Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: TestV, Impfungen & Schutzschirm

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

vielleicht sind Sie überrascht von den Beschlüssen der Videoschalte der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten – wir sind es auch. Obwohl im Vorfeld eines solchen Termins immer wieder Papiere kursieren, weiß man eigentlich nie, ob am Ende nicht doch alles anders kommt, als eigentlich vorgesehen. Unser Lieblingssatz: Die neue 50 ist die alte 35, die erst die neue 50 war. Nicht, dass Sie glauben, die neue 50 wäre jetzt die alte 50. Doch was ist wirklich für uns wichtig?

Neue Testverordnung (TestV)

Aus unserer Sicht ist es nicht hilfreich, die neue TestV an dieser Stelle bis ins kleinste Detail wiederzugeben. Wir legen sie deshalb diesem Schreiben bei beziehungsweise stellen sie auf unserer Homepage zur Verfügung. Wir reden dabei im Moment noch über einen Entwurf, der wohl in den nächsten Tagen in Kraft treten soll. Das, was neu ist, ist im Änderungsmodus hervorgehoben. Wesentlich für uns sind Paragrafen 4a Bürgertestung und 4b Bestätigungs- und Virusvariantendiagnostik. Leider können wir es Ihnen nicht ersparen, diese durchzulesen. Wir werden in den nächsten Tagen auf unserer Homepage über einen FAQ-Katalog die wichtigsten Fragen identifizieren und beantworten.

Das Wichtigste ist aber, dass Sie aus unserer Sicht nicht verpflichtet sind, PoC-Tests in Ihren Praxen anzubieten. Wenn Sie sie aber anbieten, müssen Sie sich an die Regularien der TestV halten. Sie erhalten dafür ein Honorar von 15 Euro/Test und Sachkosten von sechs Euro/Test.

So, wie wir das Konzept derzeit verstehen, wobei sich dies stündlich ändern kann, beschafft jeder, der diese für den Bürger kostenlosen Tests durchführen will, diese selber. In der nächsten Woche erhalten Sie ein gesondertes Rundschreiben mit den Hinweisen zur Abrechnung. Insgesamt haben wir keinerlei Überblick darüber, wie es um die derzeitige Verfügbarkeit der Tests am Markt bestellt ist. Sollten Sie Fragen dazu haben, richten Sie diese bitte entweder an das Bundesgesundheitsministerium oder die hessische Staatskanzlei. Dort wurde dieses Konzept ersonnen bzw. gestern verkündet.

Die Verträge mit dem Hessischen Kultusministerium (HKM) und Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) zur Testung von Lehrern und Erziehern laufen zunächst weiter.

Führen Sie die neuen Schnelltests durch, sind Sie gehalten, ein Zeugnis über das (Nicht-) Vorliegen einer Infektion auszustellen. Die Form dafür ist nicht geregelt. Aus unserer Sicht kann dies deshalb auch eine SMS oder E-Mail sein, wenn der Absender eindeutig identifizierbar ist und den Anforderungen Genüge getan ist.

Impfungen in unseren Praxen

Was das längst überfällige Impfen in unseren Praxen angeht, können wir nur wenig Neues berichten. Eigentlich ist ja auch in Hessen alles bestens, wirklicher Handlungsbedarf besteht nicht, da sind wir uns doch sicher alle einig. Nach dem, was wir hören, sollen dennoch nun in einem ersten Schritt ca. 100 hessische Praxen, vornehmlich hausärztliche, die Möglichkeit erhalten, mit Impfungen Erfahrungen zu machen. Die Begleitung auf diesem sicherlich nicht einfachen Weg soll durch das hessische Innenministerium erfolgen, das wir an dieser Stelle auch für die Akquise in der Verantwortung sehen. Sobald es Neuigkeiten dazu gibt, informieren wir selbstverständlich. Alle anderen Praxen werden wohl bis Ostern warten müssen, wenn das Impfen sukzessive in die vertragsärztliche Versorgung überführt werden soll. Bisher gibt es auch hier lediglich einen Referentenentwurf für die neue Impfstrategie, die die Übergangsphase bis dahin regelt, den wir ebenfalls beifügen beziehungsweise im Internet zur Verfügung stellen. Den Entwurf, der dann das Impfen in den Praxen generell regen soll, erwarten wir Anfang nächster Wochen.

