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Jan Martens, Team Qualitäts- und ´Veranstaltungsmanagement

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Termine und Veranstaltungen

Versorgungskonferenz „Ländlicher Raum“

15.03.2018

Ein gelungener Start in die Zukunft der ambulanten Versorgung

Ein deutliches Signal ist gesetzt. Mit der ersten Versorgungskonferenz fiel in dieser Woche der Startschuss für die Diskussion um die zukünftige ambulante Versorgung in Hessen. Die KV Hessen hatte dazu verschiedene Vertreter aus dem Gesundheitswesen und der Politik eingeladen, um über die Gründe der prekären Versorgungssituation in vielen ländlichen Gebieten und mögliche Lösungsansätze zu beraten.

 

Versorgungskonferenz - Impressionen vom Vormittag

Den Impuls für die Veranstaltung hatte die KVH im Vorfeld selbst gegeben; mit ihrer Forderung nach einem "Aktionsbündnis für das ländliche Hessen". Ein solches Bündnis sei dringend notwendig, da die Kassenärztliche Vereinigung das Problem der Sicherung der ambulanten Versorgung - insbesondere in den ländlichen Regionen - heute nicht mehr allein bewältigen könne. Dafür verantwortlich seien vielfältige Einflussfaktoren, auf die die KV nur begrenzt Einfluss habe. Die Sicherstellung sei daher nur gemeinsam mit anderen Institutionen des Gesundheitswesens und der Politik möglich. "Die KV hat zwar den Sicherstellungsauftrag, diesen muss man jedoch im Kontext der gesellschaftlichen Gegebenheiten sehen. Aus unserer Sicht gibt es daher keinen isolierten Sicherstellungsauftrag. Es braucht Strukturen und Rahmenbedingungen, die wir nur gemeinsam schaffen können", sagte Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der KVH. Man habe daher zwölf Schwerpunkte bzw. Forderungen (siehe Pressemitteilung) formuliert, mit denen man sich im Aktionsbündnis befassen wolle.

Vor allem die Infrastruktur und Standortattraktivität im ländlichen Bereich und die damit verbundene Verantwortung der Länder und Kommunen sowie die Rolle der Kliniken bei der ambulanten Versorgung, aber auch die Zahl der Studienplätze für Medizin, die Schwerpunkte im Studium und die Vorstellungen des Medizinernachwuchses stehen dabei im Fokus.

So stellte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), heraus, dass die Probleme in der ambulanten Versorgung nicht nur der Selbstverwaltung anzulasten seien. "Es müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen." Damit stimmte er Frank Dastych zu. Auch Thomas Czihal, stellvertretender Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI), bestätigte: "Die Attraktivität des Standortes ist ein entscheidender Faktor. Ein Blick auf die derzeitige Infrastruktur zeige, dass viele Regionen sowohl für eine Praxis als auch für eine Familie nicht attraktiv seien. So gäbe es beispielsweise derzeit in nur einem Drittel der Regionen ausreichend schnelles Internet für die Telemedizin. Dass an dieser Stelle die Kommunen gefordert sind, weiß auch Prof. Dr. Jan Hilligardt, Geschäftsführer Hessischer Landkreistag. Er sieht den Aufbau der Infrastruktur und den Ausbau kommunaler Medizinischer Versorgungszentren (MVZ) als wichtigste Aufgaben der Kommunen. Allerdings, so Prof. Dr. Hilligardt, sei auch die KV in der Pflicht, Ärzte für den ländlichen Bereich zu gewinnen. Es sei ein gemeinsamer Weg.

Ein weiterer Schwerpunkt: die ambulante Versorgung in den Kliniken. Laut Dr. Hofmeister finden zu viele ambulante Behandlungen, die eigentlich im Sockel der Versorgungspyramide stattfinden sollten, im Krankenhaus statt, also in der Spitze der Pyramide. Es müsse jedoch weiterhin gelten: ambulant vor stationär. Das sehe auch der designierte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn so. Dessen Haltung, die Selbstverwaltung sei der Grundpfeiler der Versorgung, werde von der KBV unterstützt. Sein Ansatz: Man muss die Versorgung neu denken. Ambulante Versorgungszentren könnten (ineffiziente) Kliniken ersetzen, die Kosten von den Kassenärztlichen Vereinigungen getragen werden. Das sei mit dem neuen Koalitionsvertrag nun erstmals möglich.

