Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie ein Magazin in den Händen hält. © andresr

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Affenpocken: Informationen zur Impfung und zum Bezug des Impfstoffs

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Thema „Affenpocken“ kommt nun auch in hessischen Arztpraxen an. Zwar gibt es im Moment noch keinen entsprechenden Beschluss der STIKO, sondern nur einen Entwurf. Zahlreiche Fragen dazu kommen aber selbstverständlich trotzdem auf, rund um den Impfstoff, wie er bezogen, gelagert und verabreicht werden kann.

Impfungen sollen über den ÖGD laufen

Konkret gibt es in Hessen offenbar Gesundheitsämter, die der Meinung sind, sie seien nicht zuständig, sondern Vertragsärzte sollen den Impfstoff „einfach bestellen“ und selbst impfen. Doch diese Meinung ist aus unserer Sicht falsch. Auf Bundesebene zeichnet sich ab, dass der Bezug voraussichtlich nicht über den regulären Lieferweg (Großhandel & Apotheke), sondern vom Bund über die Länder an den ÖGD oder andere von den Ländern benannte Stellen erfolgen soll. Das Verteilkonzept dazu wird derzeit noch weiter ausgearbeitet bzw. wurde in der letzten Woche mit den Ländern (GMK) besprochen.

Die Impfallianz Hessen hat sich vergangene Woche zudem darauf verständigt, dass die Impfungen über den ÖGD laufen sollen - und nicht über Vertragsarztpraxen. Wir werden Sie hierzu weiter informieren, sobald für Hessen mehr Details vorliegen.

Der Bund wird wohl zunächst 40.000 Dosen des Impfstoffes JYNNEOS® des pharmazeutischen Unternehmers Bavarian Nordic A/S (BN) geliefert bekommen. Dieser weist gemäß Zulassung die Besonderheit auf, dass eine Lagerung im Temperaturbereich von 2 °C bis 8 °C im Anschluss an eine
-20 °C-Lagerung nur 12 Stunden möglich ist. Weitere 200.000 Dosen der Impfstoffe JYNNEOS®/IMVANEX®sollen folgen (voraussichtlich im Laufe des dritten Quartals 2022).

Die Länder sollen wohl die Impfstoffdosen nach ihrem jeweiligen Bedarf durch über sie festzulegende Institutionen einsetzen und hierfür Ansprechpartner zur Entgegennahme der Impfstoffe benennen. Nach Informationen des pharmazeutischen Unternehmens werden die Impfstoffe nach derzeitigem Stand voraussichtlich im Temperaturbereich von -15 °C bis -25 °C gelagert und transportiert werden. Es muss daher sichergestellt sein, dass die benannten Lieferorte die für die Qualitätssicherung erforderliche Infrastruktur aufweisen.

Sowohl die weitere Lagerung der Impfstoffe als auch die anschließende bundeslandinterne Weiterverteilung soll nach unserem derzeitigen Kenntnisstand in Verantwortung der Länder erfolgen.

Beschlussentwurf der STIKO

Ein Beschlussentwurf der STIKO zur Impfung gegen Affenpocken ist aktuell in das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren gegangen. Vorbehaltlich der Rückmeldungen aus dem Stellungnahmeverfahren gibt die STIKO folgende Empfehlungen für Personen ab 18 Jahren mit dem Pockenimpfstoff Imvanex:

  1. Postexpositionsprophylaxe nach Affenpocken-Exposition

  2. Indikationsimpfung für Personen mit einem erhöhten Expositions- und/oder Infektionsrisiko

Zu (1): Die Postexpositionsprophylaxe zur Verhinderung einer Affenpockeninfektion nach Exposition sollte so früh wie möglich im Zeitraum von bis zu 14 Tagen nach Exposition erfolgen und ist nach folgender Exposition indiziert:

  • Nach engem körperlichem Kontakt über nicht-intakte Haut oder über Schleimhäute mit einer an Affenpocken erkrankten Person (z.B. sexuelle Kontakte, Haushaltskontakte) oder bei längerem ungeschützten Face-to-face-Kontakt <1m.
  • Nach Kontakt ohne ausreichende persönliche Schutzausrüstung (FFP2-Maske/medizinischer Mund-Nasenschutz, Handschuhe, Schutzkittel) zu einer Person mit einer bestätigten Affenpockenerkrankung, ihren Körperflüssigkeiten oder zu kontaminiertem potenziell infektiösen Material in der medizinischen Versorgung.
  • Bei Personal in Laboratorien mit akzidentell ungeschütztem Kontakt zu Laborproben, die nichtinaktiviertes Affenpockenmaterial enthalten.

Zu (2): Die Indikationsimpfung soll eine Affenpockeninfektion bei Personen mit erhöhtem Expositionsrisiko verhindern und wird für folgende Gruppen empfohlen:

  • Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben; Grund ist, dass Fälle in Deutschland bisher ausschließlich bei Männern der MSM-Community aufgetreten sind und diese Gruppe deshalb besonders geschützt werden soll.
  • Personal in Speziallaboratorien mit gezielten Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben, die Orthopockenmaterial enthalten, nach individueller Risikobewertung durch Sicherheitsbeauftragte.

Da der Impfstoff zunächst nur eingeschränkt verfügbar sein wird, empfiehlt die STIKO, bevorzugt exponierten Personen eine Postexpositionsprophylaxe anzubieten. Die Grundimmunisierung sollte mit zwei Impfstoffdosen in einem Abstand von ≥28 Tagen erfolgen (subkutane Applikation). Bei Personen, die in der Vergangenheit bereits gegen Pocken geimpft wurden, reicht eine 1-malige Impfstoffgabe aus.

Für die Bekämpfung des Affenpockenausbruchs ist es neben der Impfung vor allem wichtig, Fälle und deren Kontaktpersonen frühzeitig zu identifizieren, Isolations- und Quarantänemaßnahmen einzuleiten, mögliche Verdachtsfälle zeitnah diagnostisch abzuklären sowie die betroffenen Risikogruppen aufzuklären und über Schutzmaßnahmen zu informieren.

Wir kommen baldmöglichst mit weiteren Informationen auf Sie zu.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 22.06.2022

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