Die Coronavirus-Testverordnung (TestV), ehemals Rechtsverordnung (RVO), gilt seit dem 15. Oktober 2020. Dazu hat das Bundesgesundheitsministerium inzwischen mehrere Neuerungen beschlossen. Aktuelle Änderungen betreffen die Suche nach Mutationen, das Recht auf wöchentliche kostenfreie Bürgertests und die Abrechnung der Bestätigungsdiagnostik.

Coronavirus: RVO mit neuer nationaler Teststrategie

Am 15. Oktober 2020 ist die „Dritte Verordnung zur Änderung der Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“ in Kraft getreten. Beschlossen hat die Rechtsverordnung (RVO) ( jetzt: Corona-Testverordnung,TestV) das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Auf der Website des BMG steht neben der RVO auch eine Grafik zur Teststrategie zum Download zur Verfügung.

Seit dem 8. März 2021 können Arztpraxen Bürgertestungen mittels PoC-Tests durchführen. Die Abstrichentnahme und die Sachkosten für die PoC-Tests rechnen sie dabei wie bisher ab. Neu ist, dass Ärzte die Bestätigungsdiagnostik mittels PCR-Test nach einem positiven PoC-Test ebenfalls über die TestV abrechnen. In diesen Fällen können sie die Abstrichentnahme zweimal abrechnen. Neu ist zudem, dass auch Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sich und ihr Praxispersonal testen dürfen.

Seit dem 25. Januar 2021 können Ärzte auch eine Mutationssuche nach bekannten Mutationen (Typisierung/ Target-PCR) bei einem PCR-Test mitveranlassen oder auch nachgelagert veranlassen. Dazu wurde die Coronavirus-Testverordnung (TestV) erneut geändert. Informationen, wie genau die Veranlassung in Hessen in diesen Fällen funktioniert, erfahren Ärzte auf dieser Seite. Für Labore hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) wichtige Informationen zur Laborabrechnung zusammengefasst.

Seit dem 2. Dezember 2020 gibt es eine Vergütung von fünf Euro für das ärztliche Gespräch bei potentiellen Kontaktpersonen, wenn dieses nicht mit einer Abstrichentnahme endet. Hierfür rechnen Ärzte die Pseudo-GOP 88313 ab.

Die RVO (neu: Testverordnung – TestV) legt fest, wann Ärzte PCR-Tests und wann Antigen-Schnelltests – Point-of-Care-Tests (PoC-Test) – bei asymptomatischen Patienten durchführen können. Neu ist zudem, dass nicht nur Vertragsärzte und Labore, sondern auch Nichtmitglieder wie der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD), Pflegeheime, Reha-Einrichtungen und Vertragszahnärzte über die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) bei der TestV abrechnen.

Labore rechnen im Rahmen TestV (ehemals RVO) monatlich über die KVH ab.

Neu: Für die Abrechnung der Leistungen, die Vertragsärzte im Rahmen der TestV erbringen, stehen jetzt die Abrechnungsgrundlagen fest. Ärzte rechnen die Leistungen zur TestV nur bei asymptomatischen Patienten ab. Leistungen und Abstriche für Patienten mit Corona-Symptomen rechnen sie weiterhin wie gewohnt über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ab.

Pseudo GOPLeistungsinhaltKurzbeschreibungVergütung
88310TestV AbstrichGespräch, Entnahme und Zeugnisausstellung für Kontaktperson15 Euro
88311TestV SchulungÄrztliche Schulung zur Anwendung und Auswertung von PoC-Antigen-Tests in nichtärztlich geführten Einrichtungen (§ 12 Abs. 2 TestV) für patientennahen PoC-Antigen-Test70 Euro
88312TestV PoC-Antigen-Test entstandene SachkostenVergütung von Sachkosten für PoC-Antigen-Tests in Höhe der entstandenen Beschaffungskosten (§ 11 TestV)

9 Euro
ab dem 1.4.2021:

6 Euro

88313

TestV Gespräch ohne Abstrich bei § 2 TestV

Gespräch im Rahmen TestV ohne anschließende Abstrichentnahme

5 Euro

Klargestellt: Anders als zunächst vorgesehen, rechnen Ärzte für die Abstrichentnahme unabhängig von den unterschiedlich definierten Anlässen in der TestV die Pseudo-GOP 88310 ab. Zur späteren Nachvollziehbarkeit und für die Dokumentationspflicht empfiehlt die KVH den Grund der Testung im Praxisverwaltungssystem (PVS) zu vermerken.

