Eine Frau sitzt vor einem Schreibtisch. Sie telefoniert mit einem Handy während sie Dokumente liest.

Die Coronavirus-Testverordnung (TestV), ehemals Rechtsverordnung (RVO), gilt seit dem 13. November 2021. Dazu hat das Bundesgesundheitsministerium inzwischen mehrere Neuerungen beschlossen. Aktuelle Änderungen betreffen das Ausstellen von ärztlichen Zeugnissen und die Beendigung der Bürgertests.

Coronavirus-Testverordnung (TestV) abrechnen

Am 13. November 2020 ist die Coronavirus-Testverordnung (TestV), die „Dritte Verordnung zur Änderung der Verordnung zum Anspruch auf bestimmte Testungen für den Nachweis des Vorliegens einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2“, in Kraft getreten. Beschlossen hat die TestV das Bundesgesundheitsministerium (BMG). Die TestV legt fest, wann Ärzte PCR-Tests und wann Antigen-Schnelltests – Point-of-Care-Tests (PoC-Test) – bei asymptomatischen Patienten durchführen können sowie wann weitere Leistungen über die TestV abgerechnet werden können.

Zum 11. Oktober 2021 ist die neueste Version der TestV in Kraft getreten. Damit haben sich die Grundlagen zur Leistungserbringung und zur Abrechnung der Leistungen im Rahmen der TestV erneut geändert.

Auf einen kostenlosen PoC-Antigentest haben ab dem 13. November 2021 alle Personen (unabhängig vom Versichertenstatus) mindestens einmal wöchentlich ein Anrecht.

Wenn Ärzte Bürgertests nach § 4a TestV erbringen beachten sie, dass eine Anbindung an die Corona-Warn-App des Robert-Koch-Instituts vorhanden sein muss. Ebenfalls sind alle Leistungserbringer, die diese Tests anbieten, weiterhin verpflichtet, der zuständigen Stelle des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) monatlich und standortbezogen die Zahl der erbrachten Tests und die Zahl der positiven Testergebnisse zu melden.

Ärzte veranlassen einen PCR-Test bei einem positiven Schnelltest. Sie können auch eine Mutationssuche nach bekannten Mutationen (Typisierung/ Target-PCR) bei einem PCR-Test mitveranlassen oder auch nachgelagert veranlassen. Informationen, wie genau die Veranlassung in Hessen in diesen Fällen funktioniert, erfahren Ärzte auf dieser Seite. Für Labore hat die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) wichtige Informationen zur Laborabrechnung zusammengefasst.

Labore rechnen im Rahmen TestV monatlich über die KVH ab.

Ärzte rechnen die Leistungen zur TestV nur bei asymptomatischen Patienten ab. Leistungen und Abstriche für Patienten mit Corona-Symptomen rechnen sie weiterhin wie gewohnt über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) ab.

Seit dem 1. August 2021 sind alle Leistungserbringer, die Bürgertests angeboten haben, verpflichtet, der zuständigen Stelle des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) oder der von ihr benannten Stelle monatlich und standortbezogen die Zahl der von ihnen erbrachten Bürgertestungen nach §4a und die Zahl der positiven Testergebnisse zu melden.

Wenn Praxen Bürgertests erbracht haben, müssen sie unter Angabe ihrer Betriebsstättennummer dem zuständigen Gesundheitsamt monatlich und praxisbezogen die Anzahl der durchgeführten Bürgertests und die Anzahl positiver Testergebnisse melden.

Hierzu schreiben Ärzte eine E-Mail an die E-Mailadresse des Gesundheitsamtes, in dessen Zuständigkeitsbereich die Praxis liegt, beziehungsweise nutzen die seitens der Gesundheitsämter auf deren Homepage aufgeführten Meldeformulare. Eine Übersicht über die Kontaktdaten hat die KVH für ihre Mitglieder hinterlegt (Login erforderlich). Diese ist aufgrund der Heterogenität der Umsetzung durch die Gesundheitsämter nicht abschließend.

