Ärzte und Psychotherapeuten, die Videosprechstunden anbieten, können dafür Zuschläge abrechnen. Und als Bonus gibt´s die Anschubförderung noch automatisch obendrauf.

Videosprechstunde abrechnen

Bei der Videosprechstunde therapieren Ärzte/Psychotherapeuten ihre Patienten via Bildschirm. Beide sind also räumlich getrennt, der Ablauf der Sprechstunde erfolgt aber wie gewohnt. Mit der Videosprechstunde können Patienten, die beispielsweise mobil eingeschränkt sind oder an einer chronischen Krankheit leiden, den Anfahrtsweg und Zeit sparen.

Die Vorgaben zur Videosprechstunde erfahren Ärzte/Psychotherapeuten in der Vereinbarung über die technischen Anforderungen an die Praxis in der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag - Ärzte (BMV-Ä). Für die Abrechnung benötigen Ärzte/Psychotherapeuten einen zertifizierten Videodienstanbieter. Diesen melden sie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) ganz einfach über das Formular "zertifizierten Videodienstanbieter melden".

Gebührenordnungspositionen (GOP) zur Videosprechstunde

GOPKurzbeschreibungHinweiseBewertung
01442Videofallkonferenz mit Pflegekräften nach Anlage 31b zum BMV-ÄDreimal im Krankheitsfall6,93 Euro (64 Punkte)
01444Zuschlag Authentifizierung nach Anlage 4b zum BMV-Ä im Rahmen Videosprechstunde nach Anlage 31b zum BMV-ÄEinmal im Behandlungsfall1,08 Euro (10 Punkte)
01450Zuschlag für Videosprechstunden nach Anlage 31b zum BMV-Ä„Technikzuschlag“ je Arzt-Patienten-Kontakt4,33 Euro (40 Punkte)
01451Anschubförderung für Videosprechstunden nach Anlage 31b zum BMV-Ä im Rahmen einer Betreuung eines PatientenAutomatische Zusetzung erfolgt durch die KVH9,96 Euro (92 Punkte)

* gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2019 (10,8226 Cent)

Ärzte/Psychotherapeuten rechnen den Zuschlag zur Videosprechstunde (GOP 01450) je Kontakt mit dem Patienten im Rahmen einer Videosprechstunde ab. Zum Beispiel in Zusammenhang mit der Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschale.

Die GOP 01451 (Anschubförderung für Videosprechstunden) setzt die KVH den Ärzten automatisch je abgerechnete Videosprechstunde (GOP 01450) zu.  

Voraussetzung: Ärzte/Psychotherapeuten rechnen mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal ab.  Die Förderung soll helfen, das Angebot in der vertragsärztlichen Versorgung weiter auszubauen und zu etablieren. Deshalb ist sie mit der GOP 01451 zeitlich begrenzt (sie läuft zum 30. September 2021 aus).

Die Videosprechstunde wird seit dem 1. Oktober 2019 über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale vergütet, statt wie davor über die GOP 01439. (Die GOP 01439 wurde zum 1. Oktober 2019 aus dem EBM gestrichen und kann nicht mehr abgerechnet werden.)

Kennzeichnung: Wenn Ärzte/Psychotherapeuten einen Patient in einem Quartal ausschließlich über Videosprechstunde versorgen, kennzeichnen sie den Fall mit „88220“ – die Kennzeichnung wird ganz einfach wie eine GOP in der Abrechnung angegeben.  Die Anzahl dieser Behandlungsfälle ist auf 20 Prozent aller Behandlungsfälle des Arztes/Psychotherapeuten beschränkt. 

Erfolgt der Kontakt ausschließlich über Video, werden die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen und gegebenenfalls die sich darauf beziehenden Zuschläge gekürzt. Die Höhe des Abschlags wird fachgruppenspezifisch differenziert:

Abschlag von 20 ProzentAbschlag von 25 ProzentAbschlag von 30 Prozent

Hausärzte

Kinder- und Jugendmedizin

Neurologie / Neurochirurgie

Kinder- und Jugendpsychiatrie / -psychotherapie

Psychosomatik / Psychotherapie / Psychiatrie

Schmerztherapie

Strahlentherapie (nur GOP 25214)

Ermächtigte Ärzte

Innere Medizin

Gynäkologie

Chirurgie

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Humangenetik

Dermatologie

Orthopädie

Urologie

Physikalische und Rehabilitative Medizin

Anästhesie

Augenheilkunde

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde / Phoniatrie

Ärzte/Psychotherapeuten erhalten ihre Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale in voller Höhe vergütet, wenn sie den Patienten im selben Quartal auch persönlich sehen (persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt).