Anlassbezogen können die Tests

  • bei Kontaktpersonen,
  • bei Personen nach Auftreten von Infektionen in Einrichtungen und Unternehmen,
  • bei Personen zur Verhütung der Verbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 bei Patienten, die in Einrichtungen behandelt, betreut, gepflegt oder untergebracht werden sollen

für jeden Einzelfall einmal pro Person wiederholt werden, das heißt, sofern ein Anlass vorliegt, kann im Bedarfsfall eine Testwiederholung auf diesen Anlass hin bezogen erfolgen.

Seit dem 8. März 2021 können Arztpraxen nach der TestV Bürgertestungen mittels POC-Tests durchführen. Hierfür rechnen sie die Abstrichentnahme und die PoC-Sachkosten ab. Bürger haben ein Recht auf eine Testung mindestens einmal je Woche. Eine Verpflichtung für Arztpraxen, die Testungen nach TestV durchzuführen, gibt es allerdings nicht. 

Testungen in Schulen, Kitas und Unternehmen können Ärzte nicht im Rahmen der Bürgertestung durchführen.

Nach Auffassung des Bundesministeriums für Gesundheit können Testungen zur Sicherung des Schulbetriebs und der Kinderbetreuung nicht über die TestV abgerechnet werden, da diese Testungen Aufgabe der Länder sind. Damit scheidet eine Abrechnung von Testungen in Schulen und Kitas als Bürgertestung nach § 4a TestV aus. Dies gilt ebenso für Testungen in Unternehmen, da diese den Unternehmen als gesamtgesellschaftlicher Beitrag zugewiesen sind

Wichtig: Die ärztlichen Leistungen für die Abstrichentnahme können Ärzte nicht für eigenes Praxispersonal sowie bei dem Personal anderer ärztlicher Praxen abrechnen. Sie rechnen in diesen Fällen alleine die Sachkosten (Pseudo-GOP 88312) ab. Der PoC-Test kann bei dem Personal von Arztpraxen bis zu zehnmal im Monat durchgeführt und abgerechnet werden.

Wenn ein PoC-Test positiv ist, veranlassen Ärzte entsprechend den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) einen PCR-Test. Es handelt sich hierbei seit dem 8. März 2021 um eine Veranlassung und Abstrichentnahme nach der TestV bei symptomlosen Patienten. Ärzte rechnen die Leistung über die TestV ab.

Schulungen abrechnen: Nichtärztlich geführte Einrichtungen benötigen ein einrichtungsbezogenes Testkonzept um PoC-Tests durchzuführen. Um die PoC-Tests durchzuführen ist eine Schulung der Beschäftigten zur Durchführung dieser Tests notwendig. Diese Schulungen können Ärzte durchführen und mit der Pseudo GOP 88311 abrechnen. Die Schulung können Ärzte einmal alle zwei Monate je Einrichtung, in der sie diese vornehmen, abrechnen.

Wenn Ärzte als Einsender bei einem PCR-Test eine Mutationssuche (Target-PCR) als notwendig ansehen, ist die Empfehlung in Hessen, diese über ein weiteres Muster OEGD zu veranlassen und bei dem Feld Regionale Sondervereinbarung die Kennung 999 einzutragen. Damit wissen Labore, dass eine Mutationssuche durchgeführt werden soll. Das weitere Formular ist zusätzlich zur Veranlassung des PCR-Tests nach TestV (Muster OEGD) und zum PCR-Test nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit dem Muster 10 C auszustellen. Wenn Ärzte ein außerhessisches Labor mit der Untersuchung beauftragen, klären sie die Details zur Veranlassung unbedingt im Vorfeld ab.

