Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert Medienvertreter direkt und aktuell über relevante Neuigkeiten rund um die ambulante Versorgung in Hessen – durch Pressemitteilungen und -konferenzen.

Notfallversorgung: Licht, aber auch Schatten

„Dass die Notfallversorgung in Deutschland reformiert werden muss, steht außer Frage. Deshalb begrüßen wir, dass Herr Spahn sich nun auch dieses Themas annimmt“, erklärte heute der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), Dr. Eckhard Starke, in Frankfurt. Neben Licht sieht er in Spahns Vorstellungen auch Schatten.

„Seine Vorstellungen beziehen sich in großen Teilen auf die Vorschläge des Sachverständigenrates aus dem vergangenen Jahr und haben deshalb natürlich Gewicht. Und selbstverständlich ist es richtig, dass wir gerade an der Schnittstelle ambulant/stationär die Sektorengrenzen überwinden müssen und tatsächlich so etwas wie ein neues Denken in diesem Bereich brauchen. Dies hat Prof. Gerlach, der Vorsitzende des Sachverständigenrates, zu Recht in der Rezeption der ersten Reaktionen auf Spahns Pläne angemahnt.

Trotzdem müssen die Pläne auch auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft werden dürfen. Und dort sehen wir gerade bei den Integrierten Notfallzentren (INZ), die an ausgewählten Kliniken eingerichtet und rund um die Uhr sowohl mit einem Klinikarzt als auch mit einem Arzt aus dem ambulanten Sektor besetzt werden sollen, massive Besetzungsprobleme auf die KVH als Mitbetreiber zukommen.

Denn angesichts des in Hessen bereits spürbaren Ärztemangels ist die Frage unbeantwortet, wo wir diese Ärzte denn hernehmen sollen. Käme es zu einer Verpflichtung unserer Mitglieder für diesen Dienst, hätte dieser erneute reglementierende Eingriff sicherlich zur Folge, dass noch mehr Ärzte an der Pensionsgrenze ihre Praxis eher früher als später aufgeben.“

Ein weiteres großes Problem sieht Starke darin, dass der Bundesgesundheitsminister mit seinen Plänen keine Rücksicht auf die unterschiedlichen Entwicklungsstufen und regionalen Bedarfe nimmt. „Gleiche und einheitliche Strukturen in der Notfallversorgung, das klingt erst einmal gut, lässt aber außer Acht, dass wir in Hessen mit den Strukturen im Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) schon deutlich weiter sind als viele andere Bundesländer.

Wir haben alle ÄBD-Zentralen an Kliniken angesiedelt, wir erproben seit fast zwei Jahren mit großem Erfolg eine neue Form der Zusammenarbeit am gemeinsamen Tresen in Frankfurt-Höchst, wir haben als erstes Bundesland Partnerpraxen für Kliniken eingerichtet und stehen in intensiven Vorbereitungen für ein regionales Projekt, in dem wir die Disposition im Rettungsdienst und die Verfügbarkeit von ambulanten Behandlungskapazitäten digital im Rahmen einer virtuellen Leitstelle vernetzen wollen.

Dies steht nun zur Disposition und wir sehen die Gefahr, dass wir diese wichtigen Errungenschaften in der Versorgung aufgrund einheitlicher Vorgaben verlieren könnten beziehungsweise gar nicht erst etablieren können. Dies wäre kein Fortschritt, sondern ein klarer Rückschritt in der hessischen Notfallversorgung.“

Auch bei der Frage, wie viele Patienten denn in den Integrierten Notfallzentren behandelt werden können, sieht Starke Probleme: „Es ist sehr wahrscheinlich, dass durch ein entsprechendes Marketing ein gewisser Run auf die INZ beginnen würde, vielleicht in der Größenordnung einer Verdreifachung des Patientenaufkommens. Schaut man sich nun an, dass die Kliniken schon heute an den Grenzen der Belastbarkeit angelangt sind, obwohl sie nur zehn Prozent der Patienten mit akuten Beschwerden versorgen, ist klar, wohin sich dies entwickeln dürfte: Die Zahl der Patienten wird stark zunehmen, ohne dass die räumlichen und personalbezogenen Ressourcen ausreichen. An dieser Stelle müssen wir fast froh darüber sein, dass Herr Spahn hier den Sicherstellungsauftrag bei den Bundesländern sieht – denn dies in den geplanten Strukturen zu bewältigen, wird sehr problematisch werden.“

zuletzt aktualisiert am: 25.07.2019

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