Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Niedergelassene werden endlich geimpft!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

die gute Nachricht vorweg: Impfungen der ambulanten Versorgung beginnen ab sofort. In einzelnen Landkreisen hat man sogar schon am letzten Wochenende begonnen. Das erfreut uns, war das neben vielen anderen auf jeden Fall eine der zentralen Forderungen, die wir in den letzten Wochen immer wieder den politisch Verantwortlichen vorgetragen haben.

Dass es jetzt losgeht, sollte aber nicht dazu führen, dass wir vergessen, dass wir die ganzen letzten Wochen immer nur Versorgung zweiter Klasse waren. Wie auch immer, nehmen Sie das Angebot jetzt trotzdem bitte an. Wir haben am vergangenen Wochenende alles dafür getan, damit das Einladungsverfahren durch die zentralen Stellen in den jeweiligen kommunalen Gebietskörperschaften sofort starten kann.

Leider Gottes werden an diesen Tagen aber nicht alle Mitglieder der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) eingeladen. Im Moment steht quasi kein Impfstoff für alle ab 65 zur Verfügung. Das variiert von Impfzentrum zu Impfzentrum. Kollegen ab 65 müssen sich daher mit Ihren Impfzentren individuell absprechen. 

Wir bedauern das außerordentlich. Hier wurde uns aber von beiden Ministerien zugesichert, dass man auch bald eine Lösung für diese Kollegen und die psychologischen Psychotherapeuten finden will. Insofern hoffen wir, dass bald die gesamte ambulante Versorgung im Zuständigkeitsbereich der KVH geimpft sein wird.

Das gesamte organisatorische Management liegt nun in den Händen der regionalen Impfzentren. Wir können Sie als KVH hier leider in der Terminvereinbarung nicht unterstützen.

Gibt es wirkliche Gegenleistungen für etwas, das eigentlich selbstverständlich ist, was in allen anderen Ländern um uns herum längst abgeschlossen ist? Die Impfung des medizinischen Personals, egal ob in Krankenhäusern oder in der ambulanten Versorgung. Nein und Ja. Es gibt nur einige Dinge, die wir zugesagt haben, die wir auch für sinnvoll und/oder vertretbar halten: Zunächst zur Terminvereinbarung. Wie Sie möglicherweise gehört haben, wird es ein Einladungsverfahren geben. Hierzu werden Impftermine an den nächsten beiden Wochenenden vergeben. Das sind zusätzliche Termine und hier bitten wir Sie einfach um Verständnis, dass wir uns auf diese Tage geeinigt haben. Wer an diesen Tagen die Termine nicht wahrnehmen kann, hat aber zwei Möglichkeiten: Er kann mit seinem regionalen Impfzentrum gegebenenfalls eine abweichende Vereinbarung treffen und es steht ihm natürlich uneingeschränkt auch der Terminservice weiter zur Verfügung. Wer also jetzt nicht kann, verliert keinen individuellen Anspruch. Manche Landkreise werden auch nicht an allen Tagen Termine anbieten können.

Um möglichst viele Termine an diesen Tagen vergeben zu können, bitten wir Sie, Ihre Mitarbeiter selber aufzuklären. Die entsprechenden Unterlagen erhalten Sie von Ihrem regionalen Impfzentrum. Wir werden an diesen Tagen keine Möglichkeit haben, vor Ort irgendwelche Diskussionen zum Impfen oder zu den Impfstoffen zu führen. Hier gelten, wie für alle anderen Menschen auch, die Rahmenbedingungen der Zulassung. Wichtige Fragen, zum Beispiel zu Kontraindikationen, kann man im Vorfeld abklären.

Und leider steht im Moment nur AstraZeneca in ausreichenden Mengen zur Verfügung. Hier können Sie versichert sein, dass wir uns eine Zustimmung zu diesem Impfstoff nicht haben abhandeln lassen. Deswegen gestatten Sie uns ein paar Worte zu AstraZeneca.

Eigentlich ist es traurig und beschämend, welche Diskussionen hier derzeit geführt werden. Zugegeben, alles im medialen Kontext mit diesem Impfstoff kann man getrost als kommunikativen Super-Gau bezeichnen. Bis hin zu den Einlassungen eines „Weltärztepräsidenten“, der offensichtlich tief traurig darüber scheint, dass sich sonst so gar niemand für seine Meinung interessiert. Nicht einmal Herr Lanz lädt ihn mehr ein.

Ganz persönlich könnten wir sogar sagen, die Einlassungen des „Weltärztepräsidenten“ bestärken einen eigentlich eher darin, sich mit diesem Impfstoff impfen zu lassen, die eines sogenannten Pseudoexperten, der natürlich ein Experte ist, lassen einen an diesem Impfstoff eher zweifeln. Auch irgendwelche Einlassungen von Politikern, die sich damit natürlich impfen lassen würden, verunsichern im Zweifelsfall mehr, als dass sie helfen.

Nun haben wir/Sie ein großes Privileg gegenüber Politikern und sogen. Pseudoexperten. Wir sind in der Lage, die Originalpublikationen selber zu lesen und zu beurteilen. Es gibt doch inzwischen eine hinreichende Anzahl an Berichten über diesen Impfstoff, über alle Impfstoffe.

Wenn man das alles zusammenfasst, sollte man aus unserer Sicht zum Ergebnis kommen, dass nichts, aber auch gar nichts gegen diesen Impfstoff spricht. Und die berichteten Impfreaktionen sehen wir übrigens jetzt auch bei BioNTec. Wir sehen Sie dort nach der zweiten Injektion. Und vor Kurzem wären wir noch mehr als froh gewesen, wenn wir einen Impfstoff mit einer Wirksamkeit zwischen 70 und 80 Prozent gehabt hätten. Besser als jeder Grippeimpfstoff, übrigens.