Veranlassung bei symptomatischen Patienten
MusterAuftragAnkreuzfeld
10CPCR-Test (Veranlassung EBM)Diagnostische Abklärung
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster 10C (PCR) verwendet werden.

Veranlassung bei asymptomatischen Patienten/Kontaktpersonen
MusterAuftragAnkreuzfeld
OEGDPCR-Test (Veranlassung TestV)TestV
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster OEGD (mit PCR) verwendet werden.

Wenn Ärzte die Mutationssuche gleich mit dem PCR-Test mitveranlassen, handelt es sich um eine bedingte Beauftragung, da die Mutationssuche nur bei eine positiven PCR-Test durchgeführt werden kann. Ärzte haben auch die Möglichkeit, nach einem positiven PCR-Testergebnis noch eine Mutationssuche zu veranlassen (bei beiden Möglichkeiten gehen sie dann wie oben beschrieben vor).

Ärzte übermitteln die Daten zur TestV bei Abstrichentnahme und Sachkosten sowie die Abrechnung von Schulungen in Einrichtungen mit der Quartalsabrechnung.

Wichtig: die Rechnungsstellung der KVH gegenüber dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) als datenannehmende Stelle erfolgt mit engen Lieferfristen. Aus diesem Grund können Ärzte bei Leistungen zur TestV keine Fristverlängerungen bei der Abrechnungsabgabe erhalten.

TestV Schulung (Pseudo GOP 88311) legen Praxen als extra Schein (ohne Patientenbezug) für die Einrichtung jeweils an und rechnen die Pseudo GOP am Datum der durchgeführten Schulung ab.

Für die Abstrichentnahme (ärztliche Leistung) und für die Sachkosten legen sie einen extra Schein mit dem Kostenträger KV Hessen (unten aufgeführt) bei dem Patienten an.

Kostenträger anlegen:

Als Kostenträger der erbrachten Leistungen im Kontext der TestV verwenden Ärzte die bekannte VKNR/IKNR der KVH

NameVKNRIKKT-GruppeKT-Abrechnungsbereich
KV Hessen – Abstrich Reiserückkehrer408101000408103000

Ersatzweise können Arztpraxen auch die VKNR 38825 vom Bundesamt für Soziales (BAS) verwenden. Die KVH bittet darum, dass Arztpraxen sich für die Angabe von einem der beiden Kostenträger entscheiden.

Die Dokumentation von Leistungen im Zusammenhang mit der TestV bewahren Praxen bis zum 31. Dezember 2024 auf.

Seit dem 8. März 2021 dürfen Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sich und ihr Praxispersonal testen. Sie beschaffen sich hierfür PoC-Tests und können die Tests bis zu zehnmal im Monat durchführen. Die Sachkosten rechnen sie mit der Pseudo-GOP 88312 ab. Die Abrechnung erfolgt analog wie bei den Vertragsärzten über die Quartalsabrechnung. Nicht vertragsärztlich tätige Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten müssen sich zunächst bei der KVH registrieren. Bei einem positiven PoC-Test dürfen sie auch anhand der TestV einen PCR-Test veranlassen.

Praxen und Einrichtungen oder Unternehmen ohne vertragsärztliche Zulassung in Hessen müssen sich vor der ersten Abrechnung bei der KVH registrieren. Dies betrifft auch Rettungsdienste und den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), wenn diese Leistungen beziehungsweise Sachkosten im Rahmen der TestV abrechnen.

zuletzt aktualisiert am: 24.03.2021

Coronatests & Abrechnung

Speziell für Mitglieder hat die KVH eine Übersicht der aktuellen Corona-Abrechnungsmöglichkeiten zusammengestellt (bitte einloggen). 

Hilfreich: Beispiele zur Verwendung der ICD-Kodes.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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