Für Jochen Metzner, Referatsleiter Krankenhausversorgung beim HMSI, muss bei allen Überlegungen die flächendeckende Versorgung gewährleistet sein. Eine Umwandlung von Kliniken hält er nicht nur für möglich, sondern an vielen Stellen auch für sinnvoll. Zum Aktionsbündnis sagt er: "Wir müssen nicht nur alle an einem Strang ziehen, sondern auch in die gleiche Richtung."

Versorgungskonferenz - Impressionen vom Nachmittag

Frank Dastych sieht die Situation kritischer: Es seien einfach zu viele Krankenhäuser für die ambulante Versorgung geöffnet. Außerdem seien in Deutschland erstmals mehr Ärzte in Kliniken als in der ambulanten Versorgung tätig. Und das bei deutschlandweit über 2.500 freien Arztsitzen. "In der ambulanten Versorgung gibt es zu wenige Ärzte. Vielleicht müssen wir daher einfach einmal über die falsche Verteilung der Ressource Arzt sprechen", so der Vorstand der KV. Eine Fehlverteilung sieht auch Dr. Ralf-Norbert Bartelt, CDU. Für ihn steht allerdings fest: „Es gibt genug Ärzte in der ambulanten Versorgung, sie sind aber zugunsten der Städte falsch verteilt.“ Sein kontrovers diskutierter Vorschlag: „Dann müssen eben in überversorgten städtischen Gebieten auch einmal Arztsitze geschlossen werden.“

Einig war man sich bei der fehlenden Attraktivität im ländlichen Bereich. Diese betrifft vor allem den ärztlichen Nachwuchs. So zeigen regelmäßige Umfragen der Landesärztekammer Hessen (LÄKH), vorgestellt von Nina Walter, Leiterin der Stabsstelle Qualitäts- und Versorgungsmanagement und Gesundheitsökonomie der LÄKH: die Lebensqualität spielt für junge Ärzte neben der Work-Life-Balance und der Bezahlung eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Arbeitsortes. Damit bestätigte sie Dr. Eckhard Starke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KVH, der darauf hingewiesen hatte, gemeinsam das Augenmerk darauf zu richten, was die Bedingungen für junge Ärzte verbessert. „Dazu gehört beispielsweise auch eine gute Bildungsinfrastruktur. Es gibt in ländlichen Gebieten oftmals zu wenige Schulen, sodass viele Kinder einen langen Schulweg haben.“, gab Marjana Schott, Die LINKE, zu bedenken. Für Ärzte seien auch solche Faktoren entscheidend bei der Wahl des Standortes. Und bei der Standortwahl für die Menschen sei natürlich auch entscheidend, dass sie in Zukunft auf dem Land weiter durch Ärzte versorgt werden.

In der abschließenden Podiumsdiskussion brachte Frank Dastych das Problem noch einmal auf den Punkt: Nachwuchsärzte gehen nicht von alleine in die ländlichen Regionen. Es brauche daher dringend einen erneuerten Hessischen Pakt, ergänzt um die zwölf Schwerpunkte der KV. Marcus Bocklet, BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, dazu: "Wir müssen jede Schraube drehen, die uns in die Hände kommt. Einige der Forderungen der KV teile ich, über andere müssen wir diskutieren. Das Aktionsbündnis ist daher durchaus sinnvoll. Für René Rock, FDP, ist es höchste Zeit zu handeln. Er wies darauf hin, dass alles, was zum Beispiel beim Medizinstudium getan würde, sich erst in einer halben Generation auswirke. Deshalb sei es richtig, dass die KV jetzt den Impuls zum Handeln gegeben hätte. Auch Dr. Daniela Sommer, SPD, sieht Handlungsbedarf. Sie wies auf die Wichtigkeit ausreichender Daten hin, denn, „Daten sind die Grundlage, wenn wir auch in Zukunft in Sachen medizinischer Versorgung gut aufgestellt sein wollen.“ Als positives Beispiel nannte sie die Publikation „FOKUS: GESUNDHEIT“ der KVH.  Frank Dastych nahm die offene Diskussion als Motivation für weitere Gespräche. Denn: Das Herz der KV schlage in den Praxen - und es müsse vor allem in den ländlichen Gebieten weiter schlagen.


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