Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2-Mutationen: molekulargenetische Untersuchungen (Labore)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

um einen besseren Überblick über die in Deutschland zirkulierenden Varianten des Coronavirus zu bekommen, sollen Labore verstärkt Typisierungen und Sequenzierungen durchführen.

Dabei spielen hier zwei Arten von Untersuchungen eine Rolle:

  1. Mutationssuche nach bekannten Mutationen mittels PCR

  2. Vollgenomsequenzierung mittels NGS

Die beiden Untersuchungen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bedeutung, Anforderung und Abrechnung. Für Arztpraxen und Testcenter Niedergelassener spielt eher die gezielte Mutationssuche (Typisierung) eine Rolle, während die Vollgenomsequenzierung eher die Labore betrifft, die eine solche veranlassen beziehungsweise durchführen.

Suche nach bekannten Mutationen (Typisierung) nach TestV

Hier geht es um den Nachweis der drei derzeit häufigsten Mutationstypen: Der britischen Variante (B.1.1.7), der südafrikanischen Variante (B.1.351) sowie der brasilianischen Viruslinie (P.1). Diese Mutationen besitzen eine höhere Infektiosität und haben daher strengere Quarantäneregelungen zur Konsequenz. Alle drei Varianten wurden bereits in Hessen nachgewiesen.

Anforderung mittels OEGD-Schein

Wenn Sie als Einsender bei einem PCR-Test eine Mutationssuche (Target-PCR) als notwendig sehen, ist die Empfehlung in Hessen, diese über ein weiteres Muster OEGD zu veranlassen und bei dem Feld Regionale Sondervereinbarung die Kennung 999 einzutragen, damit Labore wissen, dass eine Mutationssuche durchgeführt werden soll. Das weitere Formular ist zusätzlich zur Veranlassung des PCR-Tests nach TestV (Muster OEGD) und zum PCR-Test nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit dem Muster 10 C auszustellen. Wenn Sie ein außerhessisches Labor mit der Untersuchung beauftragen, klären Sie die Details zur Veranlassung bitte unbedingt im Vorfeld ab.

Veranlassung bei symptomatischen Patienten
MusterAuftragAnkreuzfeld
10CPCR-Test (Veranlassung EBM)Diagnostische Abklärung
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster 10C (PCR) verwendet werden.

Veranlassung bei asymptomatischen Patienten/Kontaktpersonen
MusterAuftragAnkreuzfeld
OEGDPCR-Test (Veranlassung TestV)TestV
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster OEGD (mit PCR) verwendet werden.

Die Abrechnung dieses Nukleinsäurenachweises durch das Labor erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) im Rahmen der Coronavirus-Testverordnung (TestV). Hierfür registrieren Sie sich vor der erstmaligen Abrechnung bei der KVH. Alle relevanten Informationen hierzu lesen.

Die Vergütung für die Leistungen mittels eines Nukleinsäurenachweises (PCR und weitere Methoden der Nukleinsäureamplifikationstechnik) des Coronavirus SARS-CoV-2 oder für eine variantenreiche PCR-Testung einschließlich der allgemeinen ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterialien und Transportkosten beträgt je Testung 50,50 Euro. Im Falle von mehreren PCR-Testungen pro Einzelfall beträgt die Vergütung 101 Euro.

Die KVH stellt die abgerechneten Laborleistungen dem Bundesamt für Soziale Sicherung in Rechnung und zahlt die Vergütung nach Zahlungseingang abzüglich der in der TestV vorgeschriebenen Verwaltungskosten an die Labore aus.

Hier geht es mehr um ein epidemiologisches Ziel, nämlich dem Aufbau einer „molekularen surveillance“ (= Beobachtungsstudie). Dadurch sollen Evolution der Viren und das Auftreten neuer Varianten frühzeitig entdeckt werden.

