Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie ein Magazin in den Händen hält.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Impfhonorar

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Tagesaktualität geschuldet, zunächst eine Klarstellung: Hessen ist nicht Nordrhein-Westfalen. Und wir wissen auch nicht, in welchen Golfclubs Herr Laumann Mitglied ist und dort samstags besagte Niedergelassene getroffen haben will.

Kommen wir aber nach Hessen zurück und einem weiteren leidigen Rundschreiben, das man so gar nicht gerne lesen möchte, da es in der Regel eher schlechte Nachrichten und mehr Arbeit bringt. Leider ist die Pandemie mit aller Macht zurück, wenn sie überhaupt mal weg war.

Die vierte Welle hat auch unsere Praxen voll erfasst. Wir müssen Ihnen an dieser Stelle nicht beschreiben, wie es in Ihren Praxen aussieht – niemand weiß dies besser als Sie.

Auch uns ist dies nur allzu bewusst. Wir dürfen uns auch nichts vormachen. Die nächsten acht bis zehn Wochen werden noch einmal sehr, sehr anstrengend und herausfordernd werden. Wir versuchen derzeit mit hohem Engagement, Veränderungen herbeizuführen, die den Druck auf die Praxen ein wenig mildern. Dazu stehen wir in ständigem Kontakt mit dem Hessischen Sozialministerium (HMSI) sowie den für das Impfen wichtigsten ärztlichen Berufsverbänden und den für die Impfstofflieferungen zuständigen Apotheken.

Aber immerhin gibt es dieses Mal auch positive Nachrichten zum Impfhonorar. Der geschäftsführende Gesundheitsminister hat sich nun endlich doch bewegt und eine höhere Vergütung der Impfungen gegen das Coronavirus möglich gemacht. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und Regional-KVen hatten dies immer wieder angemahnt – am Ende mit Erfolg.

Eine Impfung wird deshalb nun seit dem 16. November 2021 mit 28 Euro statt 20 Euro vergütet. Und wer am Wochenende impft, erhält weitere 8 Euro Zuschlag, so dass eine Impfung am Wochenende dann mit 36 Euro vergütet wird.

Gut vier Wochen waren die kostenlosen Bürgertests passé, nun sind sie wieder da. Sollten Sie diese in Ihren Praxen anbieten und abrechnen wollen, beachten Sie bitte folgende Hinweise:

  • Asymptomatische Personen haben ab 13. November 2021 wieder Anspruch auf Testung mittels PoC-Antigen-Tests. Testungen nach § 4a der Coronavirus-Testverordnung (TestV) können im Rahmen der Verfügbarkeit von Testkapazitäten mindestens einmal pro Woche in Anspruch genommen werden.
     
  • Ein amtlicher Lichtbildausweis zum Nachweis der Identität der getesteten Person muss vorgelegt werden.
     
  • Eine Anbindung an die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Institus (RKI) ist immer noch zwingend erforderlich, da diese eine Abrechnungsvoraussetzung für die Bürgertestung ist. Ergänzend ist auch die monatliche und standortbezogene Meldung an den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) über die Anzahl der erbrachten Testungen nach § 4a und die Zahl der positiven Testergebnisse für Praxen, die Bürgertestungen abrechnen möchten, verpflichtend.
     
  • Die Ausstellung eines ärztlichen Zeugnisses über das Vorliegen einer medizinischen Kontraindikation zur Durchführung von Schutzimpfungen gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 entfällt aufgrund der Wiedereinführung der Bürgertestung.

Nachdem wir Sie in der letzten Woche mit einer Widerspruchslösung danach gefragt hatten, ob Sie sich weiterhin an Impfungen beteiligen, werden wir nun bei Anfragen über die 116117 die dort genannten Praxen nennen. Wir halten es selbstverständlich für mehr als zumutbar, dass Patientinnen und Patienten auf der Suche nach einer Praxis mehrere Telefonate führen. Die Praxen, die sich an den Impfungen beteiligen wollen, sind zudem über einen gesonderten Reiter auch in der digitalen Arztsuche zu finden.

Sollten Sie dort nicht gelistet sein und dies ändern wollen, können Sie dies über die folgende Eingabemaske tun:
https://www.kvhessen.de/coronavirus/impfmanagement/

Dass sich das immer noch nicht, auch nicht mit der aktuellen Bestelllogistik, verträgt, haben wir inzwischen auch der Politik, na ja, zumindest einem Teil der verantwortlichen Politikerinnen und Politikern, klar machen können. Wir arbeiten daher an einem Verfahren, das Ihnen tagesgleich oder wenigstens über Nacht Nachbestellungen ermöglichen soll.Bitte geben Sie uns da noch ein paar Tage Zeit.

