Frau sitzt links im Bild. Kind sitzt rechts im Bild. Das Kind erklärt der Frau etwas. © Katarzyna Bialasiewicz

Wie viele Ärzte und Psychotherapeuten eine Zulassung zur Versorgung von gesetzlich versicherten Patienten erhalten, ist vom Gesetzgeber in der Bedarfsplanung strikt geregelt: Sie soll die vertragsärztliche Versorgung im Bundesland sicherstellen und gewährleistet, dass sich dort ausreichend und flächendeckend Ärzte und Psychotherapeuten niederlassen können. Gleichzeitig verhindert sie, dass sich zu viele Ärzte einzelner Fachrichtungen an bestimmten Standorten niederlassen.

Bedarfsplan: Wie viele Ärzte braucht das Land?

Die Bedarfsplanung ist sozusagen die Arbeitsgrundlage für den Zulassungsausschuss Hessen, der Vertragsärztinnen und -ärzte, Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten und Medizinische Versorgungszentren (MVZ) im Bundesland Hessen zulassen muss, bevor sie gesetzlich krankenversicherte Patientinnen und Patienten behandeln dürfen.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) erklärt die Bedarfsplanung leicht verständlich, unter anderem in einer Broschüre.

Bedarfsplanungs-Richtlinien

Die Bedarfsplanungs-Richtlinien werden vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) erlassen. Sie legen die Verhältniszahlen fest und wie viele Vertragsärzte gebraucht werden. Im Einzelnen regeln sie

  • die vertragsärztliche sowie psychotherapeutische Bedarfsplanung
  • die Feststellung einer Überversorgung in einer Region
  • die Beurteilung einer drohenden oder bestehenden Unterversorgung
  • Sonderbedarfsfeststellungen sowie
  • die hausärztliche und fachärztliche Versorgungsstruktur

Aufgabe der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) ist es, die Bedarfspläne aufzustellen und sie an die Entwicklung anzupassen (§ 99 SGB V). Dazu weisen sie Planungsbereiche aus, die jeweils das Gebiet einer kreisfreien Stadt, eines Landkreises oder einer Kreisregion umfassen. In diesen Planungsbereichen wird für jedes ärztliche Fachgebiet eine Verhältniszahl festgelegt, also die Relation „Einwohner je Arzt“. Beispielsweise betreut ein Augenarzt im Durchschnitt 300 gesetzlich Krankenversicherte.

Verhältniszahlen bilden die Grundlage für die Berechnung des Versorgungsgrades und somit auch für die Feststellung einer Über- oder Unterversorgung in einem Planungsbereich. Wenn beispielsweise die tatsächliche Arztdichte die festgelegte Verhältniszahl um zehn Prozent übersteigt, so wird im Planungsbereich für diese Arztgruppe eine Überversorgung festgestellt und der Bereich wird für weitere Niederlassungen von Ärzten dieser Fachrichtung gesperrt. In bestimmten Fällen sind Sonderbedarfszulassungen durch den Zulassungsausschuss Hessen möglich.

Bedarfsplan 2022 (Hessen)

Der Bedarfsplan 2022 wurde einvernehmlich von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen sowie den Landesverbänden der Krankenkassen und den Ersatzkassen beschlossen. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration hat keine Beanstandungen ausgesprochen.

Der Bedarfsplan ist kontinuierlich fortzuschreiben. Teil 1 des Bedarfsplans beinhaltet tabellarische und kartographische Darstellungen zur regionalen Versorgungssituation, Teil 2 die regionalen Grundlagen der Bedarfsplanung. Die Bedarfsplanungs-Richtlinie sieht in § 4 Abs. 1 Satz 5 alle drei bis fünf Jahre eine Aktualisierung dieser beiden Teilbereiche des Bedarfsplans vor.

