Coronavirus: Jens Spahn wendet sich an Ärzte in Deutschland

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich am 20. März 2020 mit einem Schreiben an niedergelassene Ärzte in Deutschland gewandt:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

die Corona-Pandemie stellt Deutschland und unser Gesundheitswesen vor selten dagewesene Herausforderungen. Bereits jetzt lässt sich feststellen, dass keine Virusinfektion in den letzten 100 Jahren ähnliche gesundheitliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen hatte. Das Gesundheitssystem im ambulanten und stationären Bereich erlebt eine zentrale Belastungsprobe.

Sie als niedergelassene Ärztinnen und Ärzte bilden den ersten Schutzwall, den unser Gesundheitssystem im Kampf gegen das Virus aufbietet. Ihr Engagement und Ihre Bereitschaft, den Arztberuf mit Leidenschaft auszuüben, machen es möglich, die Pandemie in geordneten Bahnen zu begleiten und den stationären Sektor vor einer über das Maß des Notwendigen hinausgehende Inanspruchnahme mit Patienten zu schützen.

Nur durch Ihren Einsatz können wir es schaffen, die Pandemie so zu verlangsamen, dass wir gezielt die vulnerablen Gruppen in den Blick nehmen können. Ich weiß sehr genau, dass Sie täglich gezwungen sind, persönliche Belange hinten an zu stellen, kreative Lösungen für den beruflichen Alltag zu finden, mit dem Mangel an Material und Personal klar zu kommen und Patientinnen und Patienten zu beruhigen. Vielen herzlichen Dank für diesen außergewöhnlichen Einsatz.

Zu den besonderen Herausforderungen gehört auch, mit der Gefahr der eigenen Infizierung und der Gefährdung Ihrer Angestellten und Mitarbeiter umzugehen. Die laufende Behandlung von Kranken aufrechtzuerhalten und gleichzeitig möglicherweise COVID-19-infizierte Menschen unter größtmöglicher Vermeidung weiterer Infizierungen zu versorgen, ist eine große Herausforderung. Hinzu kommt die Verbringung schwer und schwersterkrankter Patienten in die geeignete stationäre Versorgung. Das alles ist und bleibt von zentraler Bedeutung. Deswegen wollen wir den Auf- und Ausbau von zentralen Covid-19-Ambulanzen („Fieberambulanzen") finanziell fördern.

Für Ihre tägliche Arbeit ist eine sachgerechte Ausstattung notwendig. Nur so können Sie Ihre wichtige Arbeit ausüben. Daher habe ich mich persönlich in das Verfahren zur Beschaffung von Schutzausrüstung eingebracht. Eine erste Auslieferung von Schutzausrüstung an Ihre KV ist bereits erfolgt, weitere Lieferungen insbesondere die der dringend benötigten Schutzmasken folgen unmittelbar und in mehreren Tranchen. Die KV wird - da näher am Geschehen - die sachgerechte Verteilung an die Praxen übernehmen. Das Bundesministerium für Gesundheit wird zudem mögliche Erleichterungen für den Praxisablauf in den Blick nehmen. Die Möglichkeit, eine AU auch nach telefonischer Anamnese für 14 Tage ausstellen zu können, oder die erweiterten Angebote zur Online-Sprechstunden sind erste Beispiele.

Die KBV und die KVen leisten mit 116117 in dieser Zeit ein wichtiges und von den Bürgerinnen und Bürgern bemerkenswert intensiv genutztes Informationsangebot rund um Corona. Auch dafür bin ich namens der ganzen Bundesregierung sehr dankbar. Wir werden der Vertragsärzteschaft die dadurch entstehenden Kosten erstatten.

Wir werden außerdem gemeinsam mit der KBV gesetzliche Maßnahmen prüfen, um die Nachteile, die aufgrund eines durch COVID-19 eingeschränkten Praxisbetriebes entstehen, auszugleichen. Mein Ziel ist es, hierzu zeitnah konkrete Vorschläge zu machen.

In dieser für unser Land so schwierigen Lage bitte ich Sie um Ihr Vertrauen und Ihre Mithilfe.

Mit freundlichen Grüßen

Jens Spahn
Bundesminister“

zuletzt aktualisiert am: 23.03.2020

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