Disease-Management-Programme (DMP), auch „Chronikerprogramme“ genannt, sind strukturierte Behandlungsprogramme, die chronisch Erkrankten dabei helfen sollen, ihre Beschwerden in den Griff zu bekommen, die Lebensqualität zu verbessern und zu erhalten.

Disease-Management-Programme (DMP)

Ziel der DMP ist es, die ärztliche Behandlung langfristig zu verbessern – unter anderem auch, indem sie die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachleuten und Einrichtungen verbessern, etwa zwischen Allgemein- und Fachärzten, Kliniken sowie Reha-Einrichtungen. DMP sehen regelmäßige Praxisbesuche mit Beratungsgesprächen vor; darüber hinaus erhalten Patienten ausführliche Informationen, unter anderem durch Schulungen. Die Behandlungsschritte sind aufeinander abgestimmt, um unnötige Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Praxen, die eine Behandlung im Rahmen dieser Programme anbieten, müssen bestimmte Voraussetzungen und Qualitätsanforderungen erfüllen. Das DMP-Praxismanual erläutert medizinische Inhalte, Versorgungsschritte und den organisatorisch-administrativen Rahmen.

DMP werden in Deutschland seit 2002 von den gesetzlichen Krankenkassen in Zusammenarbeit mit Ärzten angeboten, derzeit gibt es sie für Menschen mit folgenden chronischen Erkrankungen (Liste der teilnehmenden Betriebskrankenkassen):

  • Asthma bronchiale (Asthma)
  • Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • Diabetes mellitus Typ 1 (DM1)
  • Diabetes mellitus Typ 2 (DM2)
  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Brustkrebs (Ansprechpartner Kopfstelle DMP Brustkrebs in Hessen)

Sonderregelungen wegen der Corona-Pandemie

Wegen der Corona-Pandemie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Ausnahmeregelung bei der Dokumentationspflicht und Teilnahme an Patientenschulungen beschlossen und in die DMP-Anforderungen-Richtlinie aufgenommen.

Der G-BA hat die DMP-Dokumentationspflicht für das erste bis vierte Quartal 2020 ausgesetzt. Für Patienten kann die Teilnahme an den Schulungen vom ersten bis vierten Quartal 2020 ausgesetzt werden. Zusätzlich hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) zusammen mit den Krankenkassen/-verbänden in Hessen entschieden, dass die vertraglich vereinbarten DMP-Schulungen per Videosprechstunde durchgeführt werden können.

DMP-Dokumentationen und Schulungen können weiterhin von den Praxen erbracht werden. Wird das Risiko einer persönlichen Konsultation aber als zu hoch eingeschätzt, werden die Versicherten bei fehlenden Dokumentationen beziehungsweise Schulungsteilnahmen nicht aus dem DMP ausgeschrieben.

Die quartalsbezogene Dokumentation ist temporär nicht erforderlich, wenn Patienten wegen des Risikos einer Ansteckung mit COVID-19 nicht untersucht werden können und der Arzt  die Leistung auch nicht per Videosprechstunde erbringen kann. Bei Videosprechstunden muss der Arzt für die Dokumentation die empfohlenen Mindestintervalle für klinische Untersuchungen und Laborkontrollen weiterhin berücksichtigen. Ob im DMP empfohlene klinische oder Laboruntersuchungen wegen der COVID-19-Pandemie im Einzelfall verschoben werden sollen, entscheidet der Arzt. Laborkontrollen im Rahmen von Hausbesuchen sind ebenfalls möglich, auch durch entsprechend qualifizierte nichtärztliche Praxisassistenten (NäPa).

Die KVH hat die am DMP teilnehmenden Ärzte mit einem Rundschreiben zu den Ausnahmeregelungen sowie speziellen Hinweisen zur Abrechnung über die Ausnahmeregelungen informiert.