Sie werden wie wir über Vieles den Kopf schütteln. Gerne hätten wir uns auch an der für das Impfen zuständigen Stelle mit konstruktiver Kritik und unserer Expertise eingebracht, aber daran bestand leider kein Interesse. Vielleicht liegt es daran, dass es nun wieder nur ein praxisfernes und untaugliches Vorgehen geworden ist. Bitte beachten Sie unbedingt: Diese Verordnung ist nur für die Übergangsphase gedacht, bis die Impfungen komplett in der vertragsärztlichen Versorgung angekommen sind.

Schutzschim

Wir haben uns heute in einer separaten Pressemitteilung bereits zu den desaströsen Beschlüssen zum angeblichen Schutzschirm für die ambulante Versorgung geäußert. Dieser sieht kurz zusammengefasst so aus, dass wir Niedergelassenen diese Löcher aus Mitteln selbst stopfen sollen, die die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) zweckgebunden aufgrund sozialgerichtlicher Verfahren und der damit verbundenen finanziellen Risiken bilden müssen.

Während man also nun in Berlin die Gewinne börsennotierter Klinikkonzerne nicht nur schützt, sondern auch noch maximiert, gehen wir komplett leer aus und sollen mit unserem eigenen Honorar unseren eigenen Schirm finanzieren. Vielleicht glaubte man ja in Berlin, dass wir das nicht merken. Das ist nicht der Fall und die Botschaft dahinter ist auch klar erkennbar: Die ambulante Versorgung kann man gut sich selbst überlassen. Abgesehen von dieser unglaublichen Haltung ist dies angesichts der Tatsache, dass man uns Niedergelassene ja unbedingt für einen Erfolg der Impfstrategie und die Pandemiebekämpfung braucht, noch weniger nachvollziehbar. Wir berichten auch hier, sobald es Neues dazu gibt.

Impfungen für PPT/KJP

Mittlerweile läuft auch für die Gruppe der Psychologischen Psychotherapeuten/Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten das Einladungsverfahren für Impftermine gegen das Coronavirus. Da es sich hierbei aber insgesamt „nur“ um eine mittlere, vierstellige Anzahl von Personen handelt, ist uns mitgeteilt worden, dass aus organisatorischen Gründen hierzu keine Wochenende-Praxistage geplant sind, sondern die Termine in den normalen Impfprozess präferiert eingesteuert werden. Im Zusammenhang mit der Frage der Impfpriorisierung bedanken wir uns auch herzlich für die vielen freundlichen Mails und die Präsenz in den sozialen Medien. Alle die, die hier so fleißig geschrieben haben, sind sich offenbar nicht bewusst, welchen Schaden sie hiermit in einem Ministerium angerichtet haben, das uns seit zwölf Monaten total unterstützt und an der Seite der Niedergelassenen und damit auch an der Seite der PPT/KJPT steht. Und das bei einem Ergebnis, wo kein einziger der PPT/KJPT durch die initiale Vereinbarung, die ärztlichen Mitglieder früher zu impfen, auch nur eine Minute später geimpft wird. Im Gegenteil: Wie Sie jetzt sehen, genießt diese Gruppe die höchste Priorität in Gruppe 2.

Da Sie nun auch zwei lange Anlagen zu lesen haben, lassen wir es hiermit bewenden. Es steht aber zu befürchten, dass wir uns kurzfristig wieder mit neuen Informationen melden müssen. Wir möchten uns in jedem Fall noch einmal für Ihre hervorragenden Leistungen bedanken, die Sie in den letzten zwölf Monaten sowohl bei der klinischen Behandlung von COVID-19 als auch der Pandemiebekämpfung erbracht haben.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 05.03.2021

An alle Mitglieder der KVH

Ansprechpartner

info.line

Mo – Fr: 7 – 17 Uhr

Tel 069 24741-7777
Fax 069 24741-68826
info.line(at)kvhessen(.)de

Ihre Downloads ()

Ihre gesammelten Downloads können Sie jetzt komfortabel mit einem Klick herunterladen.

Alle herunterladen