In der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) rechnen Ärzte und Psychotherapeuten ihr Honorar einmal im Quartal nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ab, die die Daten prüft und sie wiederum mit der Krankenkasse des Patienten abrechnet.

Geriatrie abrechnen – so geht's

Die Leistungen zur Versorgung geriatrischer Patienten sind geregelt im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Da sich Mitglieder immer wieder die Frage stellen, welche Leistung in welcher Konstellation und wann abgerechnet werden kann, gibt dieser Artikel einen Überblick über

Hausärztlich geriatrische Versorgung

Über den Abschnitt 3.2.4 EBM können Hausärzte bei ihren geriatrischen Patienten die folgenden Gebührenordnungspositionen (GOP) abrechnen.

GOP
Inhalt
Hinweis
Bewertung
03360
Hausärztlich-geriatrisches Basisassessment; Erhebung/ Beurteilung unter anderem der Selbstversorgungsfähigkeiten und der Mobilität
Einmal im Behandlungsfall; höchstens zweimal im Krankheitsfall
13,20 €* (122 Punkte)
03362
Hausärztlich-geriatrischer Betreuungskomplex
Einleitung/ Koordination der Behandlung; erst berechnungsfähig, wenn die Ergebnisse aus GOP 03360 und/ oder aus GOP 30984 vorliegen
Einmal im Behandlungsfall 17,21 €* (159 Punkte)

*gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2019 (10,8226 Cent)

Patienten müssen aufgrund ihrer Krankheitsverläufe einen geriatrischen Versorgungsbedarf aufweisen und bestimmte Kriterien erfüllen: Höheres Lebensalter (ab vollendetem 70. Lebensjahr) und geriatrietypische Morbidität (Patienten, bei denen mindestens ein nachfolgendes geriatrisches Syndrom dokumentiert ist) und/oder

Vorliegen eines Pflegegrades
  • Multifaktoriell bedingte Mobilitätsstörung einschließlich Fallneigung und Altersschwindel
  • Komplexe Beeinträchtigung kognitiver, emotionaler oder verhaltensbezogener Art
  • Frailty-Syndrom (Kombinationen von unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, körperlicher und/ oder geistiger Erschöpfung, muskulärer Schwäche, verringerter Ganggeschwindigkeit und verminderter körperlicher Aktivität)
  • Dysphagie
  • Inkontinenz(en)
  • Therapierefraktäres chronisches Schmerzsyndrom
Vorliegen einer der folgenden Erkrankungen
  • F00-F02 dementielle Erkrankungen
  • G30 Alzheimer-Erkrankung
  • G20.1 Primäres Parkinson-Syndrom mit mäßiger bis schwerer Beeinträchtigung
  • G20.2 Primäres Parkinson-Syndrom mit schwerster Beeinträchtigung auch bei Patienten, die das 70. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Spezialisierte Geriatrie

Die Leistungen für die spezialisierte geriatrische Diagnostik (Abschnitt 30.13 EBM) sind für Patienten mit einem besonders aufwändigen geriatrischen Versorgungsbedarf bestimmt. Spezialisierte Geriater ermitteln den individuellen Behandlungsbedarf eines Patienten und erstellen einen Behandlungsplan. Der Vertragsarzt (in der Regel der Hausarzt), der den Patienten überwiesen hat, nutzt diesen dann für das Einleiten und Koordinieren geeigneter, wohnortnaher Therapiemaßnahmen.

GOP
Inhalt
Hinweis
Bewertung
Wer darf abrechnen?
30980
Vorabklärung durch den überweisenden Hausarzt
einmal im Krankheitsfall
21,00 €*, 194 Punkte
Überweisender Hausarzt sowie in Ausnahmefällen in Kooperation mit dem Hausarzt: Facharzt für Neurologie, Nervenheilkunde, Neurologie und Psychiatrie, Psychiatrie und Nervenheilkunde sowie Vertragsarzt mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie.
30981
Vorabklärung durch den spezialisierten geriatrischen Vertragsarzt beziehungsweise die geriatrische Institutsambulanz (GIA)
einmal im Krankheitsfall
14,18 €, 131 Punkte
Spezialisierter geriatrischer Vertragsarzt**
30984
Durchführung eines weiterführenden geriatrischen Assessments
einmal im Krankheitsfall
95,46 €, 882 Punkte
Spezialisierter geriatrischer Vertragsarzt**
30985
Zuschläge für länger dauernde Durchführung: Dauert die Durchführung länger als 60 Minuten, können je weitere vollendete 30 Minuten Zuschläge jeweils bis zu zweimal im Krankheitsfall berechnet werden. Dies dient dazu, den sinkenden Arztzeitanteil abzubilden. Dieser entsteht zum Beispiel durch Einbindung von Heilmittelerbringern wie Physiotherapeuten.
bis zu zweimal im Krankheitsfall
35,17 €, 325 Punkte
 