Sämtliche in Deutschland gewonnenen Sequenzdaten sollen zentral beim Robert Koch-Institut (RKI) gesammelt und ausgewertet werden. Vollgenomsequenzierungen sind wie die Mutationssuche keine Kassenleistung. Die Regeln für die Durchführung und Abrechnung hat das Bundesministerium für Gesundheit in der Coronavirus-Surveillanceverordnung (CorSurV) vom 18. Januar 2021 geregelt, welche zunächst bis zum 31. Oktober 2021 gilt.

Je nach Infektionsgeschehen können Labore bis zu zehn Prozent der von ihnen positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Proben weitergehend analysieren und nach der CorSurV abrechnen. Die gewonnenen Sequenzen übermitteln sie an das RKI, welches die Daten sammelt und auswertet. Die Kriterien zur Auswahl geeigneter Proben und die Details zur Datenübermittlung hat das RKI festgelegt.

Um Vollgenomsequenzierungen durchführen und als „Untersuchungsstelle“ abrechnen zu können, müssen Labore bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Labore, die nicht über entsprechende technische und fachliche Voraussetzungen oder ausreichende Kapazitäten zur Vollgenomsequenzierung verfügen („Einsender“), können ihre Proben an eine Untersuchungsstelle einsenden.

Die Abrechnung der Vollgenomsequenzierung erfolgt ebenfalls über die KVH. Hierfür registrieren Sie sich vor der erstmaligen Abrechnung bei der KVH. In Kürze stellt Ihnen die KVH auf der Homepage alle relevanten Informationen zur Abrechnung zur Verfügung. Einsendende bisher nicht abrechnende Stellen müssen ein Registrierungsverfahren durchlaufen, bisher bekannte Stellen beantragen die Erweiterung um die Abrechnung der CorSurV Leistungen dann online. Hierzu füllen beide, bisher unbekannte und bekannte Leistungserbringer die dann zur Verfügung stehende CorSurV Selbsterklärung aus und senden sie unterschrieben an die KVH.

Untersuchungsstellen fügen der Selbsterklärung noch die notwendige Bestätigung des RKI zur Datenübermittlung (in Kopie) bei. Einsender benötigen diese nicht.

Alle relevanten Informationen rund um die Registrierung als Leistungserbringer sowie die Abrechnung stellt Ihnen die KVH im Laufe der nächsten Wochen auf der Homepage zur Verfügung. Bereits bekannte Labore (zuvor für die Abrechnung zur TestV registrierte Labore) erhalten ein Infopaket per E-Mail mit allen erforderlichen Unterlagen.

Die höchstmögliche Anzahl der Vollgenomsequenzierungen je Labor hängt von der bundesweiten Anzahl der Neuinfektionen in der jeweils vergangenen Kalenderwoche ab. Übersteigt diese Zahl 70.000, so können bis zu fünf Prozent der positiv getesteten Proben sequenziert werden. Bei einer niedrigeren Zahl an Neuinfektionen erhöht sich die Grenze auf zehn Prozent.

Diese Höchstwerte beziehen sich nur auf Proben, die ein Labor – ob Untersuchungsstelle oder Einsender – selbst untersucht hat. Proben, die eine Untersuchungsstelle von anderen Laboren zur Sequenzierung erhält, zählen nicht dazu. Ausbruchsuntersuchungen, die von Landesgesundheitsbehörden oder dem RKI angeordnet werden, werden auf die Höchstwerte nicht angerechnet.

Für die Datenübermittlung zu einer durchgeführten Vollgenomsequenzierung an das RKI erhalten die Untersuchungsstellen je Probe 220 Euro.  Eine Datenübermittlung zu einer aus anderen Mitteln vergüteten Vollgenomsequenzierung wird mit 20 Euro je Probe vergütet. Diese beiden Möglichkeiten werden im Rahmen der Abrechnung der Leistungen differenziert.

Labore, die ihre Proben an eine Untersuchungsstelle versenden, erhalten zur Erstattung der Versandkosten eine Vergütung in Höhe von 20 Euro (vor Versand ist die Zustimmung der Untersuchungsstelle einzuholen).

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 02.03.2021

An alle Labore im Bereich der KVH

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info.line

Mo – Fr: 7 – 17 Uhr

Tel 069 24741-7777
Fax 069 24741-68826
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