Eine Frau lächelt in die Kamera, während sie ein Magazin in den Händen hält. © andresr

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Beratungsdienstleistungen in Apotheken

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen

die Diskussionen rund um die pharmazeutischen Dienstleistungen in Apotheken reißen nicht ab. Deshalb ein kompaktes Statement Ihres Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) dazu:

Wir begrüßen zunächst die Wartezimmeraktion des Hessischen Hausärzteverbandes, denn sie bringt die ganze Diskussion auf den Punkt: Eine qualitativ hochwertige pharmazeutische Beratung gibt es nur durch die Ärztin oder den Arzt. So gesehen sollte dieses Plakat eigentlich in jeder Praxis hängen und die Patientinnen und Patienten informieren. Lassen Sie sich auch nicht von den kritischen Stimmen in manchem Diskussionsforum irritieren.

Wichtig scheint uns am Anfang die Frage, was denn eigentlich in der KV-Welt da überhaupt passiert beziehungsweise passiert ist.

Hier können wir als Hessen durchaus in Anspruch nehmen, dass wir vor zwei Jahren, als es um die Beratungen zu diesem Gesetz ging, das uns nun die Probleme macht, ein klares, hartes und entschlossenes gemeinsames Handeln der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und der KVen eingefordert haben, weil wir die heutigen Probleme vorausgesehen haben.

Aus heutiger Sicht ist der damalige, pathetische Kotau vor den Apothekern, aufgeführt von vielen KV-Vorständen, die davon heute nichts mehr wissen wollen, unverzeihlich.

Die damals bereits absurden Argumente wie Schwesternkörperschaft hinsichtlich der Apothekerkammern, Kollegialität und die Aussage „wir brauchen uns doch gegenseitig“, um nur einige zu nennen, sind auch heute immer noch absurd. Und viel schlimmer: Wohin das führt, sehen wir nun.

Nun lässt sich dieser schwere berufspolitische Fehler genauso wenig ändern wie die Vergangenheit an sich. Aber machen wir nun nicht noch den nächsten schweren Fehler, indem wir zwar bellen, aber nicht beißen.

Sowohl der Umfang der Leistungen als auch die vorgesehene Honorierung sind ein Schlag ins Gesicht jeder Ärztin und jedes Arztes und eine Kriegserklärung der Apothekerinnen und Apotheker an die KV-Mitglieder, auch wenn man mit solch martialischen Begriffen ja gerade im Moment sehr vorsichtig umgehen sollte.

90 Euro für die Eingabe von fünf Medikamenten in eine Datenbank und ein paar ausgedruckte Blätter sind eine Unverschämtheit gegenüber uns Vertragsärztinnen und -ärzten. Gleiches gilt auch für unsere psychologischen Psychotherapeutinnen und -therapeuten, die für das gleiche Geld 50 Minuten arbeiten müssen. Vergleichbare Beispiele lassen sich in allen Fachgruppen finden.

Wir sollten deshalb nicht nur eine verbale Antwort auf diese indiskutablen Zustände geben. Denn eins – und deshalb schreiben wir Sie an – ist klar: Wenn sich nur der Vorstand der KVH in den Medien positioniert und bei der Politik vorstellig wird, wird nichts passieren, unabhängig davon, ob die Vergütung nachträglich noch einmal abgesenkt wird oder nicht. Es geht um Grundsätzliches. So grundsätzlich, dass es im Sinne der Patientensicherheit dringend geboten ist, den Apotheken Grenzen zu setzen. Grenzen, die wir alle den Apothekerinnen und Apothekern aufzeigen müssen. Dass sich diese sonst nicht für einen lösungsorientierten Diskurs mit uns interessieren, hat die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA) bereits deutlich gemacht. Deshalb müssen wir nun andere Wege gehen:

  • Dokumentieren Sie bitte – anonymisiert und ohne Patientendaten – Fälle, in denen eine inkompetente Beratung durch Apotheken stattgefunden hat. Diese formlose Dokumentation übermitteln Sie uns. Bitte auch gegebenenfalls die Unterlagen, die die Apothekerin oder der Apotheker mitgegeben haben.
  • Sprechen Sie mit Ihren Apothekerinnen und Apothekern vor Ort und signalisieren Sie, dass es insbesondere beim Bezug des Sprechstunden- und Praxisbedarfs immer Alternativen gibt.
  • Parallel dazu werden wir mit zuverlässigen Anbietern Gespräche führen, um zum Beispiel über Rezeptterminals in den Praxen Rezepte auf einem Weg einlösen zu können, der nicht durch inkompetente Beratung belastet ist. Dadurch sollten sich neue, patientenorientierte Lösungen finden lassen.
  • Wir werden auch eine rechtliche Überprüfung des Gesetzes in die Wege leiten. Abgesehen davon, dass wir natürlich die Vergütungshöhe (11,20 Euro für eine Blutdruckmessung, 20 Euro für die Erklärung eines Inhalators) als Benchmark für zukünftige Honorarverhandlungen und eine Neubewertung des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs (EBM) ansehen werden.

Weitere Maßnahmen folgen, genau wie Informationen dazu. Wir bitten Sie dringend um Unterstützung, um diesen Frontalangriff auf exklusive ärztliche Kompetenzen abwehren und zeitnah beenden zu können. Erfolg werden wir nur gemeinsam haben. Es bleibt schade, dass das aktuelle Dilemma nur vom Vorstand der KVH gesehen wurde.

Möge sich die Ampel andere Wege überlegen, um einer offenbar sozial benachteiligten Berufsgruppe beizustehen.  Lassen Sie uns daher gemeinsam etwas dagegen unternehmen!

Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

zuletzt aktualisiert am: 30.06.2022

An alle Mitglieder der KVH

 

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