Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

TSS: dringende Überweisungen

Informationen zur Terminservicestelle in Hessen – Feinsteuerung nötig!

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

rund zwei Jahre nach dem Start der Terminservicestelle in Hessen lässt sich Folgendes festhalten: organisatorisch hat in Hessen vieles gut funktioniert und die Politik ist entschlossen, trotz aller Einwände der Ärzteseite die Terminservicestelle weiter auszubauen. Nun, über zwei Jahre nach dem Start, ist es notwendig, an der einen oder anderen Stelle nachzujustieren. Die Notwendigkeit dafür ergibt sich zwar noch nicht daraus, dass Gesundheitsminister Spahn das „Erfolgsmodell“ der Terminservicestelle im Laufe des Jahres wahrscheinlich auch auf die Vermittlung von Terminen bei Haus- und Kinderärzten ausdehnen wird.

Der Grund für dieses Schreiben besteht vielmehr darin, dass unsere Auswertungen der letzten Quartale einen deutlichen Anstieg bei der Ausstellung der „dringenden Überweisungen“ zeigen.

Die hessischen Hausärzte waren an dieser Stelle gerade in der Anfangszeit der TSS sehr vorbildlich unterwegs und haben solche Überweisungen nur in den Fällen ausgestellt, in denen tatsächlich eine medizinische Begründung dafür vorlag. Da sich die Morbidität der Hessen kaum innerhalb von zwei Jahren grundlegend geändert haben dürfte, wird der Grund für den beachtlichen Anstieg der Zahlen in einer veränderten Reaktion der verordnenden Ärzte auf den fordernden Patienten zu suchen sein.

Und deshalb schreiben wir Ihnen an dieser Stelle noch einmal. Wir haben alles Verständnis dafür, dass es im Praxisalltag eine Zumutung ist, sich mit fordernden Patienten darüber auseinander zu setzen, ob die Erkrankung eine dringliche Überweisung rechtfertigt oder nicht und dass man in einer solchen Situation unter Umständen eher eine Überweisung zu viel ausstellt. Das ist im Einzelfall unproblematisch, führt in der Summe aber zu einer regelrechten Explosion und damit zu einer steigenden Inanspruchnahme der TSS. Was das wiederum bedeutet, liegt auf der Hand: steigende Kosten, um die von der Politik und Öffentlichkeit geforderte vernünftige Erreichbarkeit der TSS zu gewährleisten. Und diese Kosten treffen uns alle, müssen wir sie doch über den Verwaltungshaushalt der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) bestreiten.

Deshalb kann es nur eine Maxime geben: dringliche Überweisungen dürfen nur dann attestiert werden, wenn es medizinisch tatsächlich indiziert ist. Wir müssen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung wieder den Status erreichen, den es zu Beginn der TSS gab.

Auf Sie als Grundversorger und Lotse in der ambulanten Versorgung unserer Patienten in Hessen kommt deshalb eine besondere Verantwortung zu. Letztlich haben Sie es in der Hand, ob die Terminservicestelle für die Facharztvermittlung ausgebaut werden muss oder nicht. Nur Sie können entscheiden, ob Ihr Patient über die kostspielige Terminservicestelle gelotst werden muss oder ob eine Steuerung durch Ihre Praxis in Zusammenarbeit mit den fachärztlichen Kollegen möglich ist. Uns ist es wichtig, hier noch einmal an die gesetzlichen Vorgaben zu erinnern. Im § 75 SGB V sind Inhalt und Umfang der Sicherstellung in Anlage 28 Bundesmantelvertrag-Ärzte wie folgt geregelt:

„Die Terminservicestelle hat Versicherten bei Vorliegen einer gekennzeichneten Überweisung innerhalb einer Woche einen Behandlungstermin bei einem Facharzt innerhalb der nächsten vier Wochen zu vermitteln.“

Die Vermittlung über die Terminservicestelle gilt nicht bei verschiebbaren Routineuntersuchungen und in Fällen von Bagatellerkrankungen sowie bei weiteren vergleichbaren Fällen wie: Gutachten, Vorsorgeuntersuchungen oder Dringlichkeit auf Wunsch des Patienten oder der Krankenkasse!

Seit dem 1. April 2017 vermittelt die Terminservicestelle auch Termine für die Erstgespräche in eine psychotherapeutische Sprechstunde. Hierfür benötigt der Patient keine Überweisung mit Dringlichkeit, sondern lediglich seine Versichertenkarte.

Die Terminservicestelle vermittelt auch nur einen Termin in die psychotherapeutische Sprechstunde und keinen Therapieplatz. Die Erstgespräche sollen den Patienten zur Orientierung und Abklärung dienen und eine Therapiebedürftigkeit einschätzen. 

Wir appellieren an Ihre Fachkompetenz und bitten Sie, die weitere Patientensteuerung mit Bedacht vorzunehmen. Im Zweifelsfall ist es sicher oft die bessere Wahl, direkt den fachärztlichen Kollegen hinzuziehen. Wenn wir nicht umsteuern, werden die bisherigen Kosten von einer Million Euro/Jahr für die Terminservicestelle weiter steigen – und dies müssen wir letztlich alle bezahlen.

Mit besten kollegialen Grüßen,
Ihre Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender und Dr. Eckhard Starke, stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 14.05.2018

Rundschreiben

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