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Liebe Journalisten, wer gehört werden will, muss sein Gegenüber kennen. Wir verstehen uns als Kommunikations-Manager. Mitglieder erwarten von uns andere Informationen als Kollegen oder Medienvertreter. Daher schreiben wir zielgruppengerecht in „Auf den Punkt“, für die interne Kommunikation oder für Tageszeitungen und andere Medien.

Petra Bendrich,
Kommunikation,
stellv. Pressesprecherin

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Pressemeldungen 2018

„Völlig praxis- und realitätsfern!“ - KV Hessen übt scharfe Kritik an Spahns Plänen

24.07.2018

Frankfurt, 24.07.2018 – Mit scharfer Kritik haben die beiden Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke, heute in Frankfurt auf den gestern vorgestellten Referentenentwurf für ein „Gesetz für schnellere Termine und bessere Versorgung“ reagiert: „Der Entwurf zeigt in erschreckender Weise, wie sehr sich die Gesundheitspolitik – und an deren Spitze wohl Herr Spahn – von der Versorgung entfernt hat. Dies ist auch nicht mehr mit einem Verweis auf im Koalitionsvertrag vereinbarte Dinge zu erklären, wie wir das in der letzten Legislatur immer wieder hören mussten. Dieser Entwurf ist völlig praxis- und realitätsfern!“

„Herr Spahn scheint sich nachhaltig von der Lage in der ambulanten Versorgung abgekoppelt zu haben. Es liegt doch völlig auf der Hand, dass bei einem immer stärker zunehmenden Bedarf nach ärztlichen Leistungen entweder die Zahl der Ärzte massiv gesteigert werden müsste, oder der Bedarf bzw. der Anspruch der Patienten so gesteuert gehört, dass er besser zu der zur Verfügung stehenden Menge an Ärzten und deren Arbeitsvermögen passt. Da eine Steigerung der Arztzahlen angesichts zu geringer Absolventenzahlen mittelfristig illusorisch ist, bliebe eigentlich nur die Steuerung der Patienten als sinnvolle Option. Herrn Spahns Antwort lautet hingegen: Die, die ohnehin schon jetzt viel zu viel arbeiten, sollen nun noch etwas mehr an Arbeit draufpacken. Wir strafen damit jetzt die, die schon am Anschlag sind. Landärzte und Kollegen, die aus unterschiedlichen regionalen Gründen eine große Versorgerpraxis haben. Wir haben definitiv in Deutschland zu wenig Ärzte, zumindest in Relation zum Bedarf – darüber kein Wort von Herrn Spahn. Wir haben definitiv eine wachsende Unsicherheit der Menschen, mit leichten Befindungsstörungen umzugehen, verbunden mit einer zu hohen Anspruchshaltung. Kein Wort dazu von Herrn Spahn.

Noch haben wir einen freien Arztberuf und sprechen von Selbstständigkeit. Die KV kann nicht Arztpraxen in der weiten Peripherie darin überwachen, ob die Praxisinhaber zusätzlich zur 50-60 Stunden-Tätigkeit noch spät abends oder am Wochenende ihre Praxis aufmachen. Soll dann vielleicht eine offizielle Krankschreibung durch den MDK erfolgen, wenn der eine oder andere Kollege am Ende seiner Kräfte ist? Wenn Herr Spahn eine staatliche Gesundheitsversorgung möchte, soll er das klar sagen und es nicht an die Körperschaften delegieren.

Ein einfaches Bild zeigt sehr gut, wie wenig fundiert die Ideen aus dem Ministerium sind: Man stelle sich vor, man kommt im Supermarkt mit seinem vollen Einkaufswagen zu den Kassen. Lange Schlangen davor. Nur zwei Kassen haben geöffnet. Da fordert Minister Spahn nun, dass die Kassierer schneller arbeiten statt dafür zu sorgen, dass eine dritte Kasse mit einem weiteren Kassierer öffnet. Dieses Gesetz sorgt für überfüllte Praxen. Der Arzt wird dadurch zum Akkordarbeiter am Patienten. Das bedeutet: Weniger Zeit für jeden einzelnen Patienten und Beschränkung auf das notwendigste an Behandlung. Hingegen keine Zeit mehr für Erklärungen und Gespräch. Das würden wir uns weder als Fach- noch als Hausarzt wünschen. Die ausschließliche Orientierung am Patientenwillen ist ein Irrweg. Wer sich weiterhin und konsequent weigert, unpopuläre aber dringend notwendige Steuerungen endlich anzugehen, wird sich irgendwann fragen lassen müssen, welchen Anteil er am Zusammenbruch eines eigentlich funktionierenden Systems gehabt hat.“

Hinweis an die Redaktionen:

Bei Fragen und Interviewwünschen wenden Sie sich an die Abteilung Kommunikation der KV Hessen, Karl Matthias Roth, Telefon 069 24741-6995, Petra Bendrich, Telefon 069 24741-6988, Telefax 069 24741-68818, E-Mail: presse(at)kvhessen.LÖSCHEN.de.


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