Wichtig: Die strahlentherapeutischen Konsiliarpauschalen bei gutartiger beziehungsweise bösartiger Erkrankung (GOP 25210 und 25211) bleiben weiterhin nur im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt berechnungsfähig. Grund:  Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt ist notwendig, um den obligaten Leistungsinhalt (Überprüfung der vorliegenden Indikation) zu erfüllen.

Auch die Konsiliarpauschalen der Fachgruppen Labor, Nuklearmedizin, Pathologie und Radiologie können  weiterhin nur bei persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt abgerechnet werden.

Videosprechstunden werden bei den Arzt-Patienten-Kontakten zur Chronikerpauschale angerechnet: Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte erhalten die Chronikerpauschale (GOP 03220 bis 03222 / 04220 bis 04222) auch dann, wenn von den drei erforderlichen Arzt-Patienten-Kontakten ein oder zwei per Video stattgefunden haben. Die drei Kontakte müssen innerhalb der letzten vier Quartale erfolgt sein. In dem Quartal in dem Ärzte die Chronikerpauschale abrechnen, müssen sie den Patienten persönlich treffen (es ist ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt notwendig).

Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten können bestimmte Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie über Videosprechstunde durchführen und abrechnen, für die das psychotherapeutische Berufsrecht und die Psychotherapie-Vereinbarung keinen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt vorgeben.

Voraussetzung: Es muss ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung vorangehen, bevor die weitere Therapie über die Videosprechstunde erfolgen kann. Ärzte/Psychotherapeuten kennzeichnen Gesprächsleistungen und Leistungen aus Kapitel 35 mit Buchstaben (Suffixe), wenn sie diese per Video erbringen.

Bei der Gruppenbehandlung rechnet der Arzt/Psychotherapeut jeweils nur einmal je Gruppe den Technikzuschlag (GOP 01450) für die Videosprechstunde ab.

Ferner können Ärzte/Psychotherapeuten auch bestimmte haus- und fachärztliche Gesprächsleistungen abrechnen, wenn sie per Videosprechstunde erfolgen. Ärzte/Psychotherapeuten beachten bitte, dass maximal 20 Prozent der jeweiligen Leistung im Quartal über Videosprechstunde erfolgen kann.

Bei Pflegebedürftigen können Ärzte – wenn notwendig unterstützt vom Pflegepersonal – die Videosprechstunde durchführen.
Ärzte können die patientenorientierte Fallkonferenz (GOP 37120 – Fallkonferenz nach Anlage 27 BMV-Ä und 37320  – Fallkonferenz nach Anlage 30 BMV-Ä) als Videokonferenz abhalten. Wenn Ärzte die Fallbesprechung per Videokonferenz durchführen, rechnen sie den Zuschlag 01450 ab. Die KVH setzt der Praxis die GOP 01451 dann zu (vorausgesetzt die 01450 wird im Quartal mindestens 15 Mal abgerechnet).

Fallkonferenzen können neu seit dem 1. Oktober 2019 über Video erfolgen und abgerechnet werden, wenn der Patient zu Hause oder in einer beschützenden Einrichtung lebt. Ärzte/Psychotherapeuten rechnen hierfür die GOP 01442 ab. 

Die GOP 01442 vergütet Videofallkonferenzen zwischen der Pflegekraft eines chronisch pflegebedürftigen Patienten und dem Arzt/Psychotherapeuten, der die diagnostischen, therapeutischen, rehabilitativen und/oder pflegerischen Maßnahmen des Patienten koordiniert. Voraussetzung ist, dass im aktuellen und/oder den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt in derselben Praxis stattgefunden hat.

