Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Elektronische Gesundheitsakten als App

Sehr geehrte Damen und Herren
liebe Kolleginnen und Kollegen,

da derzeit immer mehr Anbieter, oft beauftragt von großen Krankenkassen, elektronische Gesundheitsakten auf den Markt bringen, ist verstärkt damit zu rechnen, dass Patienten in Ihren Praxen mit Fragen und Wünschen rund um diese Anwendungen vorstellig werden.

Die aus unserer Sicht an dieser Stelle wichtigste Information: Es besteht für Ärztinnen und Ärzte keinerlei Verpflichtung, Daten in Vivy oder anderen Gesundheitsakten hochzuladen. Und wenn Sie das den Patienten zuliebe doch tun wollen, dann sollten Sie das nur gegen Kostenerstattung tun.

Weitere Informationen für Sie kurz zusammengefasst:

  • Die elektronische Gesundheitsakte mit der aktuell stärksten Verbreitung dürfte die Vivy App sein, die von der DAK, der IKK classic, einigen BKKen sowie privaten Versicherern (Allianz, Gothaer, Barmenia) genutzt wird. Andere große Kassen wie die AOK, die TK sowie die BARMER arbeiten an eigenen Applikationen bzw. testen diese derzeit in regionalen Feldversuchen.
     
  • Versicherte, die eine solche App nutzen, können dort neben persönlich erhobenen Daten auch Arztbriefe, Befunde oder Labordaten bündeln.
     
  • Elektronische Gesundheitsakten sind nicht mit elektronischen Patientenakten gleichzusetzen. Diese sind demnächst von den Krankenkassen verpflichtend für die Versicherten anzubieten, die geforderten Sicherheitsstandards sind aber ungleich höher als bei den Gesundheitsakten, wie zum Beispiel Vivy.

Für die Praxen besteht keine Verpflichtung, die dort gesammelten Daten auszuwerten oder für die Behandlung zu nutzen. Die elektronische Gesundheitsakte nach § 68 SGB V deckt lediglich das Informationsrecht des Patienten ab.

Auch sollten Sie berücksichtigen, dass die Bereitstellung von Kopien oder elektronischen Ausdrucken von Arztbriefen, Befunden oder Labordaten aus diesen Gesundheitsakten keine Leistung der GKV darstellt, die Abrechnung über den EBM also nicht möglich ist. Sehr wohl sind Patienten allerdings verpflichtet, dem Behandelnden die dafür entstehenden Sach- und Personalkosten zu erstatten. Dabei sollten Sie sich am Gerichtskostengesetz orientieren, da auch die GOÄ derzeit keine Gebührenziffer für vergleichbare Tätigkeiten enthält. Das Gerichtskostengesetz geht derzeit von 50 Cent je Dokument als angemessenem Preis aus.

Elektronische Gesundheitsakten und IT-Sicherheit

  • Falls Sie Vivy als Arzt nutzen wollen, benötigen Sie vom Patienten eine Einverständniserklärung/Schweigepflichtsentbindung, dass Sie Daten per Web-Upload an Vivy senden dürfen.
     
  • Patientenanfragen nach Befunden landen nicht direkt beim Arzt, sondern werden über den Customer Service von Vivy an die Praxis gestellt. Der Customer Service ruft dann in der Praxis an und informiert über die Anfrage des Patienten. Danach gibt es zwei Möglichkeiten:
     
  • Entweder der Patient kommt in die Praxis und übergibt dem Arzt einen dafür temporär gültigen Weblink, oder
     
  • Vivy schickt die Anfrage zusammen mit einem Web-Link per Mail an die Praxis. Laut Vivy besteht ein hohes Sicherheitsniveau, wir empfehlen Ihnen aber aus Vorsicht vor Phishing-Versuchen bei E-Mail-Anfragen vorsichtig zu sein. Im Zweifel ist es empfehlenswert, Daten nur über einen Vivy-Link bzw. einen dem Arzt vom Patienten zur Verfügung gestellten QR-Code zu versenden.


Aus der gesellschaftlichen Veränderung der immer weiter fortschreitenden Digitalisierung entstehen hier Bedarfe für unsere Praxen, auf die wir Antworten finden müssen. Hier ist es ausnahmsweise mal nicht der Gesetzgeber, der Einfluss nimmt, sondern es sind die Krankenkassen, die mit ihren Angeboten auf den Bedarf einer digitalisierungsaffinen Klientel reagieren. Dies wird einen Einfluss auf unsere Praxisabläufe haben und dieser dürfte sich in den nächsten Jahren verstärken. Unser Ziel ist es aber unmissverständlich, diesen von den Krankenkassen ausgelösten Mehraufwand mit einer angemessenen Vergütung versehen zu lassen.

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an die info.line bzw. unsere regionalen BeratungsCenter.


Mit besten kollegialen Grüßen,
Ihre Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender und Dr. Eckhard Starke, stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 29.11.2018

Rundschreiben

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