Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Coronavirus: Kinderbetreuung, Schutzausrüstung, Schwerpunktpraxen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

in den schwierigen Zeiten, in denen wir uns gerade befinden, freuen wir uns besonders über positive Nachrichten. Die Landesregierung hat auf unsere Forderungen reagiert und die Verordnung zum Thema Notbetreuung von Kindern angepasst.

Ab sofort reicht es, wenn nur ein Teil eines Haushalts/ein Elternteil im Gesundheitswesen tätig ist, um Anspruch auf die Notbetreuung der Kinder zu haben. Bitte wenden Sie sich dazu an die örtliche Schule/Kindergarten.

Weniger positiv sind die Nachrichten bei der Belieferung mit Schutzausrüstung. Zwar sind erste Lieferungen am späten Donnerstagabend (19. März) und am darauffolgenden Wochenende hier eingetroffen, doch die Stückzahlen sind ernüchternd. Wir sind uns zu 100 Prozent der Tatsache bewusst, dass das Thema Schutzausrüstung derzeit für die Praxen die allerhöchste Priorität besitzt und beginnen nun mit der Verteilung. Doch können wir den Zahlen und aktuellen Verlautbarungen zur Verfügbarkeit von Schutzausrüstung keinen Glauben schenken. Was zählt ist das, was ankommt, und das ist bisher leider sehr wenig. Wir werden nun beginnen, diesen Mangel zu verteilen.

Auch wenn wir im Moment nur wenig Unterstützung dafür bekommen, müssen wir die ambulante Versorgung reorganisieren. Im Ergebnis brauchen wir in jeder Region COVID-19-Schwerpunktpraxen. Sofern Sie hier Ihre Bereitschaft erklären, versteht sich die Ausstattung mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln von selbst. Hierfür sehen wir prioritär die folgenden Fachgruppen mit den ebenfalls aufgeführten Mindestanforderungen:

Fachgruppen
  • Fach- und hausärztliche Internisten
  • Allgemeinmediziner
  • Kardiologen
  • Pneumologen
  • Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO)

Praxen sollten möglichst folgende Ausstattung haben:

Diagnostik
  • 12-Kanal-EKG
  • Sonografie
  • Lungenfunktion
  • O2-Sättigung
  • Computertomographie (CT) erreichbar
Sonstige Ausstattung
  • Notfallausrüstung inclusive Defibrillator
  • Sauerstoff, Ambu-Beutel
Personal
  • Möglichst Medizinische Fachangestellte (MFA) für Routinehausbesuche

An dieser Stelle benötigen wir bis Ende dieser Woche ein Signal der Praxen, die sich dies vorstellen können. Bitte schreiben Sie dazu an:
corona-schwerpunktpraxis(at)kvhessen(.)de (Bitte Fachgruppe und BSNR angeben!)

Die ambulante Versorgung hängt jetzt wesentlich davon ab, dass wir die Patientenströme teilen können, in der Akutversorgung trotzdem leistungsfähig bleiben und die Krankenhäuser wo immer möglich maximal entlasten. Wir werden dafür auch die entsprechenden Regelungen im Honorarverteilungsmaßstab (HVM) treffen.

Mit unserem heutigen Rundschreiben möchten wir Sie auch auf unsere Therapieempfehlung zum Umgang mit COVID-19-Patienten hinweisen. Bitte verstehen Sie diesen Leitfaden nur als Empfehlung, da die Datenlage bisher sehr unklar ist. Wir werden an dieser Stelle bei Bedarf tagesaktuell anpassen. Lesen Sie die Therapieempfehlung unter unseren Coronavirus-Informationen.

Ambulante Operationen finden in Hessen bis auf Weiteres nicht mehr statt, soweit sie elektiver Natur sind. Die Anpassungsverordnung des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration (HMSI), erlassen am 20. März 2020, Artikel 5, § 2, ist für uns eindeutig, auch wenn wir wissen, dass es in anderen Bundesländern (noch) andere Regeln gibt. Honorarverluste sollen durch die Neufassung von Paragraph 87, SGBV, der aktuell in der Kabinettsfassung vorliegt, bis auf 90 Prozent ausgeglichen werden.

