Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen informiert ihre Mitglieder direkt, zielgruppenspezifisch und aktuell per Rundschreiben über relevante Neuerungen rund um die vertragsärztliche und psychotherapeutische Tätigkeit.

Coronavirus: Antikörpertests gegen SARS-CoV-2

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie stehen zunehmend Antikörpernachweis-Tests zur Verfügung. Der Sinn solcher Tests soll dabei sein, Personen zu identifizieren, die bereits Kontakt mit dem Virus hatten und daher höchstwahrscheinlich gegen eine erneute Infektion mit SARS-CoV-2 durch die Bildung von Antikörpern immun sind.

Wie in vielen anderen Ländern auch, so zeichnet sich hier in Deutschland eine enorme Nachfrage nach Antikörper-Tests ab. Daher ist es wichtig, sich über Nutzen und Grenzen derartiger Tests bewusst zu sein.

Eine vor wenigen Tagen erschienene Übersichtsarbeit „Antikörperstests gegen SARS-CoV-2: Warum ein guter Test nicht immer gute Ergebnisse produziert“ (1) zeigt eindrücklich die Grenzen auf. Die Kernaussagen möchten wir Ihnen mitteilen.

Zur Beurteilung eines Tests sind die Testgütekriterien Sensitivität und Spezifität essentiell:

  • Sensitivität bezeichnet den Anteil aller Infizierten, die mithilfe des Tests korrekt als infiziert identifiziert werden
  • Spezifität bezeichnet den Anteil aller Nicht-Infizierten, die mithilfe des Tests korrekt als nicht-infiziert identifiziert werden

Sensitivität und Spezifität alleine sind in der konkreten klinischen Situation aber nicht direkt aussagekräftig. Vielmehr interessieren die Fragen: Wie sicher eine positiv getestete Person wirklich infiziert und immun gegen SARS-CoV-2 ist (positiver Vorhersagewert) beziehungsweise wie sicher es ist, dass eine negativ getestete Person tatsächlich nicht infiziert ist (negativer Vorhersagewert).

Um diese beiden Fragen zu beantworten, braucht man eine Abschätzung, wie häufig die Infektion in der Bevölkerung ist (Prävalenz).

Daraus ergibt sich:

  • Ein Test auf Antikörper kann einen hohen Anteil falsch positiver Ergebnisse ergeben, falls die Häufigkeit der Erkrankung in der Bevölkerung gering ist. Dies ist derzeit der Fall in Deutschland.
  • Bei einer steigenden Durchseuchung (höherer Vortestwahrscheinlichkeit) produziert ein Antikörper-Screening mit dem ELISA immer weniger falsch positive Testergebnisse.
  • Ein positiver Antikörpernachweis für das SARS-CoV-2-Virus bedeutet im Einzelfall nicht notwendigerweise, dass die getestete Person immun ist.
  • Der Antikörpertest (ELISA) ist kein geeignetes Verfahren für ein breites Screening, sondern kann die Diagnostik höchstens ergänzen.

Für die Bestätigung eines SARS-CoV-2-IgA/IgG-Antikörper-Tests gibt es jedoch bislang keine weiteren Testverfahren, um den gefundenen Wert zu bestätigen oder zu widerlegen. Aus genau diesem Grund können wir für das individuelle Ergebnis nicht erkennen, welcher positive Test richtig und welcher falsch ist.

Eine sichere Aussage für den individuellen Patienten, ob er die Infektion durchgemacht hat und eine Immunität besteht, ist weiter nicht möglich.

Es besteht die Gefahr, dass durch falsch positive Testergebnisse Schaden verursacht wird, weil falsche Schlüsse hieraus gezogen werden. Die größte Gefahr ist das fälschliche Ausgehen von einer Immunität und der etwaigen Infektion und Weitergabe der Infektion.

Erkennung einer akuten COVID-Erkrankung durch Antikörper-Testung?

Naturgemäß eignen sich Antikörper nicht für eine Frühdiagnostik, da sie erst im Laufe der Erkrankung langsam auftreten. Sie können den Direkt-Nachweis (PCR) aber ergänzen.

Einsatz im Rahmen von epidemiologischen Fragestellungen?

Unter der Voraussetzung, dass sich die angegebenen Testgütekriterien bestätigen, ist der Test gut geeignet, bevölkerungsmedizinische Fragestellungen zu bearbeiten. Epidemiologen untersuchen Erkrankungen in großen Gruppen von Menschen. Testergebnisse können dafür verwendet werden, realistische Werte, zum Beispiel für die Infektionshäufigkeit und damit für die zunehmende Herdenimmunität, zu berechnen.

Fazit:  Der isolierte Antikörpertest in der aktuellen Form kann jedoch nicht für sichere Aussagen über eine durchgemachte Infektion und auch nicht zu Entscheidungen über die Immunität einer einzelnen Person herangezogen werden.

Weitere Erläuterungen zu diesem Thema mit Literatur lesen Sie im COVID-19-Leitfaden und im Infoportal Verordnungen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

Zur Abrechenbarkeit: Der Beschluss mit der entsprechenden Gebvührenordnungsposition (GOP) steht noch aus. Dieser dürfte in circa zwei Wochen vorliegen. Wir werden dann hierüber informieren.


Mit besten kollegialen Grüßen, Ihre

Frank Dastych
Vorstandsvorsitzender

Dr. med. Eckhard Starke
stv. Vorstandsvorsitzender

(1) Hannes Blankenfeld, Eva Grill, Hanna Kaduszkiewicz, Josef Pömsl, Michael M. Kochen: Antikörpertests gegen SARS-CoV-2: Warum ein guter Test nicht immer gute Ergebnisse produziert. Zeitschrift für Allgemeinmedizin, Mai 2020. DOI 10.3238/zfa.2020.

 

zuletzt aktualisiert am: 27.04.2020

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