Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Impfstoffbestellung und Freigabe AstraZeneca

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

bevor wir Sie mit den aktuellen Informationen zur Impfstoffbestellung und zur Arzthaftung bei Verabreichung des Impfstoffs von AstraZeneca an Patienten unter 60 Jahren versorgen, erlauben Sie uns noch einige grundsätzliche Anmerkungen. Sie bemerken es ja selbst: Nichts ist so alt wie die Impfzusage von gestern. Wurde heute noch Johnson & Johnson angekündigt, hat sich dies morgen möglicherweise schon geändert.

Diesen, sich eigentlich mehrmals am Tag ändernden Informationsstand, können wir unmöglich mit unseren Rundschreiben abdecken. Wir empfehlen Ihnen deshalb dringend, sich immer wieder auf unserer Homepage über den neusten Stand zu informieren. Ebenso empfiehlt es sich, die APP der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) aufs Smartphone zu laden und so aktuell informiert zu bleiben. Sie finden „KBV2GO!“ sowohl im APP-Store von iOS als auch im Google-Playstore.

Und natürlich macht in diesen bewegten Zeiten eine Kommunikation mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die nicht digital per Mail erfolgt, noch weniger Sinn als sonst. Briefe benötigen Produktion und Postlaufzeit und sind oft bereits überholt, wenn sie bei Ihnen ankommen. Auch das gute alte Fax sollte eigentlich ausgedient haben.

Deshalb: Stellen Sie auf Mail-Kommunikation mit der KVH um und bleiben Sie damit so informiert wie möglich. Hat auch den Vorteil, dass man dann den Vorstand der KVH auch mal wegklicken kann. Wie einfach Sie auf Mail-Kommunikation umstellen, lesen Sie hier.

 

Seit dieser Woche sind impfstoffspezifische Bestellungen möglich. Dies bedeutet aber nicht, dass die Höchstbestellmengen aufgehoben und eine etwaige Gutschreibung aus dem Vektorimpfstoffbereich in den der mRNA-Impfstoffe möglich ist. Es ist also nicht vorgesehen, beispielsweise auf den Impfstoff von AstraZeneca zu verzichten und damit mehr Impfstoffe von BioNTech/Pfizer bestellen zu können. Man braucht also weiter gute Nerven.

Natürlich erreichen uns Nachrichten aus den Praxen, wie schwer es teilweise fällt, die Patienten von einer Impfung mit VAXZEVRIA zu überzeugen. Da ist von „Verkaufsgesprächen“ zu hören, in die sich die Beratungen manchmal auswachsen. An dieser Stelle zeigen sich die fatalen Folgen einer seitens der Politik nicht eingefangenen Kommunikation auf allen möglichen Kanälen, verbunden mit erratischen Entscheidungen, die selbst von Experten, die wirklich Experten sind, nicht mehr nachvollzogen werden können.

Denn abseits dieser Kommunikation bleibt der AstraZeneca-Impfstoff ein hochwirksamer und sicherer Impfstoff. Das bestätigen Studien und auch die Ergebnisse der Impfungen, unter anderem in Großbritannien. Es ist also weder sinnvoll noch angemessen, AstraZeneca zum „Ladenhüter“ werden zu lassen.

Wir als diejenigen, die unsere Patienten kennen und deren Vertrauen haben, können hier sicher einiges im Sinne eines gesamtgesellschaftlichen Impfschutzes bewirken.

Wir sind dann vorgestern, wie Sie wahrscheinlich auch, von der Entscheidung überrascht worden, dass der Impfstoff von AstraZeneca nun ohne Priorisierung verimpft werden kann. Wir begrüßen wohl die Aufhebung der Priorisierung, doch kann dies nur ein erster Schritt sein. Denn wir sehen an der Struktur und Zahl der Infektionen ja gerade, dass die aktuelle Impfkampagne in die falsche Richtung geht. Wir müssten nun eigentlich „gegen die Pandemie“ impfen, also diejenigen impfen, die sich infizieren, viele private und berufliche Kontakte haben und das Virus auf diesem Weg weitergeben.

Natürlich ist es in diesem Zusammenhang von zentraler Bedeutung, dass nun endlich auch formal die uneingeschränkte Staatshaftung bei der Verimpfung des Impfstoffs von AstraZeneca bestätigt wurde. Je nach Konstellation haften also Bund oder Land.

Und ebenso natürlich erfolgt eine Impfung ohnehin nur dann lege artis, wenn die ärztliche Aufklärung Teil der Impfung ist. Aber es ist wichtig für uns alle, dass wir uns bei der Verimpfung dieses Impfstoffs nun keine Sorgen mehr um die Haftung machen müssen.

