Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Coronavirus: Änderung in der Betäubungsmittelverschreibung

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Inkrafttreten des erweiterten Infektionsschutzgesetzes (IfSG) haben sich auch relevante Änderungen durch die SARS-CoV-2- Arzneimittelversorgungsverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) für die Substitutionsbehandlung Opioidabhängiger ergeben.

Es gilt ab dem 21. April 2020 während des vom Bundestag festgestellten epidemischen Notstandes (vorerst befristet bis längstens zum 31. März 2021):
  • Z-Rezepte können nun bis zu vier Mal die Woche und für bis zu sieben Tage ausgestellt werden - auch ohne persönliche Konsultation
  • Ein suchtmedizinisch nicht qualifizierter Arzt darf jetzt im Rahmen der Konsiliarregelung mehr als zehn Substitutionspatienten versorgen
  • Soweit sich ein suchtmedizinisch qualifizierter Arzt von einem suchtmedizinisch nicht qualifizierten Arzt vertreten lassen muss, entfallen die bisher bestehenden zeitlichen Begrenzungsregelungen
  • BtM-Rezepte dürfen in der Praxis des vertretenen Arztes vom jenem, der vertretungsweise die Substitution durchführt, verwendet werden. Zum Beispiel, wenn aus dem Ruhestand wieder aktivierte Ärzte sofort BtM-Verschreibungen ausstellen sollen und diese keine eigenen gültigen BtM-Rp-Vordrucke mehr haben
  • BtM-Rezepte („T“) dürfen per Post versandt werden, ebenfalls auch ohne persönliche Konsultation.
  • Substituierende Ärzte können auch nicht medizinisches, pharmazeutisches oder pflegerisches Personal beauftragen. Beispielsweise dürfen Mitarbeiter von Drogenberatungsstellen oder von PSB-Einrichtungen, mit der Überbringung des Substituts und gegebenenfalls dessen Überlassung zum unmittelbaren (Unter-Sicht-Einnahme) angewiesen werden. Bei der Abgabe zum eigenverantwortlichen Verbrauch (Take-Home), sollte vorab eine Vereinbarung und Absprache mit der Apotheke (Botendienst) erfolgen.
Fallbeispiel 1:

Es soll eine einzelne Tagesdosis aus der Praxis zur Einnahme unter Sicht ausgeliefert werden: Dies ist im Rahmen eines ärztlichen Hausbesuches zulässig. Der verordnende Arzt kann auch Praxisangestellte oder PSB-Kräfte beauftragen, sofern diese über die Kriterien für eine Einnahme oder auch Nicht-Einnahme (Sedierung unter anderem) unterrichtet sind. Dies ist eine ärztliche Tätigkeit.

Fallbeispiel 2:

Es sollen eine oder mehrere Tagesdosen zur eigenverantwortlichen Einnahme am Aufenthaltsort des Patienten abgegeben werden. Dies kann ausgeführt werden durch einen volljährigen Apothekenboten. Ärztliches oder Praxispersonal oder auch PSB-Kräfte dürfen ebenfalls Substitutionsmittel zur eigenverantwortlichen Einnahme überbringen, sie sind dann allerdings im Auftrag der Apotheke mit dieser Botendienst-Aufgabe betraut. Dies ist mit der Apotheke fallweise zu vereinbaren und zu dokumentieren und gleichzeitig eine Tätigkeit im Auftrag der Apotheke. Damit wird auch unter Epidemiebedingungen das Dispensierrecht der Apotheken beachtet

und

  • Notfallverordnungen gemäß § 8 Abs. 6 BtMVV sind nunmehr auch für Substitutionsmittel statthaft (Buchstabe „N“ auf dem Rezept vermerken)

Die entsprechende Veröffentlichung finden Sie im Bundesanzeiger (Schnellzugriff / zum Amtlichen Teil / 21. April 2020) und auf der Homepage der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Bitte achten Sie darauf, Ihren substituierten Patienten quartalsaktuelle Substitutionsbescheinigungen auszustellen. 

Sollten Sie Fragen haben, können Sie sich gerne an uns wenden.


Mit freundlichen Grüßen
Ihre Kassenärztliche Vereinigung Hessen

zuletzt aktualisiert am: 29.04.2020

An alle Vertragsärzte mit einer Abrechnungsgenehmigung der KVH für die Substitutionsbehandlung
 

Ansprechpartner

Heike Morbitzer

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6606
Fax 069 24741-68816
qs.substitution(at)kvhessen(.)de

Ansprechpartner

Sabine Kühn

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Qualitätssicherung Substitution & weitere Genehmigungen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6610
Fax 069 24741-68816
qs.substitution(at)kvhessen(.)de

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