Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie ein Magazin in den Händen hält.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Update Boosterimpfungen

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Beginn der sogenannten Boosterimpfungen gegen das Coronavirus bestimmt derzeit die Agenda in der Gesundheitspolitik. Und auch uns erreichen dazu viele Fragen. Nun gibt es seit gestern wenigstens die neue Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV). Sie finden diese auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums (BMG).

Während die Politik hektisch die letzten Wochen vor der Bundestagswahl nutzt, um ein vermeintlich kompetentes Pandemiemanagement zu dokumentieren, möchten wir bei aller Aufgeregtheit die medizinischen Fakten nach vorne stellen:

  • Nach wie vor gibt es weder in der EU noch in Deutschland einen für die Boosterung zugelassenen Impfstoff
  • Nach wie vor liegt keine Empfehlung der STIKO für eine solche Auffrischungsimpfung vor, auch wenn damit zeitnah zu rechnen ist

Das bedeutet also, dass alles, was seitens der Entscheidungsträger in Berlin oder auch Wiesbaden dazu im Moment beschlossen oder verlautbart wird, vorrangig oder sogar ausschließlich als politische Beschlüsse zu verstehen sind. Das diskreditiert diese Beschlüsse nicht per se, eine ausreichende medizinische beziehungsweise wissenschaftliche Grundlage gibt es dafür allerdings auch beziehungsweise noch nicht. Wenigstens ist durch diese Beschlusslage die sogenannte Staatshaftung gesichert und man muss sich tatsächlich, trotz der fehlenden Zulassung über das Off-Label-Use-Problem, keine zu großen Gedanken machen.

Ob das aber wirklich bekömmlich ist, wenn sich erratische Politik über medizinische Evidenz hinwegsetzt, lassen wir mal dahingestellt. Wobei wir durchaus auch die Entwicklung in der Welt sehen und bewerten sollten.

Aus einigen Impfzentren ist bereits zu hören, dass dort sprichwörtlich bereits alle diejenigen „geboostert“ werden, die nicht bei drei auf dem Baum sind und es deshalb Nachfragen dazu auch in den Praxen gibt. Zumindest haben Sie nun selbst die Möglichkeit, eine verbindliche Entscheidung für die Patientinnen und Patienten zu treffen.

Die Auffrischungsimpfungen sind zwar laut mündlicher Stellungnahme der Landesregierung für Personen gedacht, bei denen nach einer vollständigen Impfung keine ausreichende oder eine schnell nachlassende Immunantwort vorliegt. Gemeint sind damit vor allem Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen sowie deren Personal, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und weiteren ähnlichen Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen, immunsuppressive Personen oder solche mit einer Immunschwäche sowie pflegebedürftige Menschen und Menschen ab 80 Jahren. Nur in der neuen Impfverordnung findet sich davon nichts. Eigentlich also ein Freifahrtschein für alle. Sie sollten sich daher überlegen, ob man sich deshalb überhaupt auf Diskussionen einlässt. Allemal, solange es keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut gibt. Berlin legt ja offenbar auf solche Diskussionen auf der Basis medizinischer Evidenz eh keinen Wert mehr.

Personen, die mit einem Vektorimpfstoff (AstraZeneca/Johnson & Johnson) geimpft wurden sowie genesene Personen, die nach ihrer Infektion einmalig mit einem Vektorimpfstoff geimpft wurden, sollen eine Auffrischung mit einem mRNA-Impfstoff (BioNTech/Moderna) erhalten. Dabei soll ein Abstand von in der Regel mindestens sechs Monaten zum Abschluss der ersten Impfserie eingehalten werden. Bei den Auffrischungen von Personen, deren erste Impfserie mit einem MRNA-Impfstoff erfolgt ist, soll der gleiche Impfstoff zur Auffrischung verwendet werden.

Parallel zu diesen Überlegungen laufen bereits seit einigen Wochen in den Gebietskörperschaften aber schon die Vorbereitungen für die Auffrischungsimpfungen, vor allem in den Heimen. Die Pflegeheime sind angehalten zu ermitteln, wie hoch der Bedarf an Impfungen für ihre Heimbewohner ist, und eigentlich Kontakt mit den Heimärztinnen und -ärzten aufzunehmen. Ebenso soll der Bedarf für die Impfungen beim Personal ermittelt werden. Verantwortlich für die weiteren Impfungen sollten also die Niedergelassenen, speziell die Heimärztinnen und -ärzte sein, so hat es das Land in der vergangenen Woche noch einmal bestätigt. Daneben auch der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD), der sich vor allem bei Sonderimpfaktionen, beispielsweise in mutmaßlich ansonsten schwer für eine Impfung erreichbaren Quartieren, was auch immer das ist, engagieren soll.