Bei aller Freude über den freigegebenen Impfstoff hat unser verehrter Ministerpräsident in seiner Regierungserklärung vorgestern nur vergessen darzulegen, woher der Impfstoff in den notwendigen Mengen denn kommen soll. Für das zweite Quartal 2021 werden derzeit insgesamt rund 70 Millionen Impfdosen avisiert, davon rund 15 Millionen AstraZeneca. Nach dieser Prognose sollten im Schnitt 86.000 Dosen von AstraZeneca/Woche in die hessischen Praxen geliefert werden. Hinzu kommt, dass AstraZeneca bisher ja leider kein besonders zuverlässiger Lieferant war. Sucht man aber nach einem Vorteil, dann besteht der sicher darin, dass sich dieser Impfstoff länger im Kühlschrank aufheben lässt. Trotzdem empfehlen wir Ihnen auch bei diesem Impfstoff, Termine erst dann zu vereinbaren, wenn der Impfstoff tatsächlich geliefert worden ist. Sich da an dem phantastischen Terminmanagement der Impfzentren zu orientieren, ist womöglich auch nicht so sinnvoll.

Was BioNTech/Pfizer angeht, ist eine seriöse Lieferprognose auch nur für den Mai möglich. Wir gehen bis zum Monatsende von 1,6 Millionen Dosen bundesweit und rund 120.000 Dosen/Woche für Hessen aus, ab Anfang Juni soll sich dies noch einmal deutlich auf 3,3 bis 3,5 Millionen Dosen/Woche erhöhen.

Nachdem sich die Altersempfehlung bezüglich des AstraZeneca-Impfstoffes zwischenzeitlich geändert hatte, kann es auch in unseren Praxen zu der Konstellation kommen, dass mit VAXZEVRIA geimpfte Patienten möglicherweise eine Zweitimpfung mit diesem Impfstoff verweigern beziehungsweise mit einem mRNA-Impfstoff geimpft werden möchten. Eigentlich kann das im Moment auch nur Patienten betreffen, die die Erstimpfung in einem Impfzentrum bekommen haben. Entscheiden Sie da bitte selber.

Aber so oder so: Für diese Zweitimpfungen sind immer noch die Impfzentren zuständig, auch wenn dann Ihre Patienten eher wenig erfreut die Praxis verlassen.

Das führt nun zu einer relativ unübersichtlichen Situation. Aussagen der Ständigen Impfkommission (STIKO), der Hersteller, der European Medicines Agency (EMA) und wer sich da auch sonst noch berufen sieht sich zu äußern, widersprechen sich zum Teil. Manche sprechen sogar vom „Off label use“.

Erste Veröffentlichungen aus Tierversuchen scheinen aber die Wirksamkeit zu belegen. Wahrscheinlich machen wir da wohl keinen Fehler, wenn man zu so einem heterologen Impfschema greift.

Zu berücksichtigen ist aber auf jeden Fall, dass ein solcher Impfschutz bei der Frage, ob er auch im Ausland anerkannt wird, nach derzeitigem Stand für Probleme sorgen kann. Die USA beispielsweise würden eine derart geimpfte Person nicht als vollständig geschützt anerkennen und eine Einreise wäre nicht möglich, in Frankreich hingegen würde ein solcher Impfschutz anerkannt. Hier ist also im Sinne unserer Patienten besondere Vorsicht geboten. Wir arbeiten an einer Übersicht.

In unserem Rundschreiben vom 9. April 2021 hatten wir Sie mit Informationen zur Therapie mit monoklonalen Antikörpern versorgt. Die damals vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) angekündigte Rechtsverordnung liegt mittlerweile vor und auch das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) hat sich zwischenzeitlich geäußert. Aus unserer Sicht sind es derzeit vorrangig zum Beispiel die Dialysezentren oder auch andere Tageskliniken und Praxen, die bereits Erfahrung mit Monoklonalen Antikörpern haben, die für diesen Therapieansatz in Frage kommen.

Darüber hinaus wird laut BMG ein Einsatz der mAK neben den Kliniken nur bei einem konzentrierten Ausbruchsgeschehen (zum Beispiel in Pflegeheimen) und nur dann empfohlen, wenn eine geeignete Umgebung, in der Anwendung und Nachsorge der Patienten sichergestellt ist, vorgehalten werden kann. Der Bezug der mAK erfolgt ausschließlich über sogenannte Stern- und Satellitenapotheken. In Hessen fungiert die Apotheke des Universitätsklinikums Frankfurt als Sternapotheke und ist damit für die Verteilung der mAK an die hessischen Versorgungsgebiete verantwortlich. Eine Ausweitung der Therapie in die Regelversorgung ist zudem nicht vor der Zulassung der mAK vorgesehen. Die Vergütung erfolgt über einheitliche Fallpauschalen von 450 Euro pro Anwendung, es sei denn, dass abweichende Vereinbarungen mit dem jeweiligen Kostenträger bestehen. Zwei entsprechende Verordnungstexte finden Sie bereits auf der Homepage des BMG. Da die Beratungen in Hessen auch noch nicht ganz abgeschlossen sind, werden wir erneut berichten.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 29.04.2021

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