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VV: Orale Antibiotika aushändigen

Die Mitglieder der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) fordern die hessischen Krankenkassen auf, die Vereinbarung zur Verordnung von Sprechstundenbedarf zu ändern: Anders als in anderen Bundesländern dürfen orale Antibiotika von Ärzten nicht an kranke Patienten ausgehändigt werden. Die Blockadehaltung der hessischen Kassen sei menschlich, sachlich und wirtschaftlich unverantwortlich.

Die bei der Sitzung am 12. Dezember 2020 einstimmig verabschiedete Resolution im Wortlaut:

„Orale Antibiotika müssen in Hessen endlich wieder im Notfall direkt vom Arzt an kranke Patienten ausgehändigt werden können, so wie es in anderen Bundesländern möglich ist und früher auch in Hessen möglich war. Die menschlich, sachlich und wirtschaftlich unverantwortliche Blockadehaltung der hessischen Kassen ist gerade in Corona-Zeiten nicht mehr hinnehmbar.

Begründung:

Der möglichst schnelle Beginn einer indizierten Antibiotikabehandlung ist gerade bei multimorbiden Patienten nicht nur krankheitsverkürzend, sondern teilweise auch lebensrettend. (1) Vom Arzt beim Hausbesuch, zum Beispiel im Altersheim, nachts oder am Wochenende verordnete Medikamente können aber aus organisatorischen Gründen (zum Beispiel Personalmangel) in der Regel nur mit großem Zeitverzug aus Apotheken besorgt werden. Die dadurch oft um Tage (!) verzögerte antibiotische Behandlung führt zu zunächst nicht notwendigen beziehungsweise gewünschten Krankenhausbehandlungen. Regelmäßige intravenöse Behandlungen sind in der ambulanten Realität nicht durchführbar und wären ohnehin um ein Vielfaches teurer.

Die vielfach erhobene Behauptung, Ärzte hätten durch Vertreterbesuche genügend Arzneimittelmuster für Notfälle zur Verfügung, ist schlicht falsch. Dies ist längst gesetzlich untersagt und wäre ohnehin wenig sinnvoll. Dies ist gerade in der jetzigen Situation fatal, in der Krankenhäuser und Intensivstationen mit Notfällen überfüllt und obendrein eine zusätzliche Ansteckungsquelle sind. Aus diesem Grund haben in anderen Regionen Deutschlands die Krankenkassen dem Bezug oraler Antibiotika über Sprechstundenbedarf seit langem zugestimmt (2-5). In Hessen wurde eine solche Regelung von den Kassen aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht getroffen.

Im Notfall müssen für die ersten ein bis zwei Tage Antibiotika-Tabletten vor Ort gelassen werden können. Dies ist nur über den Bezug der Medikamente über regulären Sprechstundenbedarf (6) möglich.

  1. [AWMF Leitlinie Pneumonie: „Die antibiotische Therapie soll nach Entnahme von adäquatem Untersuchungsmaterial so früh wie möglich erfolgen. Insbesondere bei Patienten mit septischem Schock ist eine Antibiotikatherapie innerhalb der ersten Stunde anzustreben. Nicht sofort verfügbare diagnostische Maßnahmen sollen die Einleitung der Therapie nicht verzögern. Starke Empfehlung, Evidenz B . Eine verzögerte adäquate antimikrobielle Therapie, definiert als Beginn >24 Stunden nach Entnahme der Blutkulturen, war bei kritisch kranken Patienten mit P. aeruginosa-Bakteriämie (davon 77 Prozent pneumogener Focus) ein unabhängiger Risikofaktor für eine erhöhte Sterblichkeit in einer prospektiven Studie [142]. Diese Assoziation wurde Erreger-unabhängig in einer retrospektiven multizentrischen Kohortenstudie an 2731 Patienten mit schwerer Sepsis bestätigt [130]: eine Verzögerung der Antibiotikatherapie resultierte in einem Anstieg der Letalität um 7,6 Prozent pro Stunde. Die größte Subgruppe (37 Prozent) dieser Patienten hatte einen pneumogenen Focus, eine separate Analyse dieser Patienten wurde allerdings nicht durchgeführt [130]. Die multivariate Analyse von 107 Patienten mit VAP in einer prospektiven Kohortenstudie zeigte ebenfalls eine signifikant erhöhte Letalität (OR 7.7; 95CI 4,5-13; p<0.001) wenn die antibiotische Therapie >24 Stunden nach Diagnosestellung erfolgte [143].“].
  2. Sprechstundenbedarf KV Mecklenburg-Vorpommern
  3. Sprechstundenbedarf KV Schleswig-Holstein
  4. Sprechstundenbedarf KV Baden-Württemberg
  5. Sprechstundenbedarf KV Hamburg
  6. Definition Sprechstundenbedarf: §2 des Hessischen Sprechstundenbedarf „Als Sprechstundenbedarf gelten nur die im Sachverzeichnis aufgeführten Mittel, die ihrer Art nach bei mehr als einem Versicherten angewendet werden oder bei Notfällen sowie im Zusammenhang mit einem ärztlichen Eingriff bei mehr als einem Patienten zur Verfügung stehen müssen.“
zuletzt aktualisiert am: 15.12.2020

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