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Liebe Journalisten, wer gehört werden will, muss sein Gegenüber kennen. Wir verstehen uns als Kommunikations-Manager. Mitglieder erwarten von uns andere Informationen als Kollegen oder Medienvertreter. Daher schreiben wir zielgruppengerecht in „Auf den Punkt“, für die interne Kommunikation oder für Tageszeitungen und andere Medien.

Petra Bendrich,
Kommunikation,
stellv. Pressesprecherin

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Pressemeldungen 2018

Ein Gesundheitswesen ohne Balance

10.04.2018

KV Hessen beklagt ordnungspolitische Inkonsequenz des Koalitionsvertrages

Frankfurt – Mit deutlicher Kritik haben die Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, heute den Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung in Berlin kommentiert. Beide äußerten sich anlässlich der ersten KV-Pressekonferenz des Jahres in Frankfurt.

„Wir sind beunruhigt und gleichzeitig entsetzt, dass die Politik offensichtlich jeden ordnungspolitischen Anspruch in der Gesundheitsversorgung aufgegeben zu haben scheint. Denn anstatt auf die offensichtlichen Ressourcenprobleme bei Ärzten und Psychotherapeuten endlich mit einer sinnvollen Steuerung der Patientenströme zu reagieren, lautet die Antwort der Politik schlicht: Weiter so und mehr davon! Garniert wird dies mit einer Verlängerung der Mindestsprechzeiten pro Woche und dem mehr oder weniger unverhohlenen Vorwurf in Richtung unserer Berufsgruppen, wir müssten nur ein bisschen mehr arbeiten, um alle Versorgungsprobleme zu lösen. Was wir in der Gesundheitspolitik derzeit dringend brauchen, ist Ehrlichkeit. Ja, wir haben nach wie vor ein herausragendes Gesundheitswesen in Deutschland. Aber dieses Gesundheitswesen ist aus der Balance geraten, weil die verantwortlichen Politiker offenbar glauben, sie könnten dieses System immer weiter ausquetschen. Doch wenn wir an dieser Stelle nicht sofort umsteuern, wird sich leider nur allzu schnell zeigen, wie falsch dieser Ansatz ist. Ärzte und Psychotherapeuten werden sich diesem System der Selbstausbeutung über kurz oder lang entziehen und sei es nur deshalb, weil sie altersbedingt ausscheiden. Be-reits in zehn Jahren werden uns die teilweise erheblichen Versorgungslücken von heute wie ein paradiesisches Geplänkel vorkommen angesichts der gravierenden Engpässe, die es dann geben wird. Wer die Entwicklung einfach so laufen lässt, wie dies die Politik gerade tut und – viel schlimmer – sogar den Fehler der Terminservicestellen noch weiter ausbaut, indem diese nun auch noch Kinderarzt- und Hausarzttermine vermitteln sollen, offenbart seine strukturelle Ratlosigkeit. Die angebliche Zweiklassenmedizin wird dabei zum populistischen Popanz, mit dem die eigentliche Problematik übertüncht werden soll. Niemand käme auf die Idee, auf die Beobachtung immerwährender Geschwindigkeitsüberschreitungen vor Schulen die dort geltenden Tempolimits außer Kraft zu setzen. Die Gesellschaft würde vielmehr vom Staat erwarten, dass er die Einhaltung dieser Regeln notfalls mit verschärften Sanktionen überwacht und so den Schutz der Kinder auf dem Schulweg gewährleistet. Das genaue Gegenteil ereignet sich derzeit auf dem Feld der Gesundheitsversorgung. Weil bei einem kleinen Teil der Bürgerinnen und Bürger offensichtlich die notwendige Kompetenz zur Einschätzung von Gesundheit abhandengekommen ist, lässt der Staat eine Aufweichung von ambulantem und stationärem Sektor immer mehr zu, anstatt dringend notwendige Steuerungen vorzunehmen. Dafür bezahlt nun die Mehrheit der Menschen, weil damit die Versorgung insgesamt schlechter wird. Anstatt anzuerkennen, dass im Schnitt bis zu 18 Arztbesuche pro Versichertem und Jahr das System an seine Belastungsgrenze und darüber hinaus gebracht haben und es auch hier dringend einer Steuerung bedarf, bleibt alles unangetastet. Das kann und wird nicht gut gehen.“

Wie leistungsfähig das ambulante System allein in Hessen ist, konnten Dastych und Starke anhand beeindruckender Kennzahlen belegen. Im Jahr 2016 versorgten die mehr als 12.500 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten mehr als 241.000 Patienten täglich, was in Summe 48 Millionen Behandlungsfälle mit über 88 Millionen Patientenkontakten bedeutet.

„Wir brauchen dringend mehr Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung. Das kann nur durch mehr Studienplätze gelingen, dafür muss der Staat endlich sorgen. Eine Neuausrichtung der Bedarfsplanung wird uns nur wenig bringen, denn sie führt nicht zu einem zusätzlichen Arzt oder Psychotherapeuten. Und wir brauchen den Mut des Staates bzw. der Politik, dass er seinen Bürgern zumutet, Gesundheitsversorgung zu steuern und ggf. auch mit Zuzahlungen zu belegen. Nur dann ist eine sinnvolle Steuerung ärztlicher und psychotherapeutischer Ressourcen für eine hochwertige Patientenversorgung auch in Zukunft möglich. Wie schnell Systeme, die an der Grenze ihrer Belastbarkeit stehen, kippen, sehen wir aktuell beim National Health Service, der Gesundheitsversorgung in Großbritannien.“

Hinweis an die Redaktionen:

Bei Fragen und Interviewwünschen wenden Sie sich an die Abteilung Kommunikation der KV Hessen, Karl Matthias Roth, Telefon 069 24741-6995, Petra Bendrich, Telefon 069 24741-6988, Telefax 069 24741-68818, E-Mail: presse(at)kvhessen.LÖSCHEN.de.


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