Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Coronavirus: Kurzarbeitergeld, Antikörpertests & Fahrdienst Süd

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Ende April hatten wir Sie über die Verwirrung rund um den Bezug von Kurzarbeitergeld informiert. Mittlerweile konnten wir – im Verbund mit einigen anderen KVen und Verbänden – an dieser Stelle einen wichtigen Erfolg erzielen: in einer aktualisierten Weisung der Bundesagentur für Arbeit wird klargestellt, dass „die in Praxen beschäftigten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dem Grunde nach Anspruch auf Kurzarbeitergeld“ (KuG) haben. Deshalb raten wir Ihnen dringend, einen Antrag zu stellen, über den dann von der Agentur für Arbeit zu entscheiden ist. Damit gibt es neben dem Rettungsschirm, der die Einnahmen aus der Gesamtvergütung (mGV und eGV) abdeckt, weitere finanzielle Ersatzleistungen, die beispielsweise Einnahmeverluste aus privatärztlicher oder arbeitsmedizinischer Tätigkeit kompensieren können.

Antikörpertests abrechnen

Neuigkeiten gibt es auch zu den grundsätzlichen Überlegungen zum Einsatz von Antikörper-Tests. Offen geblieben war in unserem Rundschreiben vom 27. April 2020 die Frage der Abrechenbarkeit. Hierzu hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) am 7. Mai 2020 in ihren PraxisNachrichten weitere Details veröffentlicht, siehe auch weitere Erläuterungen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Demnach können Antikörper-Tests bei stattgehabter COVID-19-typischer Symptomatik in bestimmten Fällen sinnvoll sein, zum Beispiel kann bei milden Verläufen ab der zweiten Woche nach Symptomeintritt der direkte Erregernachweis mittels PCR bereits negativ sein. In dieser Konstellation ist es gerechtfertigt, den indirekten Erregernachweis in Betracht zu ziehen. Zu beachten ist jedoch, dass eine Testung ohne direkten zeitlichen Bezug zu einer klinischen COVID-19-Symptomatik, beispielsweise nur zur Prüfung einer Immunität, keine vertragsärztliche Leistung ist.

Unbedingt beachtet werden sollte auch, dass bei einer Prävalenz in der deutschen Bevölkerung von aktuell etwa 0,2 Prozent der positiv-prädiktive Wert (PPV) eines Antikörper-Tests mit einer Sensitivität von 100 Prozent und einer Spezifität von 99,81 Prozent bei nur rund 51 Prozent liegt (cave Fehlinterpretation positiver Ergebnisse!).

Sollten Sie einen Antikörper-Test in Betracht ziehen, bitten wir Sie Folgendes zu berücksichtigen: Der Nachweis von Antikörpern sollte bei strenger Indikationsstellung idealerweise erst ab Mitte der zweiten Krankheitswoche erfolgen. Zur Abrechnung kennzeichnen der veranlassende Arzt und der Laborarzt die Leistung am Behandlungstag mit der Ziffer 88240. Damit wird die extrabudgetäre Vergütung gesichert.

Der Antikörpertest selbst ist als „Ähnliche Untersuchung“ mit der Gebührenordnungsposition 32641 berechnungsfähig. Die Abrechnung ist gegebenenfalls auch bei fehlendem Folgetest möglich.

Fahrdienst Süd wird eingestellt

Wie Sie wissen, haben wir seit Anfang April in Hessen einen COVID-Fahrdienst etabliert, der die Praxen bei etwaigen Haus- und Heimbesuchen von Infizierten unterstützen sollte. Obwohl es mit dem Odenwaldkreis einen ausgesprochenen Corona-Hotspot in Hessen gibt, gab es im Bereich Süd des Fahrdienstes keine einzige Anforderung zur Unterstützung, so dass wir uns entschlossen haben, ab dem 21. Mai 2020 (Himmelfahrt) den Fahrdienst im Bereich Süd zu beenden. Natürlich sind wir in der Lage, die Strukturen bei Bedarf schnell zu reaktivieren – doch für eine Aufrechterhaltung besteht in der momentanen Lage im Süden jedenfalls kein Anlass.

Infektsprechstunden

Anders als in anderen KVen werden wir die Einführung von Infektsprechstunden nicht an etwaige Ausgleichszahlungen oder Honorierungen koppeln. Trotzdem – wir wiederholen uns an dieser Stelle – ist es nun an der Zeit, über konkrete Schritte nachzudenken, wie wir auf der einen Seite unsere Praxen Stück für Stück wieder in die Normalversorgung führen und auf der anderen Seite in der Lage sind, ein infektiologisch abgestimmtes Angebot für die Behandlung von COVID-19-Patienten zu schaffen.

Spezielle Infektsprechstunden, die beispielsweise am späten Nachmittag beginnen und Ihnen die Möglichkeit bieten, die Praxen danach gründlich zu desinfizieren, sind aus unserer Sicht in der aktuellen Situation ein gutes Instrument. Wir sind darüber hinaus gerade dabei, eine PR-Kampagne zu entwerfen, mit der wir die Öffentlichkeit darauf hinweisen, dass nun die Normalversorgung in den Praxen wieder begonnen hat und es keinen Grund gibt, die Praxen zu meiden.

Ein Wort zum Schluss: In den nächsten Tagen werden wir auch den Versand von negativen Bescheiden wieder aufnehmen, zum Beispiel bei Abrechnungs- oder Plausibilitätsprüfungen. Den Versand hatten wir während der akuten Coronakrise ausgesetzt. Uns ist bewusst, dass diese Schreiben etwas sind, auf dass Sie sicher auch weiterhin gut hätten verzichten können. Gleichzeitig bitten wir Sie um Verständnis dafür, dass dies eben auch zu unseren Aufgaben gehört – auch wenn wir in den letzten Wochen vorrangig damit beschäftigt waren, Schutzausrüstung für die Praxen zu organisieren


Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 13.05.2020

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