Als Praxis DMP anbieten

Strukturverträge abschließen: In Hessen können Praxen für verschiedene DMP Verträge mit Krankenkassen abschließen. Die KVH ist Vertragspartner für die DMP KHK, Diabetes mellitus Typ I und Typ II sowie Asthma und COPD, für die es eine Fülle an Informationen gibt, die Sie in unserer Vertragsübersicht einsehen können (filtern nach DMP). Für das DMP Brustkrebs ist die KVH kein Vertragspartner. Nähere Informationen finden Sie auf der Seite Brustkrebs (DMP).

Ärzte, die an einem Disease-Management-Programm teilnehmen, müssen pro DMP (Asthma bronchiale, COPD, KHK, Diabetes mellitus Typ 1, Diabetes mellitus Typ 2) mindestens einmal jährlich an einer anerkannten Fortbildungsveranstaltung oder einem anerkannten Qualitätszirkel mit einem dem jeweiligen DMP entsprechenden Thema teilnehmen. Nehmen Ärzte an mehreren Programmen teil, müssen sie jährlich nur eine anerkannte Fortbildung nachweisen, sofern die inhaltliche Ausrichtung alle betreffenden Indikationsbereiche berührt. Ebenfalls anerkannt wird eine Ausbildung zum Schulungsarzt für ein anerkanntes DMP-Schulungsprogramm.

Die Fortbildungsveranstaltungen müssen den von der Gemeinsamen Einrichtung aufgestellten Grundsätzen zur Anerkennung von Fortbildungsveranstaltungen in den Disease-Management-Programmen entsprechen.

Bitte denken Sie daran, sich rechtzeitig um eine entsprechende Fortbildung zu kümmern. Veranstalter solcher Fortbildungen sind u.a. Ärztenetze, Praxisnetze, Fachvereinigungen und Verbände. Wir empfehlen Ihnen, sich vor Besuch einer Fortbildung vom Veranstalter die DMP-Anerkennung für Hessen bestätigen zu lassen.

Die Teilnahme an anerkannten Qualitätszirkeln in Hessen kann auch als Fortbildung anerkannt werden. Von Pharmafirmen angebotene, unterstützte oder organisierte Fortbildungen werden nicht anerkannt.

Die Gemeinsamen Einrichtungen für die DMPs in Hessen haben sich auf Grundsätze für die Anerkennung von Fortbildungsveranstaltungen im Rahmen der strukturierten Behandlungsprogramme KHK, Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, Asthma bronchiale und COPD verständigt. Sie folgen damit einer Vorgabe der abgeschlossenen DMP-Verträge in Hessen. Diese sehen vor, dass jeder teilnehmende Arzt einmal pro Jahr eine anerkannte DMP-spezifische Fortbildung nachweisen muss. Für Fortbildungsangebote kommerzieller Anbieter wurden Voraussetzungen festgelegt, deren Vorliegen vom Veranstalter vor Erteilung einer Anerkennung verbindlich bestätigt werden muss. Fortbildungsveranstaltungen, die von Pharmafirmen angeboten, unterstützt oder organisiert werden, sind nicht anerkennungsfähig.

Für alle hessischen DMPs, mit Ausnahme des DMP Brustkrebs, übernimmt das Team Mitgliederservice Sonderverträge bei der KVH die organisatorische Abwicklung der Anerkennung. Wir bitten Veranstalter, die eine Fortbildungsveranstaltung für DMP anerkennen lassen möchten, den Antrag auf Anerkennung einer DMP-Fortbildung inklusive aller Unterlagen über das Programm der Veranstaltung bei uns einzureichen.

zuletzt aktualisiert am: 19.10.2020

Patienten schulen

Praxen, die DMP anbieten, müssen ihre Patienten von qualifiziertem Personal schulen lassen. Dafür benötigen sie eine Genehmigung der KVH.

Ansprechpartner

Mitgliederservice Sonderverträge

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7580
Fax 069 24741-68805
mitgliederservice.sondervertraege(at)kvhessen(.)de

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