Deswegen erscheint es auch nicht besonders hilfreich, wenn jetzt bereits irgendwelche Aussagen in den Raum gestellt werden, dass es hier wohl in erster Linie darum ginge, dass der Impfstoff von AstraZeneca weg muss.

Fassen wir doch noch mal zusammen. Für uns als Versorgungsprofis gibt es neben dem Selbstschutz immer auch einen zweiten zentralen und wesentlichen Aspekt. Wir möchten, dass unsere Patient*innen in unseren Praxen sicher sind.

Damit gilt es die Frage zu beantworten, ob der Impfstoff jetzt noch wirksam ist? Alle bisherigen Impfstoffe wurden ohne Berücksichtigung der aktuell bekannten Mutationen entwickelt. Und natürlich muss man jetzt überprüfen, ob auch eine Wirksamkeit gegen diese Mutationen besteht.

Bis auf die erstmals in Südafrika und Brasilien nachgewiesenen Mutationen gibt es für die in Europa und Deutschland aktuell relevanten Virustypen von SARS-CoV-2, den Wildtyp und B.1.1.7, keine Hinweise, dass die aktuell in Deutschland verwendeten Impfstoffe nicht wirksam sind.

Alle bisherigen Publikationen, losgelöst von einer oftmals wenig sachlich geführten Diskussion um die angebliche Wirksamkeit belegen auch, dass AstraZeneca hoch hochwirksam vor schwersten Krankheitsverläufen schützt.

Und der jüngste Preprint im Lancet

“Single Dose Administration, And The Influence Of The Timing Of The Booster Dose On Immunogenicity and Efficacy Of ChAdOx1 nCoV-19 (AZD1222) Vaccine”

spricht auch klar für eine Schutzwirkung in Richtung Infektiosität. Es gibt also nichts, überhaupt nichts, was gegen AstraZeneca spricht. Und es ist auch nicht so, dass der Impfstoff bei Menschen, die älter als 65 sind nicht wirken würde. Wir haben nur schlicht und einfach keine Daten, die eine valide Aussage möglich machen. Das kann man genauso diskutieren, wie das Studiendesign. Da ist sicher auch vieles handwerklich nicht so wirklich gut gemacht. Am Ende bleibt das doch wohl eher eine Luxusdiskussion, könnte man meinen.

Es ist aus unserer Sicht aber noch viel schlimmer. Wir führen hier eine nachhaltig destruktive Diskussion. Denn die Menschen, die Vertrauen in unsere Professionalität haben sollten, werden durch eine solche Diskussion in der Öffentlichkeit maximal verunsichert.

Wir bitten Sie daher, bewerten sie dieses Impfangebot mit der Ihnen eigenen Professionalität und besprechen es mit Ihren Mitarbeitern. Wir würden uns freuen, wenn Sie dieses zeitnahe Impfangebot annehmen.

Im Gegenteil, wenn es überhaupt ein Instrument, einen Plan gibt, der uns mittel- bis langfristig eine Chance gibt, in ein, sagen wir halbwegs normales Leben zurückzukehren, dann ist es eine möglichst schnelle Durchimpfung der Menschen in unserem Land. Und hier sehen wir Sie auch in einer gewissen Vorbildfunktion.

Sie sind trotzdem skeptisch und möchten warten? Auch das ist nach der jetzt getroffenen Vereinbarung möglich. Niemand verliert den normalen Anspruch nach der „Impfverordnung“. Es sei nur der Hinweis gestattet, dass auch dieser nicht, solange nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, mit einer Wahlfreiheit für den Impfstoff einhergeht.

Am Ende wird man auch die Bereitschaft unter uns, somit in der ambulanten Versorgungsebene, in Bezug zu unseren Forderungen nach einer schnellen Impfung stellen. Ob uns eine breite Skepsis, nur weil es angeblich der falsche Impfstoff sei, da langfristig hilft, lassen wir mal dahingestellt. Hilfreich in Richtung einer Vertrauensbildung wäre eine breitere Ablehnung definitiv nicht.

Dann noch ein abschließender Hinweis zum Thema Mitarbeiter: Unsere Praxen sind zum Teil unterschiedlich groß. Das ist sicher so pauschal erst mal nicht einheitlich zu regeln. Aktuell können Sie davon ausgehen, dass zu einem Arzt bis zu fünf Praxis-Mitarbeiter hinzugezählt werden.

Dabei beschränkt sich das nicht auf medizinisch geschultes Personal. Wir sind auch nicht in Nordrhein-Westfalen, dass wir nicht sehen, wie viele Familienangehörige, wie Ehepartner, regelmäßig in unseren Praxen mitarbeiten. Nicht selten auch unentgeltlich, aber doch in mittelbarem oder unmittelbarem Patientenkontakt. Wir in Hessen sind der Auffassung, dass Sie diese Frage sachgerecht handhaben werden.

 

 

Und ganz zum Schluss noch eine Bitte. Sollten Sie und/oder Ihre Mitarbeiter durch welche Konstellation auch immer, bereits über zum Beispiel ein Krankenhaus, in dem Sie auch tätig sind, geimpft worden sein, informieren Sie bitte Ihr regionales Impfzentrum, damit diese Termine weitergegeben werden können.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 22.02.2021

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Fax 069 24741-68826
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