Ein Mann bedient eine professionelle Kamera. Im Bildschirm der Kamera ist eine Pressekonferenz zu sehen. © Judith Scherer

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert Medienvertreter direkt und aktuell über relevante Neuigkeiten rund um die ambulante Versorgung in Hessen – durch Pressemitteilungen und -konferenzen.

KVH kritisiert GKV-Spitzenverband

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) kritisiert die aktuelle Kommunikation des GKV-Spitzenverbands scharf. Dieser positioniert sich rund um die Streichung der Neupatientenregelung im GKV-Finanzstabilisierungsgesetz und den Honorarabschluss eindeutig gegen die ambulante Versorgung. Insbesondere das fortwährende, schlichtweg auf konstruierten Wahrheiten basierende Bashing der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte durch den Sprecher des GKV-Spitzenverbands, Florian Lanz, ist aus Sicht der Vorstandsvorsitzenden der KVH, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, nicht länger hinnehm- und tragbar. Sie werfen Lanz vor, bewusst irreführende Angaben zum Honorar der Niedergelassenen zu streuen, um diese und ihre Protestaktionen in der Gesellschaft zu verunglimpfen und Sozialneid zu schüren. Allein aus diesem Grund werden sich am 30. November 2022 erneut viele hessische Praxen an den Protesten beteiligen.

Dastych und Dr. Starke unterstellen dem GKV-Spitzenverband, die aktuelle Diskussion um das Honorar der in der ambulanten Versorgung tätigen Haus- und Fachärztinnen und -ärzte und Psychotherapeuten und -therapeutinnen gezielt mit irreführenden Informationen zu führen und zu beeinflussen.

Demnach werde der GKV-Spitzenverband, vorrangig in Person seines Sprechers, nicht müde, seine irreführenden Behauptungen aufrechtzuerhalten und zu wiederholen. Lanz habe in der Sendung hessenschau im Hessischen Rundfunk erst kürzlich erneut behauptet, dass jede Praxis im kommenden Jahr durchschnittlich 11.000 Euro mehr Honorar bekommen würde. Darüber hinaus würden gestiegene Praxiskosten natürlich im Folgejahr ausgeglichen. „Herr Lanz verbreitet sowohl in den klassischen Medien wie auch über seinen Twitter-Account diese obskuren Aussagen zulasten der Niedergelassenen. Offenkundig wird hier versucht den Eindruck zu erwecken, diese 11.000 Euro seien der Honorargewinn der Praxisinhaber.

Sein andauerndes Bashing der niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen ist nicht nur unerträglich, sondern eines GKV-Spitzenverbands unwürdig. Wir fordern Herrn Lanz daher eindringlich auf, sich seriöse Quellen wie beispielsweise das Zi-Praxis-Panel (ZiPP) des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) anzusehen – auch wenn dann die Welt des Herrn Lanz wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde.

Denn sogar Herr Lanz müsste konstatieren, dass seine kolportierten 11.000 Euro mehr als doppelt so viel wie das tatsächlichen Honorarplus von rund 5.200 Euro pro Praxis sind. Da werden dann aus konstruierten Wahrheiten Fake-News. Herr Trump lässt grüßen. Im Übrigen dürften diese 5.200 Euro pro Jahr oder rund 460 Euro pro Monat pro Praxisinhaber für eine ganze Praxis wohl weniger sein, als der GKV-Pressesprecher in 2023 für seine Schmutzkampagne allein an Gehaltssteigerung mehr bekommt.

Selbst 11.000 Euro oder 917 Euro pro Monat und Praxis wären zudem nicht 11.000 Euro zusätzliches Arzteinkommen. Eine Summe übrigens, die nicht einmal ausreicht, um die Gehälter der Praxismitarbeitenden entsprechend der derzeitigen Gehaltsentwicklungen anzupassen. Ganz zu schweigen von den immens gestiegenen Energiekosten, mit denen die Praxen zu kämpfen haben. Dazu kommen noch gestiegene Finanzierungskosten und z. B. Mietsteigerungen. Das wissen auch Herr Lanz und der GKV-Spitzenverband ganz genau. Trotzdem fordert die GKV für 2023 und 2024 Nullrunden für die Praxen. So viel zu der Behauptung in der hessenschau, steigende Praxiskosten würden im Folgejahr selbstverständlich ausgeglichen. Und selbst wenn die Forderung in der aktuellen Gesetzgebung noch nicht berücksichtigt wurde, so können wir sicher davon ausgehen, dass die GKV nicht müde werden wird, diese Forderung weiter zu erheben.

Stattdessen sollte man lieber eine Erhöhung der Verwaltungskosten um maximal drei Prozent zulassen. Eine Deckelung, die in Anbetracht der Vergangenheit, in der die GKV den Verwaltungshaushalt offenbar als Selbstbedienungsladen mit teilweise horrenden Steigerungen von zehn, 20, im Einzelfall sogar 50 Prozent verstanden hat (Finanzielle Entwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung einschließlich der landwirtschaftlichen Krankenkasse – Lt. BMG), längst überfällig erscheint. Hier ist es sogar Zeit, auf eine konsequente Rückführung der Verwaltungskosten, die im Gegensatz zur KV-Welt von den Zwangsversicherten bezahlt wird, hinzuwirken. Ein Prozent entspricht in der GKV immerhin rund drei Milliarden Euro. Ein Mittelwert der aktuellen Verwaltungskosten pro Mitglied erscheint dabei mehr als angemessen: https://www.krankenkassen.de/krankenkassen-vergleich/statistik/finanzen/verwaltungskosten/.
Also, verehrter Gesetzgeber, wie wäre es, einmal da zu sparen, wo Geld zum Fenster hinausgeworfen wird und nicht an der Versorgung?


Kurzum: Wir denken, es ist mehr als deutlich und verständlich, warum die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen gegen das Gebaren der GKV protestieren und deshalb auch am 30. November erneut ihre Praxen schließen werden. Herrn Lanz möchten wir daher dringend raten, sich zukünftig mit der Verbreitung von alternativen Wahrheiten zurückzuhalten.“

Am 30. November findet der nächste landesweite Protesttag in der ambulanten Versorgung statt, an dem Praxen geschlossen bleiben, um gegen mangelnde Wertschätzung, inakzeptables Verhalten von Politik und Krankenkassen sowie fehlende Unterstützung in existenziell bedrohlichen Zeiten zu protestieren.

zuletzt aktualisiert am: 09.11.2022

Ansprechpartner

Karl Matthias Roth

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Stabsstelle Kommunikation
Pressesprecher

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-6995
karl.roth(at)kvhessen(.)de

Ansprechpartner

Alexander Kowalski

Kassenärztliche Vereinigung Hessen
Stabsstelle Kommunikation
stv. Pressesprecher

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