30986
Zuschläge für länger dauernde Durchführung: Dauert die Durchführung länger als 60 Minuten, können je weitere vollendete 30 Minuten Zuschläge jeweils bis zu zweimal im Krankheitsfall berechnet werden. Dies dient dazu, den sinkenden Arztzeitanteil abzubilden. Dieser entsteht zum Beispiel durch Einbindung von Heilmittelerbringern wie Physiotherapeuten.
bis zu zweimal im Krankheitsfall
25,32 €, 234 Punkte
 
30988
Einleitung und Koordination der Therapiemaßnahmen nach einem weiterführenden geriatrischen Assessment als Zuschlag zu GOP 03362, 16230, 16231, 21230 und 21231
einmal im Krankheitsfall
7,03 €, 65 Punkte
Weiterbehandelnder Hausarzt sowie in Ausnahmefällen in Kooperation mit dem Hausarzt: Facharzt für Neurologie, Nervenheilkunde, Neurologie und Psychiatrie, Psychiatrie und Nerven-heilkunde, sowie vom Vertragsarzt mit der Zusatzbezeichnung Geriatrie

*gemäß bundeseinheitlichem Orientierungspunktwert 2019 (10,8226 Cent)

**Vertragsärzte mit Zusatzbezeichnung Geriatrie sowie Fachärzte für Innere Medizin und Geriatrie; für Innere Medizin mit Schwerpunkt Geriatrie; für Innere Medizin / Physikalische und Rehabilitative Medizin / Allgemeinmedizin mit geriatrischer Qualifikation

Patienten müssen aufgrund der Art, Schwere und Komplexität ihrer Krankheitsverläufe einen besonders aufwändigen geriatrischen Versorgungsbedarf haben und folgende Kriterien erfüllen: Höheres Lebensalter (ab Beginn des 71. Lebensjahres) und Vorliegen von mindestens zwei der nachfolgenden geriatrischen Syndrome oder mindestens ein nachfolgendes geriatrisches Syndrom und eine Pflegestufe gemäß § 15 SGB XI:

  • Multifaktoriell bedingte Mobilitätsstörung einschließlich Fallneigung und Altersschwindel
  • Komplexe Beeinträchtigung kognitiver, emotionaler oder verhaltensbezogener Art
  • Frailty-Syndrom (Kombinationen von unbeabsichtigtem Gewichtsverlust, körperlicher und/oder geistiger Erschöpfung, muskulärer Schwäche, verringerter Ganggeschwindigkeit und verminderter körperlicher Aktivität)
  • Dysphagie
  • Inkontinenz(en)
  • Therapierefraktäres chronisches Schmerzsyndrom

Voraussetzung: Ergebnisse des geriatrischen Basisassessment (GOP 03360) liegen vor. Das Assessment darf nicht länger als ein Quartal zurückliegen. Außerdem muss der geriatrische Versorgungsbedarf mit einer entsprechenden Diagnose (ICD-Code) dokumentiert sein.

Der Hausarzt ist zuständig für

  • das hausärztlich geriatrische Basisassessment (GOP 03360) und
  • den hausärztlich geriatrischen Betreuungskomplex (GOP 03362)
  • die Einleitung und Koordination der Therapiemaßnahmen (GOP 30988 als Zuschlag) nach spezialisierter geriatrischer Diagnostik.

Der Hausarzt entscheidet bei dem geriatrischen Basisassessment (GOP 03360), ob der geriatrische Patient Leistungen aus dem Abschnitt der spezialisierten Geriatrie benötigt. Wenn ja, tauscht er sich mit einem spezialisierten Geriater aus: Der Hausarzt rechnet hierfür die 30980 ab und der spezialisierte Geriater die GOP 30981.

Wichtig: Wenn Hausärzte die GOP 30980 abrechnen, muss der Name des spezialisierten Geriaters, der die 30981 abrechnet, im freien Begründungstext (Feldkennung 5009) angegeben werden; Ausnahmen gibt es bei einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) / einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ). Ein geriatrisch spezialisierter Arzt nach Abschnitt 30.13 Nr. 2 EBM benötigt immer eine Genehmigung der KVH, daher reicht es nicht aus, wenn der Hausarzt sich mit einem Klinikarzt austauscht.

Ebenfalls Aufgabe des Hausarztes ist es, die Therapiemaßnahmen nach einer spezialisierten geriatrischen Diagnostik einzuleiten und zu koordinieren. Der spezialisierte Geriater stellt dem Hausarzt dafür einen Behandlungsplan zur Verfügung. Der Hausarzt rechnet dann die GOP 30988 als Zuschlag beispielsweise zur GOP 03362 ab.

Voraussetzung für den Zuschlag GOP 30988: Der spezialisierte Geriater muss zuvor das weiterführende geriatrische Assessment nach der GOP 30984 durchgeführt haben. Danach müssen die Therapiemaßnahmen (Zuschlag GOP 30988) innerhalb von vier Wochen eingeleitet und durchgeführt werden.

