Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Impfstart in Praxen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

nun soll es tatsächlich mit dem Impfen ab dem 7. April 2021 auch in den vertragsärztlichen Praxen losgehen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat dazu ein umfangreiches Info-Paket geschnürt, das Sie auf unserer Homepage finden können.

Wir versuchen Sie mit diesem Rundschreiben auf den Stand der Dinge zu bringen, wenn wir auch wissen, dass sich die darin enthaltenen Informationen in dieser chaotischen Phase immer wieder als überholt herausstellen.

Das Wichtigste für Sie: Sie impfen, Sie priorisieren, Sie dokumentieren und Sie führen auch die Impfsurveillance unabhängig in Ihrer Praxis durch. Zur Dokumentation nutzen Sie bitte das eigens dafür eingerichtete KBV-Tool, das Sie im Mitgliederbereich unserer Website finden.

Die Abrechnung erfolgt nach der gültigen Impfverordnung anhand der Ziffern, die Sie ebenfalls im Infopaket der KBV finden, also für die Impfung selbst, die Beratung, auch dann, wenn keine Impfung stattfindet sowie etwaige Hausbesuche.

Bitte gestatten Sie uns darüber hinaus noch einige grundsätzliche Anmerkungen:

Wir wissen die Patientinnen und Patienten in Sachen Impfung bei Ihnen in hochkompetenten und verantwortungsbewussten Händen. Dass die Impfungen nun in die Praxen kommen, ist gut und überfällig, heißt aber auch, dass wir Ihnen die eine oder andere Diskussion mit den Impfinteressierten nicht ersparen können. Wichtig ist im Gesamtkontext auch, dass derzeit für die vertragsärztliche Versorgung nur die Impfstoffmengen vorgesehen sind, die „übrig“ bleiben. Das soll sich im Laufe des Aprils ändern, aber bisher sind dies nur Ankündigungen. Da können wir es niemandem verübeln, wenn er sich als Resteverwerter von dem fühlt, was in den Impfzentren abfällt.

Impfen Sie bitte trotzdem! Auch einen zweiten Widerspruch möchten wir thematisieren. Jeder hat wohl die Impfpolitik, oder das, was man in Berlin dafür hält, in den letzten Wochen mitbekommen. Da war es folgerichtig, dass wir eigentlich warten wollten, bis genug Impfstoff da ist. Es sollte keine Termindiskussionen mehr in Ihren Praxen geben, die Impfdokumentation hätte auf ein Minimum zurückgefahren werden können und es hätte insbesondere keiner Priorisierung mehr bedurft. Nun impfen die deutschen Impfzentren seit  drei Monaten und …

Wenn Sie sich die Antwort selber geben, dann wissen Sie, warum wir bereits jetzt die Regelversorgung unbedingt benötigen.

Bitte planen Sie die Bestellungen des Impfstoffs vorausschauend, vor allem angesichts der Tatsache, dass zunächst „nur“ der Impfstoff von BioNTech/Pfizer in unseren Praxen verimpft werden wird. Wir befinden uns derzeit in einer Phase der Pandemie, in der nach wie vor Personen mit hoher Priorität gemäß Impfverordnung geimpft werden.

In Bezug auf den BioNTech/Pfizer-Impfstoff bedeutet dies zudem, dass zwischen Erst- und Auffrischimpfung sechs Wochen liegen sollen und die Auffrischung mit dem gleichen Impfstoff zu erfolgen hat. Angesichts der Infektionsdynamik ist es nun aber nicht mehr zwingend vorgesehen, dass Zweitimpfungen Erstimpfungen immer vorgezogen werden. Die Frage, wie und wann Impfstoff für die Folgeimpfungen geordert werden kann, ist derzeit noch nicht beantwortet.

Da wir uns in Deutschland und nicht in Israel befinden, liegt auf der korrekten Dokumentation offenbar immer noch mehr Wert als auf der Geschwindigkeit. Leider könnte man fast glauben, dass Dokumentation und Priorisierung dem einen oder anderen Beteiligten sogar wichtiger sind als eine erfolgreiche Impfkampagne.

Seien Sie sich sicher, dass es auch in Hessen Kräfte gibt, die nicht nur die Impfungen in der Vertragsärzteschaft ablehnen, sondern sich mit jeder tatsächlichen oder vermeintlichen Unzulänglichkeit auf unserer Seite unmittelbar gegen uns in Position bringen werden. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, dass die Corona-Impfverordnung angemessen berücksichtigt wird und dass auch der Verlust von Impfstoff so gering wie möglich ausfällt.

Es bleibt bis auf Weiteres dabei, dass viele Fragen offen sind. Über das, was wir Ihnen heute schreiben und die Informationen aus der KBV hinaus, fehlen uns, genau wie Ihnen, weitere Informationen. Und wie immer gilt: Wir kommen mit neuen Informationen auf Sie zu, sobald sie uns vorliegen.

Ein wichtiger Appell zum Schluss: Das Ganze wird nur funktionieren, wenn es von Anfang an geordnet und strukturiert abläuft. Wir bitten angesichts des knappen Impfstoffs deshalb auch ganz besonders die fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen darum, den Hausärztinnen und Hausärzten zwei Wochen Vorsprung bei den Impfbestellungen zu lassen. Bitte bestellen Sie also nun bis zum kommenden Dienstag, dem 30. März, 12 Uhr auf dem gewohnten Weg Impfstoff nur dann, wenn Sie Hausärztin oder Hausarzt sind.

Im Gegenzug haben wir eine Bitte an unsere Hausärztinnen und Hausärzte. Über 50.000 Menschen aus der ersten Prioritätsgruppe warten in Hessen nach unseren Informationen immer noch auf ihre Erstimpfung. Menschen, die zu Hause leben, aber nicht das Impfzentrum aufsuchen können oder wollen. Für diese gibt es bisher kein landesweites und funktionsfähiges Konzept. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie an diese zuerst denken.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!

Die Bestellmenge ist zunächst auf 18 bis maximal 50 (48) Impfstoffdosen pro Ärztin/Arzt und Woche begrenzt. Da für die Arztpraxen vorerst ausschließlich der Impfstoff von BioNTech/Pfizer mit 6 Dosen je Mehrdosenbehältnis (Vial) bereitsteht, wird die Menge entsprechend angepasst. Die Liefermengen sind nicht garantiert. Sie werden aber vorab verbindlich informiert.

Ein letztes Wort auch noch zum Pilotprojekt mit den 50 Pilotpraxen. Sollten Sie eine dieser Praxen sein, dann richten Sie Ihre Fragen bitte an die zuständigen Ministerien (Innen/Soziales). Die KV Hessen hat bekanntlich lediglich die Bereitschaft von Hausärztinnen und Hausärzten abgefragt, eine dieser Pilotpraxen zu sein.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 26.03.2021

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