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Scharfe Kritik an Vogelsbergkreis

Entschieden haben am 24. Juni 2020 die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, die Kritik des Landrates des Vogelsbergkreises zurückgewiesen.

Für die geäußerten Vorwürfe an einem von der KVH eingesetzten Labor zur Auswertung von Coronatests bestehe kein Anlass. Im Gegenteil: Die öffentliche Kritik offenbare ein erschreckendes Maß an Fahrlässigkeit an der Kreisspitze, so die Vorstandsvorsitzenden weiter.

Auslöser für die Auseinandersetzung waren die am 23. Juni in eine Pressemitteilung mündenden Vorwürfe des Landrates sowie des Ersten Kreisbeigeordneten, im Covid Koordinierungscenter in Alsfeld abgenommene und in einem von der KVH beauftragten Labor ausgewertete Tests seien fälschlicherweise als „positiv“ deklariert worden, obwohl in angeblich 14 Fällen keine Infektion vorgelegen habe. Hierzu erklärt der Vorstand der KV Hessen:

„Die Vorwürfe der Kreisspitze aus dem Vogelsberg sind aus verschiedenen Gründen haltlos. Zum einen arbeitet die KVH nur mit Laboren zusammen, in denen die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) und die vorgeschriebenen Maßnahmen zur Qualitätssicherung streng eingehalten werden. Das bedeutet, dass auf einen positiv ausgefallenen ersten Suchtest selbstverständlich der zweite, vorgeschriebene Bestätigungstest folgt. An dieser Stelle werden also alle Vorgaben eingehalten. Auch die Zusammenarbeit mit dem beauftragten Labor in anderen Landkreisen läuft völlig unproblematisch. Kritisch sehen wir die Äußerungen der Kreisspitze aber auch vor allem deshalb, weil sie ein hohes Maß an medizinischer Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit offenbaren.

Denn dass ein Test auf das Coronavirus einige Tage später anders ausfällt, ist keineswegs ungewöhnlich. Schließlich handelt es sich bei einer Virusinfektion um einen biologischen Prozess, der sich stetig verändert. Auch fallen nicht alle Tests zu 100 Prozent positiv oder negativ aus, sondern beispielsweise nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent. Wir halten es aber für infektiologisch unverantwortlich, einen solchen Fall nicht als positiven Test zu klassifizieren, denn das Risiko angesichts der Pandemie und eines nach wie vor hohen Ansteckungsrisikos für Nichtinfizierte wäre viel zu groß.

Und schließlich – als eigentlich schwerwiegendster Aspekt in dieser überflüssigen Diskussion – werden dadurch die Menschen ohne Not und auf verantwortungslose Weise verunsichert. Denn mehr, als die vom RKI vorgegebenen Regeln streng einzuhalten, kann ein Labor nicht tun. Und mehr, als nur mit solchen Laboren zusammenzuarbeiten, kann auch eine KV nicht tun. Welchen Testergebnissen sollen die Menschen denn nun vertrauen? Denen aus einem Gesundheitsamt im Vogelsberg? Oder nur denen, die im Labor der Universität Marburg ausgewertet wurden, wie vom Kreis vorgeschlagen? Diese Diskussion ist fatal und das Gegenteil von dem, was wir augenblicklich brauchen: Vertrauen in unser Gesundheitssystem und die dort umgesetzten Maßnahmen zum bestmöglichen Infektionsschutz der Bevölkerung.“

zuletzt aktualisiert am: 24.06.2020

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