Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie ein Magazin in den Händen hält.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Aktuelle Empfehlungen der STIKO zu heterologen Impfungen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch Institut (RKI) in Berlin hat am 1. Juli 2021 eine neue Beschluss-Empfehlung herausgegeben. Sie steht noch unter Vorbehalt der Rückmeldungen aus dem Stellungnahmeverfahren, das erst noch eröffnet wird. Die STIKO beabsichtigt ihre Empfehlungen hinsichtlich der Impfabstände sowie zum heterologen Impfschema nach Erstimpfung mit Vaxzevria, dem Impfstoff von AstraZeneca, zu ändern. Sie haben darüber aus den Medien erfahren, auch in Richtung der Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) war die Kommunikation wieder einmal katastrophal, so dass wir Sie nicht vorwarnen konnten. Wie geschildert steht die Empfehlung unter dem Vorbehalt des Stellungnahmeverfahrens, aber angesichts der Tatsache, dass die Konferenz der Gesundheitsminister (GMK) sich diese Empfehlung bereits zu eigen gemacht hat, ist nicht mehr mit einer Änderung zu rechnen.

In Europa und in Deutschland breitet sich momentan die Deltavariante von SARS-CoV-2 schnell aus, die deutlich ansteckender ist als die seit März 2021 vorherrschende Alphavariante. Eine höhere Pathogenität der Deltavariante ist derzeit nicht gesichert.

Aktuelle Studienergebnisse aus dem Vereinigten Königreich zeigen, dass der Impfschutz gegenüber der Delta-Variante des Coronavirus nach abgeschlossener Grundimmunisierung ähnlich gut ist wie bei anderen SARS-CoV-2-Varianten und schwere Krankheitsverläufe verhindern kann. Nach nur einer Impfstoffdosis hingegen scheint der Schutz gegenüber der Deltavariante deutlich herabgesetzt zu sein.

Die STIKO weist daher darauf hin, dass es wichtig ist, die zweite Impfstoffdosis zeitgerecht wahrzunehmen.

Nach aktuellen Studien ist die Immunantwort nach heterologem Impfschema (Vaxzevria/mRNA-Impfstoff) der Immunantwort nach homologer Vaxzevria-Impfserie (zwei Impfstoffdosen Vaxzevria) deutlich überlegen.

Vorbehaltlich der Rückmeldungen aus dem noch zu eröffnenden Stellungnahmeverfahren empfiehlt die STIKO daher für Personen, die Vaxzevria als erste Impfstoffdosis erhalten haben, als zweite Impfstoffdosis einen mRNA-Impfstoff mit mindestens vierwöchigem Impfabstand zur Erstdosis. Die Empfehlung ist unabhängig vom Alter.

Die STIKO gibt folgende empfohlenen Impfabstände an:      
ImpfstoffImpfabstand zur Erstdosis
Comirnaty (BioNTech/Pfizer)

3 bis 6 Wochen

Spikevax (Moderna)4 bis 6 Wochen
Vaxzevria (AstraZeneca)

9 bis 12 Wochen

Heterologes Impfschema (Vaxzevria/mRNA-Impfstoff)ab 4 Wochen

 

Die Gesundheitsministerkonferenz ist dem Beschlussentwurf der STIKO zu einem heterologen Impfschema mit dem Vakzin von AstraZeneca und einem mRNA-Impfstoff gefolgt.

Damit können künftig Erstimpfungen mit AstraZeneca und Zweitimpfungen nach mindestens vier Wochen mit BioNTech oder Moderna erfolgen, wie das Gremium am 2. Juli 2021 bekanntgab.

„Nach Abschluss des offiziellen Stellungnahmeverfahrens zu dem Thema bieten wir allen so bald wie möglich eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff an, die aktuell eine Erstimpfung mit AstraZeneca bekommen haben“, heißt es in einer Pressemitteilung der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder. Auch bei künftigen Erstimpfungen mit AstraZeneca solle dies der Fall sein. Der GMK gehört auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn an.

