Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie ein Magazin in den Händen hält.

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

SARS-CoV-2: Booster-Impfungen, Impfschema, Impfstoffbestellung

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir wenden uns mit diesem Schreiben, das wir Ihnen ja bereits angekündigt haben, erneut an Sie, um Sie um weitere Unterstützung der Impfkampagne zu bitten. Nur durch Ihre Leistung konnten die bisherigen Impfungen in der ambulanten Versorgung so realisiert werden.

Betrachtet man jetzt die Zahlen, erkennt man sehr schnell, dass es strukturelle Ursachen für noch nicht geimpfte Menschen gibt, die man sträflich vernachlässigt hat, als die Impfzentren noch geöffnet waren.

Und warum diese dann in wieder eröffnete Impfzentren strömen sollten, um sich dort bekehren zu lassen, das muss wohl eine nächtliche Eingebung gewesen sein. Entsprechend überrascht war man ja auch in den Bundesländern. Leider hat man uns das nicht erklärt, so dass uns auch selektive Unterstützung im hessischen Landtag für die Wiedereröffnung der Impfzentren ratlos zurücklässt. Es sei denn, man will mal wieder die einzig wahre, die heilsbringende Staatsmedizin beschwören. Und Herr Spahn steht auf seine letzten Tage als geschäftsführender Minister politisch nicht ganz alleine da.

Hier liegen auch die eigentlichen Probleme und nicht im Bereich angeblich zu wenig gemachter Booster. Es ist offensichtlich nicht ganz einfach zu verstehen, dass für die jetzt anstehenden Booster diese Menschen bereits Ende April 2021 und nicht erst im Oktober einen vollständigen Impfschutz haben mussten. Und Sie erinnern sich, neben dem Impfstoffdesaster haben wir bis April 2021 auch noch nach Priorisierung geimpft. Die KV-Welt ist eh erst und viel zu spät am 6. April 2021 eingestiegen.

Wo jetzt die ganzen 40- oder 50-Jährigen herkommen sollen, die wir jetzt angeblich nicht oder nur zu langsam boostern, das weiß wohl nur eine elitäre Gruppe in Berlin. Wir finden diese jedenfalls in Hessen nicht.

Niemand boostert in Hessen zu langsam und niemand muss um die Booster bangen, wenn er denn nach Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) eine solche Drittimpfung bekommen soll.

In Hessen hatten wir übrigens noch nicht einmal 500.000 Menschen, die Ende April 2021 vollständig geimpft waren. Viele ältere Menschen, zum Teil sogar hochbetagt, viele chronisch Kranke, aber auch medizinisches Personal, bei dem in Hessen, als einem der wenigen Bundesländer, auch wir, also Sie als KV-Mitglieder mit Ihrem Personal, zum Teil dabei waren, wenn Sie homolog mit mRNA-Impfstoffen geimpft wurden. Hieraus dann erratisch die Forderung nach der Wiedereröffnung der Impfzentren abzuleiten, bedarf dann keiner weiteren Kommentierung.

Zu den Ursachen der Impfverweigerer ist ja schon genug gesagt worden. Da liegt der Spielball eindeutig im Feld der Politik. Wegen der angeblich zu langsamen Boosterimpfungen den Niedergelassenen dann Impfen in den Apotheken in Aussicht zu stellen, ist aber schäbig. Und hier lassen wir uns auch nicht drohen! Dabei überlegt man übrigens auch, was ein sehr guter, aber halt doch anspruchsvoller Impfstoff wie Vaxzevria in der Hand von medizinisch weithin ungebildeten Pharmazeuten für (tödliche?) Folgen hätte haben können.

Wir sind also im Moment mit Boostern à jour. Und trotzdem, Auffrischungsimpfungen sind das Gebot der Stunde.

Auch wenn uns da, bisher wie gesagt und insbesondere aus den Senioreneinrichtungen in Hessen, keine Probleme bekannt sind. Also weder bei den Impfungen selbst, noch in der flächendeckenden Abdeckung. Das als Einsatzreserve gedachte Impfmobil der Kassenärztlichen vereinigung Hessen (KVH) wurde bisher nicht ein einziges Mal angefordert.

Wir können gut verstehen, wenn die eine oder der andere von Ihnen nur noch mit sehr überschaubarer Begeisterung hört, dass wir Sie nun zu einer erneuten Kraftanstrengung aufrufen. Es ist mehr als nachvollziehbar, dass Kolleginnen und Kollegen angesichts der weiterhin wahnsinnigen Bürokratie mit Vierfach-Dokumentation beim Impfen eine Pause eingelegt haben. Trotzdem stehen wir vor herausfordernden Monaten. Bundesweit stehen im November 2021 vier Millionen, im Dezember 8,6 Millionen und im Januar 2022 16 Millionen Booster-Impfungen an, davon 340.000 (November), 530.000 (Dezember) und 1,2 Millionen (Januar) in Hessen. Die aktuelle Stellungnahme der STIKO, die mittelfristig eine Erweiterung der Boosterempfehlung über die bisherige Empfehlung hinaus vorsieht, wird sich sicherlich auch in unseren Praxen auswirken. Weniger in Bezug auf die Zahlen, sondern in Bezug auf Beratung von Interessierten.

Die STIKO empfiehlt in diesem Zusammenhang im Prinzip eine Priorisierung nach absteigendem Alterscluster. „Je älter, desto eher“ lautet also die Empfehlung.

