarfsgerecht fördern
Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die in Gebieten mit Versorgungsbedarf überdurchschnittlich viel leisten, erhalten Sicherstellungszuschläge.
Versorgungsdaten
Daten zur ambulanten Versorgung in Hessen finden Sie in unseren Dossiers von Fokus Gesundheit und in unseren Online-Karten.
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© Katarzyna Bialasiewicz