Auch andere Fallkonferenzen und Fallbesprechungen können jetzt über Videosprechstunde erfolgen:

GOPLeistung
GOP 30210:Indikationsüberprüfung Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom
GOP 30706:Schmerztherapie
GOP 30948:MRSA-Fall- und/oder regionale Netzwerkkonferenz
GOP 37400:Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase

Wichtig: Nur der Arzt/Psychotherapeut, der die Videofallkonferenz initiiert, erhält den Technikzuschlag (GOP 01450). Eine Videofallkonferenz darf ebenso wie eine Videosprechstunde nur mittels eines nach Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä) zertifizierten Videodienstanbieters durchgeführt werden.

 

 

Mit der neuen GOP 01444 wird der zusätzliche Aufwand berücksichtigt, neue Patienten in der Videosprechstunde zu authentifizieren, da die erforderlichen Stammdaten sich nicht über die elektronische Gesundheitskarte automatisiert erfassen lassen. Die  GOP 01444 ist 1,08 Euro wert (10 Punkte); bundeseinheitlicher Orientierungspunktwert 2019 ist 10,8226 Cent. Ärzte/Psychotherapeuten rechnen sie als Zuschlag zur Grund-, Versicherten- oder Konsiliarpauschale ab.

Die Details wie Ärzte/Psychotherapeuten neue Patienten in der Videosprechstunde authentifizieren, sind in der neuen Anlage 4b zum Bundesmantelvertrag Ärzte ausgestaltet. Diese und die wegen den Änderungen am EBM überarbeitete Anlage 31b (Vereinbarung über die Anforderungen an die technischen Verfahren zur Videosprechstunde) sollen zeitnah veröffentlicht werden und rückwirkend zum 1. Oktober 2019 in Kraft treten.

Als „unbekannt“ gilt im Rahmen dieser Regelungen ein Patient, den der Arzt/Psychotherapeut noch nie oder nur noch nicht im laufenden Quartal oder im Vorquartal in der Praxis behandelt hat. Die GOP 01444 ist zeitlich befristet bis zum 30. September 2021 in den EBM aufgenommen. Anschließend sollen neue technische Verfahren den zusätzlichen Aufwand, neue Patienten in der Praxis zu authentifizieren, obsolet machen.

Ärzte wählen einen zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für einen reibungslosen und sicheren technischen Ablauf der Videosprechstunde sorgt.

Eine aktuelle Liste der zertifizierten Videodienstanbieter  stellt die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zur Verfügung. Den dann genutzten Videodienstanbieter teilen Ärzte/Psychotherapeuten der KVH mit, um die Videosprechstunde abrechnen zu können.

Um die Videosprechstunde durchzuführen brauchen Ärzte und Patienten:

  • einen Bildschirm mit Kamera
  • Mikrofon
  • Lautsprecher
  • eine Internetverbindung (zusätzliche Software ist nicht erforderlich)

Damit ein Arzt die Videosprechstunde durchführen kann, muss der Patient vorab eine schriftliche Einwilligungserklärung abgeben. Die Sprechstunde muss in einem ruhigen Raum, der Privatsphäre gewährleistet, stattfinden und frei von Werbung sein. Der Klarname des Patienten muss einwandfrei verständlich sein.

  • Anästhesisten
  • Ärztliche und psychologische Psychotherapeuten
  • Augenärzte
  • Chirurgen
  • Dermatologen
  • Fachärzte für Innere Medizin
  • Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie bzw. Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychotherapie
  • Fachärzte für physikalische und rehabilitative Medizin
  • Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Gynäkologen
  • Hals-Nasen-Ohrenärzte
  • Hausärzte
  • Humangenetiker
  • Kinder- und Jugendärzte
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
  • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen
  • Neurologen, Nervenärzte und Neurochirurgen
  • Orthopäden
  • Phoniater und Pädaudiologen
  • Psychiater
  • Strahlentherapeuten
  • Urologen

Um die Videosprechstunde zu starten, versendet die Praxis einen Termin, die Internetadresse und einen Einwahlcode für die Sprechstunde. Am Tag der Sprechstunde wählt sich der Patient einige Minuten vor Beginn ohne Account ein und gibt den Namen an. Anschließend wartet der Patient im Online-Wartezimmer nach einem Testanruf, bis der Arzt anruft. Nach der Sprechstunde erfolgt die Abmeldung.

zuletzt aktualisiert am: 04.11.2019

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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