Fakt ist, dass wir aber von diesen Aktivitäten in der Regel nur vom Hörensagen erfahren und es nach wie vor ein komplettes Desinteresse der allermeisten Gebietskörperschaften an einem konstruktiven Austausch mit eben jenen Niedergelassenen gibt. Das wird sich sicher auch nicht wirklich ändern, wenn jetzt in der neuen Verordnung von Herrn Spahn für diese Gebietskörperschaften auch noch ein Blankoscheck ausgestellt wird.

Es ist also mit der Fortsetzung der teilweise chaotischen Verhältnisse zu rechnen. Zudem bieten jetzt wohl auch Privat- und Betriebsärztinnen und -ärzte den Heimen einen Impfservice an.

Wir können deshalb Ihre Stimmungslage gut nachvollziehen. Zudem wird jetzt schon jede Haus- oder Facharztpraxis, die sich aus dem Impfgeschäft zurückzieht, weil sie bzw. er zum Beispiel Bedenken hat, am Ende noch wegen verworfenem Impfstoff vorgeführt zu werden, zur Staatsaktion hochstilisiert, um endlich der Landesregierung den Beweis für das Versagen der ambulanten Versorgung zu liefern. Dies zum Beispiel, weil man Freitag um 17:30 Uhr doch noch für einen Nachzügler ein Vial geöffnet hat und die verbleibenden vier Impfungen eben nicht mehr verimpfen kann. Oder weil man durch die Heimärztin oder den -arzt erst um Übernahme der Impfung gebeten wurde, man es schon geplant hat und dann plötzlich erfährt, dass das jetzt doch durch ein mobiles Team erfolgt. Das Schließen der Impfzentren wird man uns wohl nie verzeihen.

Trotzdem bleiben Sie bitte im Team und bieten Sie bitte auch die Boosterimpfung an. Wenigstens für die Menschen, wo wir das, wo Sie das für medizinisch sinnvoll halten. Sie impfen und wir halten in Frankfurt den politischen Druck aus. Nur gemeinsam schaffen wir Niedergelassenen es, denn wenn wir es nicht schaffen, insbesondere die jetzt noch Ungeimpften für die Corona-Schutzimpfung zu gewinnen, schafft es niemand. Tatsächlich sind es aktuell eben nicht die Impfdurchbrüche, die die Inzidenz und die Krankenhausbelegung treiben, sondern die Ungeimpften. Auch wenn sich altruistisch in vielen Bundesländern, in denen sie zum Beispiel schon gegen Grippe impfen, natürlich die Apotheker schon angeboten haben.

Hier übrigens ein ganz aufrichtiger Dank an alle KV-Mitglieder, die sich als Unterstützer für die Schul-Impfungen gemeldet haben. Auch für unsere Zusage, gegebenenfalls nach Schließung der Impfzentren die Zweitimpfungen für unter 17-Jährige zu übernehmen, ist uns nicht der Kopf abgerissen worden. Auch dafür danke. Die Kassenärztliche Vereinigung hessen (KVH) ist gerade dabei, ein mobiles Impfzentrum zu etablieren, das auf Anforderung in bestimmten, definierten Fällen, zum Beispiel durch Schulen angefordert werden kann und dann unterstützen würde.

Nahezu zeitgleich mit der Coronavirus-Impfverordnung hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) jetzt auch die dazugehörigen Pseudoziffern veröffentlicht.

 

Pseudoziffern

Nahezu zeitgleich mit der Coronavirus-Impfverordnung hat die KBV jetzt auch die dazugehörigen Pseudoziffern veröffentlicht.

Sie rechnen die Boosterimpfung bei den mRNA-Impfstoffen über die bisher bekannten Pseudo-GOP mit neuen Suffixen ab.

Wenn Sie die Schutzimpfung – bei Patienten, die Sie nicht selbst geimpft haben – im Impfausweis nachtragen, erhalten Sie – das ist neu – zudem zwei Euro. Dafür rechnen Sie die neue Pseudo-GOP 88335 ab und informieren zeitglich Ihren Anlageberater auf den Bahamas.

Mit Impfzertifikaten, Hausbesuchen, Mitbesuchen, Beratung ohne Impfung etc. dürfen Sie sich damit jetzt auch, Suffix hin oder her, über 35 Pseudoziffern(!) im Zusammenhang mit der Corona-Impfung freuen.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 02.09.2021

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