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Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert Medienvertreter direkt und aktuell über relevante Neuigkeiten rund um die ambulante Versorgung in Hessen – durch Pressemitteilungen und -konferenzen.

KVH lehnt Massenimpfung von Kindern und Jugendlichen ab

Die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) lehnt Massenimpfungen von Kindern und Jugendlichen gegen das Coronavirus entschieden ab. In einer am 29. Mai 2021 mit überwältigender Mehrheit verabschiedeten Resolution machten die Vertreter deutlich, dass gerade bei Kindern und Jugendlichen Nutzen und Risiko einer Impfung genau abzuwägen seien. Die Impfung von Erwachsenen habe nach wie vor höchste Priorität, auch Wünsche der Politik wie ein weitgehend normaler Schulbetrieb nach den Sommerferien sei dem Wohl der Kinder und Jugendlichen angesichts viel zu geringer Studiendaten unterzuordnen. Allenfalls bei schwer vorerkrankten oder chronisch kranken Kindern sei eine Impfung sinnvoll.

Die Resolution im Wortlaut: „Gesunde Kinder und Jugendliche haben nach bisher vorliegenden Studiendaten fast kein Risiko für schwere Verläufe durch Erkrankungen mit SARS-CoV-2. Selbst bei Vorerkrankungen ist das Risiko extrem niedrig. Zum Nutzen einer Impfung gibt es bisher keine validen Daten.

Dagegen sind die schweren Impf-Nebenwirkungen wesentlich häufiger als bei Erwachsenen. Deswegen sind COVID-19-Impfungen von Kindern und Jugendlichen allenfalls bei schweren Vorerkrankungen sinnvoll. Sofern Erwachsene mit hohem Komplikationsrisiko geschützt werden sollen, ist deren eigene Impfung sinnvoll und vorrangig. Reisewünsche sind nachrangig. Impfungen bei Kindern und Jugendlichen sollten deswegen erfolgen unter der Berücksichtigung von Nutzen und Risiken der COVID-Impfung (inkl. der noch unbekannten Langzeit-nebenwirkungen). Dabei sind die Sorgen und Ängste der Kinder und Eltern zu berücksichtigen.“

Begründung: Das Register der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) weist in Deutschland bis zum 9. Mai 2021 1.487 stationär wegen COVID-19 behandelte Kinder und Jugendliche aus. 74 von ihnen mussten intensivmedizinisch betreut werden, von diesen hatten jedoch 66 Prozent relevante Vor- oder Begleiterkrankungen. 0,3 Prozent der erfassten Kinder (also fünf) starben mutmaßlich an COVID-19. Die Deutsche Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin (DGKJ) weist in ihrem Positionspapier daher auf die „extreme Seltenheit eines schweren oder gar tödlichen Verlaufes von SARS-CoV-2 bei Kindern und Jugendlichen“ hin.

Das Robert Koch-Institut (RKI) fasst den aktuellen, in Details durchaus widersprüchlichen Forschungsstand zur Altersgruppe bis 15 Jahre zusammen: „Entgegen des Ausbreitungsprofils bei anderen Atemwegserregern scheint also im aktuellen pandemischen Geschehen keine substanzielle treibende Kraft von diesen Altersgruppen auszugehen“ und auch die DGPI schlussfolgert „Kinder in Gemeinschaftseinrichtungen nehmen am SARS-CoV-2-Infektionsgeschehen teil, sind aber selbst keine Treiber der Pandemie“.

Sowohl die kanadische als auch die US-amerikanische Zulassung (und auch der erfolgte Zulassungsantrag bei der EMA) beruhen auf den Daten einer noch nicht abgeschlossenen Phase III-Studie (C451001) an insgesamt 2.260 Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 15 Jahren.

Da in der Impfstoffgruppe dieser Studie keine COVID-19-Erkrankungen auftraten (in der Placebo-Gruppe aber durchaus), wird die Impfstoff-Wirksamkeit mit 100 Prozent berechnet (95 Prozent Konfidenzintervall 75,3 Prozent bis 100 Prozent).

Grundsätzlich findet sich in den Studienunterlagen ein qualitativ von Erwachsenen bekanntes Nebenwirkungsprofil mit einer Zunahme der Nebenwirkungen nach der zweiten Impfdosis (FDA). In den kanadischen Unterlagen werden jedoch bei bis zu 3,5 Prozent der Geimpften schwere systemische Nebenwirkungen berichtet (solicited severe systemic adverse reactions), dies läge deutlich über der Gesamthäufigkeit schwerer Nebenwirkungen, die die Ständige Impfkommission (STIKO) aus den Zulassungsstudien bei Erwachsenen (ab 16 Jahren) mit 0,6 Prozent angibt. Diese Zahlen beruhen allerdings nicht auf abgeschlossenen und publizierten Studien, sondern lediglich auf den Angaben der Zulassungsbehörden. Ein verlässlicheres Sicherheitsprofil werden erst größere und wissenschaftlich überprüfte Studien mit Kindern und Jugendlichen ermöglichen.

zuletzt aktualisiert am: 31.05.2021

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