Ein Mann bedient eine professionelle Kamera. Im Bildschirm der Kamera ist eine Pressekonferenz zu sehen. © Judith Scherer

Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert Medienvertreter direkt und aktuell über relevante Neuigkeiten rund um die ambulante Versorgung in Hessen – durch Pressemitteilungen und -konferenzen.

Die KVH kritisiert Beratungsleistungen in Apotheken

Für die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) sind die am Wochenende bekannt gewordenen Rahmenbedingungen umfangreicher pharmazeutischer Beratungsleistungen in Apotheken absolut inakzeptabel. „Der Staat fördert mit geradezu grotesk hohen Honoraren ohnehin höchst fragwürdige Leistungen – und das angesichts eklatanter Finanzierungslücken, die für 2023 prognostiziert werden“, beklagten die Vorstandsvorsitzenden der KV Hessen, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, heute in Frankfurt.

„Offensichtlich erleben wir gerade die nächste Aufführung aus dem Tollhaus Gesundheitspolitik. Nun sollen also Apothekerinnen und Apotheker für Leistungen, für die Ihnen fachlich die Qualifikation fehlt, deutlich besser honoriert werden als die Ärztinnen und Ärzte, die dafür ein jahrelanges Studium zu absolvieren haben. Getreu dem Motto: ‘Wenn ich schon kein Geld habe, dann kann ich es auch zum Fenster hinauswerfen’ setzt die Politik ein weiteres Mal ein fatales Signal Richtung Ärzteschaft.

Denn stärker kann man die Missachtung eines gesamten Berufsstandes nicht dokumentieren. Neben den hausärztlichen Kolleginnen und Kollegen betrifft dies sowohl die grundversorgenden Fachärztinnen und Fachärzte als auch die der spezialfachärztlichen Versorgung, also zum Beispiel in der Onkologie. Und diese Beratungen finden dann noch über den Apothekentresen hinweg statt und werden damit das Gegenteil von datenschutzkonform sein.

Überhaupt erschließt sich uns der Sinn dieser Beratungen inhaltlich nicht. Denn aufgrund der fehlenden Qualifikation der Apotheken kann es ja eigentlich nur so ausgehen, dass die Patienten gerade zu dem Arzt vom Apotheker zurückgeschickt werden, der das Medikament aufgrund seiner vorhandenen Kompetenz vorher verordnet hatte. Mit absehbarem Ergebnis: Vertrauensverlust des Patienten in seine Behandlung und schlimmstenfalls nachhaltige Beschädigung der Compliance.

Interessant scheint uns hier auch die Rolle der Krankenkassen bzw. die des GKV-Spitzenverbandes. Denn gerade der ist unverdächtig, Geld zum Fenster herauszuschmeißen. Es kann also eigentlich nur darum gehen, dass die Kassen durch die Abgabe billiger und ggf. auch minderwertiger Arzneimittel viel Geld sparen wollen. Wir jedenfalls freuen uns bereits auf die Honorarverhandlungen mit den Kassen, in denen wir selbstverständlich genau diese Beratungsleistungen als zusätzliches Honorar für die niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen einfordern werden.

Nun alimentiert der Staat also erneut eine Berufsgruppe höchst großzügig, die bisher nicht durch finanzielle Bedürftigkeit aufgefallen ist. Denn schon um die Jahreswende 2020/21 hatte der damalige Gesundheitsminister Jens Spahn mit der grotesk hohen Honorierung der Ausgabe von FFP-2-Masken an Rentnerinnen und Rentner für ein ordentliches Zubrot in den Kassen der Apothekerschaft Seite 2 von 2 gesorgt. Schon damals machte das Wort von den sich dumm und dämlich verdienenden Apothekerinnen und Apothekern die Runde.

Das, was nun passiert, ist ein erneuter Skandal. Wie sollen wir unseren jungen Kolleginnen und Kollegen eine Niederlassung schmackhaft machen, wenn man so mit uns umgeht?“, fragen die Vorstandsvorsitzenden.

zuletzt aktualisiert am: 14.06.2022

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