Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2-Mutationen: molekulargenetische Untersuchungen (Arztpraxen)

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

nachdem wir Sie Anfang der letzten Woche über das Erreichen des wichtigen Etappenziels „Corona-Impfung für niedergelassene Vertragsärzt*innen in Hessen“ informieren konnten, kommen wir nun wieder mit einem leider sperrigeren Thema auf Sie zu. Wir wissen, wie sehr Corona „nervt“, trotzdem ist auch dieser Aspekt wichtig. Es geht um die Mutationen des Coronavirus, wie man diese erkennt und welche Konsequenzen die einzelnen Varianten für den Praxisalltag haben. Um einen besseren Überblick über die in Deutschland zirkulierenden Varianten des Coronavirus zu bekommen, sollen Labore verstärkt Typisierungen und Sequenzierungen durchführen.

Dabei spielen hier zwei Arten von Untersuchungen eine Rolle:

  1. Mutationssuche nach bekannten Mutationen mittels PCR

  2. Vollgenomsequenzierung mittels NGS

Die beiden Untersuchungen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bedeutung, Anforderung und Abrechnung. Für Arztpraxen und Testcenter Niedergelassener spielt eher die gezielte Mutationssuche (Typisierung) eine Rolle, während die Vollgenomsequenzierung eher die Labore betrifft, die eine solche selbständig veranlassen beziehungsweise durchführen.

Suche nach bekannten Mutationen (Typisierung) im Rahmen TestV

Hier geht es um den Nachweis von den drei derzeit häufigsten Mutationstypen: Der britischen Variante (B.1.1.7), der südafrikanischen Variante (B.1.351) sowie der brasilianischen Viruslinie (P.1). Dabei geht es nicht bloß um ein abstraktes akademisches Interesse. Zwar hat die Typisierung bislang keinen Einfluss auf die Therapie, doch besitzen diese Mutationen eine höhere Infektiosität und haben daher strengere Quarantäneregelungen zur Konsequenz. Alle drei Varianten wurden bereits in Hessen nachgewiesen.

Anforderung mittels OEGD-Schein

Vielleicht fragen Sie sich, warum es an dieser Stelle ein weiteres Formular braucht? Dies ist notwendig, um die kurativen Leistungen strikt von denjenigen zu trennen, die beispielsweise auf der Basis einer der aktuellen Verordnungen aus dem Bundesgesundheitsministerium veranlasst und abgerechnet werden – letzten Endes auch deshalb, um unser Honorar zu sichern. Sollten Sie als Einsender einen PCR-Test mit Mutationssuche (Target-PCR) als notwendig sehen, führen Sie EINEN Abstrich bei dem Patienten durch, veranlassen die PCR-Untersuchung wie bisher nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit dem Muster 10C und nach TestV mit dem Muster OEGD. Für die Mutationssuche ist dann bei beiden Szenarien zusätzlich ein Muster OEGD mit der Kennung 999 in dem Feld Regionale Sondervereinbarung einzutragen. Wenn Sie ein außerhessisches Labor mit der Untersuchung beauftragen, klären Sie die Details zur Veranlassung bitte unbedingt im Vorfeld ab. Ganz wichtig, und dies gilt unabhängig von der Art der Sequenzierung: Es reicht immer ein Abstrich!

Veranlassung bei symptomatischen Patienten
MusterAuftragAnkreuzfeld
10CPCR-Test (Veranlassung EBM)Diagnostische Abklärung
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster 10C (PCR) verwendet werden.

Veranlassung bei asymptomatischen Patienten/Kontaktpersonen
MusterAuftragAnkreuzfeld
OEGDPCR-Test (Veranlassung TestV)TestV
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster OEGD (mit PCR) verwendet werden.

Wenn Sie die Mutationssuche gleich mit dem PCR-Test mitveranlassen, handelt es sich um eine bedingte Beauftragung, da die Mutationssuche nur bei einem positiven PCR-Test durchgeführt werden kann. Sie haben auch die Möglichkeit nach einem positiven PCR-Testergebnis noch eine Mutationssuche zu veranlassen (bei beiden Möglichkeiten gehen Sie bitte wie oben beschrieben vor).

Die Abrechnung dieses Nukleinsäurenachweises durch das Labor erfolgt über die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) im Rahmen der Coronavirus-Testverordnung (TestV). Hierfür registrieren Sie sich vor der erstmaligen Abrechnung bei der KVH. Alle relevanten Informationen hierzu lesen.

Die Vergütung für die Leistungen mittels eines Nukleinsäurenachweises (PCR und weitere Methoden der Nukleinsäureamplifikationstechnik) des Coronavirus SARS-CoV-2 oder für eine variantenreiche PCR-Testung einschließlich der allgemeinen ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterialien und Transportkosten beträgt je Testung 50,50 Euro. Im Falle von mehreren PCR-Testungen pro Einzelfall beträgt die Vergütung 101 Euro.

Hier geht es mehr um ein epidemiologisches Ziel, nämlich dem Aufbau einer „molekularen surveillance“ (= Beobachtungsstudie). Dadurch sollen Evolution der Viren und das Auftreten neuer Varianten frühzeitig entdeckt werden.

Sämtliche in Deutschland gewonnenen Sequenzdaten werden zentral beim Robert Koch-Institut (RKI) gesammelt und ausgewertet.

Vollgenomsequenzierungen sind keine Kassenleistung. Das bedeutet: Sie können diese Untersuchungen nicht verordnen.

Vielmehr gilt, dass je nach Infektionsgeschehen Labore bis zu zehn Prozent der positiv auf SARS-CoV-2 getesteten Proben weitergehend analysieren und nach der Coronavirus-Surveillanceverordnung (CorSurV) abrechnen können – hierfür ist keine Anforderung / Überweisung von Niedergelassenen nötig.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 02.03.2021

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