Der GMK-Beschluss sieht vor, dass jedem mit Vaxzevria Erstgeimpften„baldmöglichst“ eine Zweitimpfung mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer oder Moderna angeboten werden soll. Ebenfalls sollen Personen, die sich im Juli und August 2021 mit dem Impfstoff von AstraZeneca erstmalig impfen lassen, zur Vervollständigung der Impfserie in einem Abstand von mindestens vier Wochen eine Zweitimpfung mit einem mRNA-Impfstoff erhalten können.

Es ist zu befürchten, dass die sehr kurzfristig getroffene Entscheidung zu einem erneuten Run auf die Arztpraxen führen wird. Es ist nicht auszuschließen, dass die durch die STIKO-Empfehlung ausgelöste steigende Nachfrage nach Zweitimpfungen mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer in nächster Zeit kaum noch Erstimpfungen zulässt.

Noch gibt es keine Aussagen dazu, wie viel Impfstoff der Bund in den nächsten Wochen bereitstellen kann, um die Zusagen der GMK erfüllen zu können. Vor diesem Hintergrund sollten Vertragsärzte genau abwägen, wer vorrangig mit BioNTech geimpft werden sollte. Vorrang muss der Abschluss von Impfzyklen haben, die mit BioNTech/Pfizer begonnen wurden und innerhalb des von der Zulassung vorgesehenen Abstands von maximal sechs Wochen erfolgen müssen.

Auch sollten weiterhin nicht geimpfte Erwachsene prioritär geimpft werden, die ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe oder die engen Kontakt zu vulnerablen Personengruppen haben.

Der Wechsel des COVID-19-Impfstoffs innerhalb einer Impfreihe (heterologe Impffolge) stellt grundsätzlich keine Anwendung außerhalb der Zulassung dar, wenn die Impfung innerhalb der in der Zulassung festgelegten Indikation (Impfung gegen COVID-19) und innerhalb der von der Zulassung umfassten Altersgruppe durchgeführt wird. Es gilt hier nichts anderes als in sonstigen Fällen, in denen ein Arzt Patienten einen Wechsel eines Arzneimittels aus Gründen einer besseren Verträglichkeit oder Wirksamkeit empfiehlt.

Die arzneimittelrechtliche Gefährdungshaftung und die Haftung für Impfschäden sind hiervon nicht berührt. Gleiches gilt für die Arzthaftung, vorausgesetzt, die ärztlichen Sorgfaltspflichten bei der Aufklärung und Verabreichung des Impfstoffs werden beachtet.

Was im Moment zählt - und angesichts des Vorrückens der Delta-Variante drängt die Zeit – sind abgeschlossene Impfungen. Immer wieder kommen Nachrichten darüber bei uns an, dass erstgeimpfte Patienten für die Zweitimpfung an Impfzentren zurückverwiesen werden oder sich Praxen weigern, an anderer Stelle erstgeimpfte Patienten mit der Zweitimpfung zu versorgen. Wir möchten Sie noch einmal bitten, hier im Sinne der Impfungen gegen die Pandemie zu agieren. Die Impfzentren werden ohnehin bis Ende September „abgewickelt“ und verfügen darüber hinaus nicht über die logistische Infrastruktur einer Praxis. Eine Überweisung von Patienten dorthin ist also nicht zielführend.

Wir müssen an dieser Stelle wohl nicht mehr betonen, wie wütend das katastrophale Missmanagement der Politik macht – Sie erfahren es akut und jeden Tag in Ihren Praxen selbst. Wir möchten Sie trotzdem darin bestärken, nicht aufzugeben und weiterzumachen! Während sich die Politik an vielen Stellen mit Ihrem Zickzackkurs nur noch lächerlich macht, tun wir alle in unseren Praxen etwas unendlich Sinnvolles: Wir bekämpfen die Pandemie und sind da, wo wir hingehören. An der Seite unserer Patienten.

Wir kommen in den nächsten Tagen mit einem aktuellen Rundschreiben rund um die Abrechnungsmodalitäten nach Änderung der TestVerordnung erneut auf Sie zu.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihr

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 06.07.2021

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