Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: BioNTech vorrangig für Zweitimpfungen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir möchten Sie mit einem erneuten Update zur Impfstoffbestellung versorgen. Angesichts der Tatsache, dass noch bis Ende Mai 2021 die Lieferungen des Impfstoffs von BioNTech an uns weiter lächerlich niedrig bleiben, unter anderem auch deshalb, weil die Impfzentren überflüssigerweise nach wie vor betrieben und bevorzugt mit diesem Impfstoff beliefert werden, sollten Sie in der Phase bis Ende Mai vorrangig Zweitimpfungen mit BioNTech durchführen. Das hat dann auch nichts mehr mit einem Miteinander für den Patienten, sondern mit einem Gegeneinander mit unfairen Regeln zu tun. Dies auch besonders deshalb, weil jetzt die Gefahr besteht, dass der vorgeschriebene Abstand von sechs Wochen zwischen Erst- und Zweitimpfung ansonsten überschritten würde.

Um dieses Impfschema gewährleisten zu können, sollten Sie sich bei Ihren Bestellungen für die Woche vom 17. bis 21. Mai an der Referenzwoche im April (6. bis 11. April) und für die Woche vom 25. bis 30. Mai an der Referenzwoche sechs Wochen vorher, also der Woche vom 12. bis 18. April, orientieren.

Hierzu nutzen Sie bitte das Zweitimpfungsrezept, für Bestellungen von Zweitimpfungen wird es in dieser Zeit formal keine individuelle Höchstbestellmenge geben. Aufgrund der prioritären Belieferung für Zweitimpfungen des BioNTech-Impfstoffs wird es damit folgerichtig in den letzten beiden Mai-Wochen kaum Reserven für Erstimpfungen mit diesem Impfstoff geben. Aus Berlin ist zu hören, dass kaum mehr als ein Vial pro Praxis dafür zu erwarten sei. Uns ist bewusst, dass das natürlich in erster Linie all die Praxen umfasst, die solidarisch erst einmal gewartet haben, bevor sie mit dem Impfen angefangen haben. Jetzt trifft es diese Praxen ein zweites Mal.

Hier rächt beziehungsweise bestätigt sich die von uns immer kritisierte Politik, bei der das Bundesgesundheitsministerium (BMG) und vor allem gewisse, an ihren Impfzentren klebende Landesregierungen die Regelversorgung quasi zum Resteverwerter gemacht haben. Dazu unten auch noch mehr.

Schlimmstenfalls erleben wir sogar die oben beschriebene Situation, dass in unseren Praxen Zweitimpfungen ausfallen, während die Impfzentren lustig weiter Erstimpfungen durchführen. Sollte also bei Ihnen nicht genug Impfstoff für alle Zweitimpfungen zur Verfügung gestellt werden, informieren Sie uns bitte unverzüglich.

Dass dann auch noch die Tagesschau am 6. Mai über angeblich weitere, große und gebunkerte Impfstoffbestände, auch in Hessen, berichtet, wirkt dann nur noch wie eine Verhöhnung der Niedergelassenen.

Laut BMG soll sich dies zwar Anfang Juni wieder signifikant ändern, aber auch hier muss sich die Verlässlichkeit dieser Auskunft erst noch erweisen. Bitte berücksichtigen Sie dies unbedingt bei Ihren Planungen. Lassen Sie uns daher hoffen, dass wenigstens dieses Mal das BMG endlich einmal die Lieferungen realisiert, die es immer verspricht. Denn im Juli soll ja angeblich bzw. zusätzlich die gesamte Priorisierung fallen und jeder ein Impfangebot bekommen. Aber dafür bräuchte es nach unseren Berechnungen wöchentlich dann schon sechs bis acht Millionen Impfdosen bundesweit, um dies auch zeitnah umzusetzen. Ob das BMG das weiß?

Uns sind die Probleme rund um Vaxzevria, den Impfstoff von AstraZeneca, nur allzu bewusst. Wer aufmerksam unsere Rundschreiben liest, merkt, wie sehr wir an dieser Stelle „herumeiern“ müssen. Auf der einen Seite steht ein guter und hochwirksamer Impfstoff, auf der anderen Seite ein katastrophales Image und die damit verbundenen Kollateralprobleme bei der Verimpfung in unseren Praxen. Wir haben deshalb größtes Verständnis für die Zurückhaltung der einen oder anderen Kollegin beziehungsweisedes einen oder anderen Kollegen, was den Einsatz dieses Impfstoffs angeht. Der zusätzliche Beratungsaufwand ist teilweise enorm und wird nicht abgebildet. Mancher scheint auch deswegen auf den Einsatz nur noch eines Impfstoffs in seiner Praxis umgestellt zu haben. Dazu kommt, dass AstraZeneca nicht gerade der Hersteller ist, der am zuverlässigsten liefert. Das ist angesichts der Gesamtlage, für die wir die Verantwortlichen wohl nicht noch einmal benennen müssen, mehr als verständlich und nachvollziehbar. Trotzdem möchten wir Ihr Augenmerk noch einmal auf diesen Impfstoff richten.

Hier gibt es keinerlei Priorisierung mehr zu berücksichtigen, auch das Thema der Arzthaftung bei Impfschäden wurde mittlerweile abgeräumt. Und es ist absehbar wirklich genug Vaxzevria da! Sie können mit diesem Impfstoff also nun endlich das tun, was eigentlich für die Pandemiebekämpfung notwendig ist, also alle Ihre Patienten impfen, impfen und impfen.

All die, die auch nur irgendwie dafür infrage kommen und es wollen. Und Sie können die Mengen auch bestellen. Wir bitten Sie, dies noch einmal besonders in den Blick zu nehmen und sich gegebenenfalls die Mühe zu machen, diese Menschen mit Ihrer Fachkompetenz und Ihrer Integrität auch zu überzeugen. Eventuell ist das auch eine Option, um die Zeit in den Praxen zu überbrücken, die jetzt erst einmal keine Zweitimpfungen durchführen. Aber bitte entscheiden Sie selber. Besonders auch angesichts der Meldungen aus Wiesbaden, dass sich nun tatsächlich Lagerbestände von Vaxzevria zu bilden scheinen.

Wobei es an Absurdität kaum zu überbieten ist, wenn sich ehrenwerte Impfzentren und damit auch in erster Linie das hessische Innenministerium bei Vaxzevria erst einen schlanken Fuß und dann vom Acker machen, sich dann aber bei uns beschweren, wir würden den Impfstoff nicht genug verimpfen.

Wenn die Politik schon ihrer Verantwortung in der Pandemiebekämpfung nur unzureichend nachkommt, sollten wir versuchen, es im Interesse unserer Patienten und der Bekämpfung der Pandemie besser zu machen.

Dafür und für Ihren tollen Einsatz der letzten Monate danken wir Ihnen erneut herzlich!

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 07.05.2021

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