Hier kommt auch noch ein Impfstoff ins Spiel, der aus unserer Sicht unverständlicherweise so ein wenig ein Mauerblümchendasein fristet: Es ist Moderna. Zusammen mit der heterologen Astra/mRNA-Impfung, die zumindest nach der Nordström-Studie

>> Effectiveness of Covid-19 vaccination against risk of symptomatic infection, hospitalization, and death up to 9 months: a Swedish total-population cohort study <<

nach sechs Monaten noch den besten Impfschutz bietet. Männer über 30 und Frauen wären daher dann hier ideale Kandidaten für eine solche Grundimmunisierung. Und der Impfstoff steht in mehr als ausreichenden Mengen zur Verfügung. Wenn man dieser Studie folgt, dann wird es auch für uns alle in den Praxen höchste Zeit für einen Booster. Und es muss über den Zeitraum von sechs oder fünf Monaten auch noch nachgedacht werden. Vier Monate? Drei Monate? Impfen gegen SARS-CoV 2 wird zum Dauerthema. Und dann müssen wir auch über andere, ärztlich geleitete Strukturen mit einem entsprechenden Impfangebot reden. Denn dann reden wir über theoretisch 400.000 oder 450.000 Impfungen pro Woche. Wie lange auch immer dann diese Booster-Impfung anhält. Wobei an dieser dritten Impfung offensichtlich und überhaupt kein Weg vorbeiführt.

Diese dritte Impfung ist damit jetzt das Gebot der Stunde. Und in Hessen benötigen wir hier in der ambulanten Versorgung in den nächsten Wochen rund 250.000 Booster pro Woche.

Kollege Gassen hat in seinem Schreiben zusammen mit Herrn Spahn, dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister, zudem zum Ausdruck gebracht, dass auch der Sechs-Monatsabstand eher als grober Anhalt zu betrachten ist. Gestalten Sie den Prozess auch sonst bürokratiearm. Nicht zuletzt hat man ja in Berlin festgestellt, dass man ja auch Apothekerinnen und Apotheker impfen lassen könnte, wenn es bei der Grundimmunisierung gut gegangen sei. Dann wäre ja auch beim Boostern nichts zu befürchten, wenn man denn in Berlin schon keinen Wert mehr auf eine qualifizierte Aufklärung legt. Hier daher auch noch mal der Hinweis auf das Aufklärungsformular des hessischen Hausärzteverbandes, das dieser gerne allen Niedergelassenen zur Verfügung stellt:

Beim Boostern könnte man fast versucht sein, sich auf zwei Fragen zu beschränken. Wie war‘s und wollen Sie noch mal?

Was steht nun vor der Tür? Zuerst an alle Kolleginnen und Kollegen, die nicht, oder nicht mehr impfen. Wir brauchen Sie! Das gilt insbesondere auch für alle Gebietsfachärzte. Lassen wir unsere hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen und die Gebietsfachärzte, die bereits impfen, nicht alleine.

Und für alle gilt, bitte prüfen Sie in den nächsten Wochen alle Möglichkeiten, so viele Impfungen wie möglich anzubieten. Auch wenn wir an einer Stelle da zur Vorsicht mahnen müssen. Den Booster-Mittwoch, für alle Patientinnen und Patienten, die sowieso in Ihrer Praxis sind und ihre Grundimmunisierung vor drei oder vier Monaten abgeschlossen haben, und, man traut es sich ja kaum mehr zu schreiben, auch Impfsamstage.

Schließen Sie sich zusammen, bieten Sie gemeinsam Impfaktionen zusammen mit Ihrer Kommune, in einem Gemeindezentrum oder wo auch immer an. Lassen Sie uns bis Weihnachten eine Million Impfungen in Hessen durchführen. Wir als KVH und Ihre Berufsverbände werden Sie da nach Kräften unterstützen.

Und haben Sie keine Angst, wenn mal zum Beipiel eine halbe Vial verworfen wird. Das lässt sich in der jetzigen Situation nicht vermeiden. Wir versuchen zudem die ganze Impfdokumentation für Sie noch schlanker zu machen.

Der Wermutstropfen ist dabei das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG). Das lässt sich auch nicht mehr zurückdrehen. Die Bereinigungsvolumina werden zwar immer noch „berechnet“. Da es sich aber um historische Daten handelt, stehen die eigentlich schon fest. Sie müssen nur noch ermittelt werden. Ab dem vierten Quartal wird jetzt auch die Bereinigung scharf geschalten. Auch wenn wir amtsseitig die neuen Patientinnen und Patienten für Sie ermitteln und kennzeichnen, wenn Sie es nicht zuvor selbst gemacht haben, für den Leistungsbedarf auf diesen Scheinen sind Sie in der Praxis zuständig. Das Gleiche gilt für die Patientinnen und Patienten in der offenen Sprechstunde. Und die liegen zu 100 Prozent in Ihrer Zuständigkeit.

Es gilt also, Kollateralschäden unbedingt zu vermeiden, die am Ende die Kassen ihrem Ziel, das sie von Anfang an verfolgt haben, noch näher bringen: mehr zu bereinigen, als über die EGV-Vergütung des TSVG zurückfließt.

Neupatientinnen und -patienten und offene Sprechstunde sind daher eigentlich tabu, wenn es um weitere Ressourcen für Impfsprechstunden geht. Uns ist auch klar, dass das irgendwo die Quadratur des Kreises ist. Aber vielleicht hat ja Herr Laumann hier auch noch eine gute Idee oder Herr Dr. Gassen schreibt mit Herrn Spahn noch mal ein Briefchen.

Also, bitte bleiben Sie dabei, kommen Sie sogar neu dazu. Dieses Virus wird sich nur mit einer erneuten Kraftanstrengung des Gesundheitssystems und hier in erster Linie von uns Niedergelassenen beherrschen lassen – und wir Niedergelassene sind deswegen hier besonders gefordert.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 18.11.2021

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