Soweit Sie ihn kennen, wird Sie der Gesetzentwurf zum Schutzschirm von Krankenhäusern und Praxen wahrscheinlich enttäuschen. Wir arbeiten auf allen Ebenen an einer Nachbesserung, denn wer ist in diesen Zeiten systemrelevanter als die Praxen der Niedergelassenen?

Was die telefonische Beratung Ihrer Patientinnen und Patienten betrifft, arbeiten wir derzeit an einer hessischen Lösung mit den hessischen Krankenkassen.

Wichtig für Sie: Die Telefonsprechstunde wurde wegen des Coronavirus ausgeweitet.

  • Temporär können Ärzte und Psychotherapeuten ihre Patienten im Rahmen einer Telefonsprechstunde versorgen. Diese Regelung gilt vorerst vom 18. März bis zum 19. April 2020.
  • Das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) ist nicht notwendig. Ärzte und Psychotherapeuten wenden das Ersatzverfahren an.
  • Für den telefonischen Kontakt rechnen Ärzte und Psychotherapeuten die Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 (Haus-/Fachärztliche Bereitschaftspauschale) ab.
  • Aufgrund der zurzeit besonderen Situation mit der Ausbreitung des Coronavirus kann die GOP 01435 temporär mehrfach im Behandlungsfall abgerechnet werden, wenn ein telefonischer Kontakt mehrfach zustande kommt.
  • Ärzte und Psychotherapeuten können sie zudem im Behandlungsfall neben ihrer Versicherten-, Grund- und Konsiliarpauschale abrechnen vorausgesetzt es hat ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt stattgefunden (zum Beispiel im Januar 2020).

Die folgenden GOP /Leistungen können beispielsweise temporär telefonisch erbracht werden.

  •  03230   Problemorientiertes ärztliches Gespräch (Hausärzte)
  • 04230   Problemorientiertes ärztliches Gespräch (Kinderärzte)
  • 14220   Kinder- und jugendpsychiatrisches Gespräch, Beratung, Erörterung, Abklärung
  • 16220   Neurologisches Gespräch/Beratung, Erörterung, Abklärung (Einzelbehandlung)
  • 21220   Psychiatrisches Gespräch, Beratung, Erörterung, Abklärung (Einzelbehandlung)
  • 22220   Psychotherapeutisches Gespräch (Einzelbehandlung)
  • 23220   Psychotherapeutisches Gespräch (Einzelbehandlung)
  • Einzelpsychotherapie (Tiefenpsychologisch fundierte und Analytische Psychotherapie sowie Verhaltenstherapie als Langzeit- oder Kurzzeittherapie)

Eine komplette Liste aller GOP, die momentan per Telefon erbracht werden können, steht Ihnen auf unserer Homepage zur Verfügung.

Zum Schluss möchten wir uns erneut für das bedanken, was Sie bisher geleistet haben. Ambulante Versorgung ist wichtiger denn je, das zeigt die Coronakrise deutlich. Leider sind wir derzeit nicht in der Lage, jede einzelne E-Mail persönlich zu beantworten und danken Ihnen für Ihr Verständnis dafür. Wir lesen aber jede Mail und sind dankbar für gute Anregungen. Bitte behalten Sie mit uns die Nerven! Wir wissen, wie schwer das im Moment ist. Die Menschen vertrauen und zählen auf uns und hier ist die Professionalität unseres Berufes gefragt. Wir tun alles für die Rahmenbedingungen, damit Sie auch so arbeiten können.

Noch eine Bitte: Uns erreichen immer mehr Anrufe von Patienten mit grippalen Symptomen ohne Verdacht auf eine Sars-Corona-2 Infektion in der 116117. Die 116117 arbeitet aber schon an der Belastungsgrenze. Wo immer möglich, versuchen Sie bitte, diese Patienten telefonisch zu beraten und zu beruhigen. Mehr kann die 116117 auch nicht leisten. Begründete Verdachtsfälle verweisen Sie bitte wie bisher an die Testcenter.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

 

zuletzt aktualisiert am: 24.03.2020

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