Um dieses Volumen gemeinsam stemmen zu können, möchten wir die Bürgerinnen und Bürger daher zusätzlich über die 116117 und die Arztsuche der KVH über die Praxen informieren, wo geboostert wird beziehungsweise generell Impfungen gegen SARS-CoV-2 stattfinden. Mit Hilfe der Impfsurveillance sehen wir, welche Praxen aktuell gegen Corona impfen. Sie möchten auf dieser Liste bleiben oder über die 116117 genannt werden? Dann müssen Sie nichts weiter tun.

Falls Sie nicht auf einer solchen Liste geführt bzw. in der Arztsuche als eine solche Praxis gelistet werden möchten, teilen Sie uns dies bitte über die Eingabemaske mit.

Gleiches gilt für den Fall, dass Sie aktuell nicht impfen. Das soll so bleiben? Schade, auch wenn wir sicher die Gründe verstehen können. Wenn Sie das aber ändern möchten, wenn Sie als Impfpraxis gelistet werden wollen, weil Sie sich nun wieder beteiligen möchten, nutzen Sie bitte die gleiche Eingabemaske.

Das gilt für haus- wie für fachärztliche Praxen gleichermaßen. Und natürlich werden Sie keine Termine zum Impfen an die Terminservicestelle (TSS) melden müssen, und natürlich werden Sie Ihre Impfsprechstunden komplett selbst organisieren.

Uns ist bewusst, dass wir nun mit einer erneuten, großen Bitte an Sie herantreten, die weitere und zusätzliche Belastungen für Sie bedeutet. Wir sind alle müde. Aus dem Schreiben unseres Ministers sehen Sie aber, welche große Wertschätzung Ihre bisherige Arbeit genießt. Und trotz der aktuellen COVID-Zahlen sieht alles im Moment nach einem echten Endspurt aus. Lassen Sie uns den gemeinsam und erfolgreich in Angriff nehmen.

Gleichzeitig hoffen wir, wenn denn nun bald und endlich eine neue Hausleitung im Bundesgesundheitsministerium (BMG) einzieht, dass man dort dann offener als bisher auf unsere Forderungen reagiert, Ihre Leistungen angesichts der außergewöhnlichen Belastungen nun auch angemessener zu bezahlen, und die endlich eine flexible und schnelle Impfstofflogistik möglich macht, bis zu einer Bevorratung in den Apotheken vor Ort.

Zumindest soll der Bestellprozess angesichts der zu erwartenden Zunahme an Impfungen demnächst wieder im einwöchigen Rhythmus stattfinden.  Zur Umstellung des Prozesses haben die Leistungserbringer am Dienstag, dem 9. November 2021, letztmalig den Bedarf an COVID-19-Impfstoffen für die übernächste Woche (KW 47 – 22. bis 26. November 2021) bestellt. Soweit sich im Anschluss weitere kurzfristige Bedarfe an COVID-19-Impfstoffen für KW 47 ergeben, können die Leistungserbringer diese am 16. November 2021 nachbestellen. Ab diesem Zeitpunkt gilt dann wieder der Ein-Wochen-Rhythmus zwischen Bestellung und Lieferung (Bestellung am 23. November 2021 für die Auslieferung der COVID-19-Impfstoffe in KW 48).

Für die Auffrischungsimpfungen werden nur mRNA-Impfstoffe verwendet:

Für die Auffrischimpfung soll ein mRNA-Impfstoff verwendet werden, unabhängig davon, welcher Impfstoff bei der vorher erfolgten homologen (Comirnaty, Spikevax, Vaxzevria, COVID-19 Vaccine Janssen) oder heterologen Immunisierung (Vaxzevria/Comirnaty oder Vaxzevria/Spikevax oder COVID-19 Vaccine Janssen/Comirnaty oder COVID-19 Vaccine Janssen/Spikevax) eingesetzt wurde.

Seit Anfang Oktober 2021 ist Comirnaty in Europa auch explizit für die Durchführung von Auffrischimpfungen für immungesunde Personen ab 18 Jahren in derselben Dosierung wie für die Grundimmunisierung zugelassen. Die Zulassung der Auffrischimpfung für Immungesunde mit Spikevax hat die Zulassungsbehörde EMA befürwortet.

ACHTUNG: Im Vergleich zur Dosierung des Impfstoffs für die Grundimmunisierung (100μg) hat Moderna die Ergänzung der Zulassung von Spikevax für eine Auffrischimpfung für Immungesunde mit nur der halben Dosis (50μg) erhalten!

Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff benutzt werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung gekommen ist. Wenn dieser nicht verfügbar oder noch nicht für die Auffrischimpfung zugelassen ist, kann auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden.

Die Auffrischimpfung soll frühestens sechs Monate nach der aus zwei Impfstoffdosen bestehenden Grundimmunisierung verabreicht werden. Ausnahmen gibt es bei Personen mit Immundefizienz sowie bei Erstimpfung mit dem Impfstoff von Johnson&Johnson, siehe Übersicht weiter unten.

Personen, die vor oder nach COVID-19-Impfung eine labordiagnostisch gesicherte SARS-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, wird derzeit keine Auffrischimpfung empfohlen.

Empfehlungen zur COVID-19-Impfung von Personen mit Immundefizienz hat die KVH auf ihrer Website zum Impfen in den Praxen zusammengefasst.

Uns ist klar, dass dies wieder sehr viele Informationen sind, doch lässt sich dies leider angesichts der Dynamik der Pandemie und den damit zusammenhängenden politischen Entscheidungen nicht vermeiden.

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 10.11.2021

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