Für die Abrechnung der GOP 03362 müssen die Ergebnisse eines geriatrischen Basisassessments entsprechend den Inhalten der GOP 03360 und/ oder eines weiterführenden geriatrischen Assessments nach GOP 30984 vorliegen.

Service: Hausärzte finden spezialisierte Geriater in Hessen in der Arztsuche Hessen.

Variante 1: Hausarzt und spezialisierter Geriater sind zwei Personen in zwei verschiedenen Praxen

Für die GOP 30981 (Vorabklärung) und die GOP 30984 bis 30986 (Durchführung des weiterführenden geriatrischen Assessments) benötigen Ärzte eine Abrechnungsgenehmigung der KVH.

  1. Vor jeder spezialisierten geriatrischen Diagnostik muss geklärt werden, ob der Patient dafür geeignet ist. Dies findet ohne Patientenkontakt zwischen dem spezialisierten Geriater und dem überweisenden Vertragsarzt statt. Der Geriater rechnet dafür die GOP 30981 ab.
  2. Spezialisierte Geriater führen das weiterführende geriatrische Assessment (GOP 30984 bis 30986) im Rahmen eines persönlichen Arzt-Patienten-Kontaktes aus. Der Hausarzt (beziehungsweise Fachärzte in Kooperation mit Hausärzten, siehe Tabelle) des Patienten stellt hierfür eine Überweisung aus (Ausnahmen: bei einer BAG/MVZ oder einer Personalunion).

Zum spezialisierten geriatrischen Assessment gehören zum Beispiel Selbstversorgungsfähigkeiten, Mobilität, Kognition, Emotion, instrumentelle Aktivitäten sowie soziales Assessment (wie soziales Umfeld, Wohnumfeld, häusliche/ außerhäusliche Aktivitäten, Pflege-/ Hilfsmittelbedarf) jeweils in mindestens fünf Bereichen einschließlich einer Anamnese und einer körperlichen Untersuchung des Patienten.

Der spezialisierte geriatrische Arzt erstellt anhand der Testergebnisse und Untersuchungen einen individuellen schriftlichen Behandlungsplan für den überweisenden Vertragsarzt.

Variante 2: Hausarzt und spezialisierter Geriater sind zwei Personen in einer/m BAG/MVZ

Hausärzte und spezialisierte Geriater, die zusammen in einer BAG oder einem MVZ tätig sind, können das weiterführende geriatrische Assessment nach der GOP 30984 ohne Überweisung abrechnen.

Voraussetzung: Die Notwendigkeit ergibt sich über das hausärztlich geriatrische Basisassessment (GOP 03360). In diesen Fällen kennzeichnen Ärzte die beiden Leistungen für die Vorabklärung mit „D“: GOP 30980D (Hausarzt) und 30981D (spezialisierter Geriater). Die GOP 30980D und 30981D müssen von unterschiedlichen Ärzten der Praxis abgerechnet werden.

Somit ist die Vorabklärung in BAG und MVZ berechnungsfähig. Die Vergütung der Vorabklärung erfolgt aufgrund des geringeren Abstimmungsaufwandes bei gemeinschaftlicher Behandlung zu 50 Prozent.

Variante 3: Hausarzt und spezialisierter Geriater sind eine Person

Für Hausärzte mit Spezialisierung Geriatrie, die sowohl nach Nr. 1 als auch Nr. 2 der Präambel des Abschnitts 30.13 EBM abrechnen dürfen, entfällt die Überweisungspflicht. Bei den eigenen Patienten können sie ein weiterführendes geriatrisches Assessment mit der GOP 30984 abrechnen.

Voraussetzung: Die Notwendigkeit muss durch einen anderen mitbeurteilenden Geriater bescheinigt werden. Der mitbeurteilende Geriater stellt die Bescheinigung formlos aus und rechnet die Abklärungspauschale nach der GOP 30981 ab. Die Mitbeurteilung kann sowohl im Rahmen einer persönlichen Vorstellung des Patienten als auch anhand schriftlicher Unterlagen erfolgen.

Hausärzte, die spezialisiere Geriater und in einer BAG/MVZ tätig sind, können je nach Patient entweder in der beschriebenen Konstellation für BAG/MVZ abrechnen oder in der beschriebenen Vorgehensweise für Hausärzte und spezialisierte Geriater in Personalunion.

zuletzt aktualisiert am: 12.04.2019

Geriatrisch spezialisierte Ärzte können nur nach Abschnitt 30.13 EBM abrechnen, wenn sie bestimmte Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen. Sie müssen einen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) stellen, die wiederum die Abrechnung genehmigen muss.

Geriatrie abrechnen

Variante 1: Hausarzt und spezialisierter Geriater sind zwei Personen in zwei verschiedenen Praxen
Variante 2: Hausarzt und spezialisierter Geriater sind zwei Personen in einer/m BAG/MVZ
Variante 3: Hausarzt und spezialisierter Geriater sind eine Person

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

Ihre Downloads ()

Ihre gesammelten Downloads können Sie jetzt komfortabel mit einem Klick herunterladen.

Alle herunterladen