Neben einer Aktualisierung der im Bedarfsplan 2019 beschriebenen Inhalte sieht der Bedarfsplan 2022 eine neue regionale Abweichung vor. Im Rahmen der hausärztlichen Versorgung wird die Stadt Fulda aus dem bisherigen Mittelbereich Fulda herausgelöst und bildet neben dem neuen Mittelbereich Petersberg/Künzell einen eigenständigen Planungsbereich.

Darüber hinaus wurden aktuelle politische und zentrale Versorgungsthemen aufgegriffen und beleuchtet. So wurde in Zeiten des Trends der Zunahme von Anstellungen und Teilzeittätigkeit die Entwicklung der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) detailliert betrachtet.

In maximal 20 Minuten zum Hausarzt?

Die hausärztliche und wohnortnahe fachärztliche bzw. psychotherapeutische Versorgung stellen weiterhin eine große gesundheitspolitische Herausforderung dar. Mit einer an die Inhalte des § 35 (5) Satz 2 der Bedarfsplanungsrichtlinie angelehnten hessenweiten Erreichbarkeitsanalyse von Ärztinnen und Ärzten sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten schaffen wir zusätzliche Transparenz in der vertragsärztlichen und ver-tragspsychotherapeutischen Versorgung. Ergänzend werden in einem neuen Kapitel die Auswirkungen der Bedarfsplanungsreform vom 16. Mai 2019 beleuchtet oder auch zusätzliche Versorgungsmaßnahmen im Zuge der Coronapandemie beschrieben.

Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Hessen hat erstmals am 17. November 2022 auf der Grundlage dieses Bedarfsplans einen Beschluss zur Über- und Unterversorgung gefasst.

Der Hessische Bedarfsplan ist drei Jahre gültig. Unter bestimmten Voraussetzungen kann er vorzeitig angepasst werden, beispielsweise bei neuen Erkenntnissen oder Sachlagen, die weitere regionale Besonderheiten belastbar aufzeigen.

Die aktuelle Bedarfsplanung setzt die reformierte und zum 30. Juni 2019 in Kraft getretene Bedarfsplanungs-Richtlinie um. Der G-BA ist damit dem Auftrag des Gesetzgebers nach §§ 92 Abs. 1 Satz 2 Nr. 9 und 101 SGB V nachgekommen. Demzufolge sollte die Bedarfsplanung zielgenauer werden und den regionalen Besonderheiten Rechnung tragen, indem die Länder mehr Möglichkeiten erhalten, sie flexibel anzuwenden.

Warteliste für Niederlassungsinteressierte

Sie möchten sich niederlassen oder angestellt in einer vertragsärztlichen Praxis arbeiten und haben bereits einen Zulassungsantrag gestellt? Dann tragen Sie sich rechtzeitig in die Warteliste für den beantragten Planungsbereich ein.

Aktuelle Zulassungsbeschränkungen

Die Geschäftsstelle des Landesausschusses ist bei der KVH (Team Bedarfsprüfung) angesiedelt.

Beschluss vom 17. November 2022

Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen in Hessen hat am 17. November 2022 unter Zugrundelegung des Arztstandes vom 1. Oktober 2022 im Rahmen eines Umlaufverfahrens auf Basis der Bedarfsplanungs-Richtlinie 2012 (zuletzt geändert am 21. April 2022) einen Beschluss zur Anordnung und Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen gefasst.

zuletzt aktualisiert am: 29.11.2022

Freie Sitze

Ärztinnen und  Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und -therapeuten können sich für Sitze in Hessen bewerben. Das geht ganz einfach mit der Übersicht der freien Sitze in Hessen.

Bedarfsgerecht fördern

Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die in Gebieten mit Versorgungsbedarf überdurchschnittlich viel leisten, erhalten Sicherstellungszuschläge.

Ansprechpartner

info.line

Mo – Fr: 7 – 17 Uhr

Tel 069 24741-7777
Fax 069 24741-68826
info.line(at)kvhessen(.)de

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