Pseudo GOPLeistungsinhaltKurzbeschreibungVergütung
88310TestV AbstrichGespräch und Abstrichentnahme, Entnahme und Zeugnisausstellung für Kontaktperson8 Euro
88310B

TestV Abstrich Bürgertest

Gespräch, Abstrichentnahme und Auf Wunsch des Patienten Testzertifikat übermitteln8 Euro
88311TestV SchulungÄrztliche Schulung zur Anwendung und Auswertung von PoC-Antigen-Tests in nichtärztlich geführten Einrichtungen (§ 12 Abs. 2 TestV) für patientennahen PoC-Antigen-Test70 Euro
88312TestV PoC-Antigen-Test und Antigen-Test SachkostenPauschale Vergütung von Sachkosten für PoC-Antigen-Tests und Antigen-Test zur Eigenanwendung unter Überwachung

3,50 Euro

88312BTestV PoC-Antigentest Sachkosten bestimmte BürgertestsPauschale Vergütung von Sachkosten PoC-Antigen-Tests für Bürgertests.3,50 Euro

88313

TestV Gespräch ohne Abstrich bei § 2 TestV

Gespräch im Rahmen TestV ohne anschließende Abstrichentnahme

5 Euro

88314Antigen-Test zur EigenanwendungÜberwachung eines Antigen-Tests zur Eigenanwendung5 Euro
88370COVID-19-Genesenenzertifikate gemäß § 22 Absatz 6 des InfektionsschutzgesetzesAusstellung eines COVID-19-Genesenenzertifikats6 Euro
88371COVID-19-Genesenenzertifikate gemäß § 22 Absatz 6 des InfektionsschutzgesetzesAusstellung eines COVID-19-Genesenenzertifikats – automatisiert mit Hilfe des PVS-Systems2 Euro

Testungen in Schulen, Kitas und Unternehmen können Ärzte nicht im Rahmen von Bürgertests durchführen (zum Beispiel für unter Zwölfjährige) durchführen.

Nach Auffassung des Bundesministeriums für Gesundheit können Testungen zur Sicherung des Schulbetriebs und der Kinderbetreuung nicht über die TestV abgerechnet werden, da diese Testungen Aufgabe der Länder sind. Damit scheidet eine Abrechnung von Testungen in Schulen und Kitas nach § 4a TestV aus. Dies gilt ebenso für Testungen in Unternehmen, da diese den Unternehmen als gesamtgesellschaftlicher Beitrag zugewiesen sind

Wichtig: Die ärztlichen Leistungen für die Abstrichentnahme können Ärzte nicht für eigenes Praxispersonal sowie bei dem Personal anderer ärztlicher Praxen abrechnen. Sie rechnen in diesen Fällen alleine die Sachkosten (Pseudo-GOP 88312) ab. 

Wenn ein PoC-Test positiv ist, veranlassen Ärzte entsprechend den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts (RKI) einen PCR-Test. Es handelt sich hierbei seit dem 8. März 2021 um eine Veranlassung und Abstrichentnahme nach der TestV bei symptomlosen Patienten. Ärzte rechnen die Leistung über die TestV ab.

Schulungen abrechnen: Nichtärztlich geführte Einrichtungen benötigen ein einrichtungsbezogenes Testkonzept um PoC-Tests durchzuführen. Um die PoC-Tests durchzuführen ist eine Schulung der Beschäftigten zur Durchführung dieser Tests notwendig. Diese Schulungen können Ärzte durchführen und mit der Pseudo GOP 88311 abrechnen. Die Schulung können Ärzte einmal alle zwei Monate je Einrichtung, in der sie diese vornehmen, abrechnen.

Neben Impfzertifikaten können Ärzte auch nachträglich Zertifikate für COVID-19-Genesene ausstellen. Die Vergütung des Genesenenzertifikats erfolgt analog zum Impfzertifikat.

Für das Ausstellen erhalten Ärzte ab Juli zwei Euro je Zertifikat, wenn es direkt aus dem Praxisverwaltungssystem (PVS) erstellt wird. Nutzen Praxen die aufwendigere Webanwendung des Robert-Koch-Instituts (RKI), erhalten sie sechs Euro je Zertifikat.

Voraussetzung für das Ausstellen eines Genesenenzertifikats ist ein positives PCR-Test-Ergebnis, das mindestens 28 Tage und maximal sechs Monate alt ist. 

Der Anspruch auf das digitale Covid-19-Genesenenzertifikat ist bereits im Infektionsschutzgesetz geregelt (§ 22 Abs. 6). Das Genesenenzertifikat ist neben dem Impfzertifikat und dem Testzertifikat eins der drei Bestandteile des digitalen COVID-Zertifikats der Europäischen Union (EU). Dieses dient als Nachweis dafür, dass sein Inhaber gegen COVID-19 geimpft ist, negativ getestet wurde oder von COVID-19 genesen ist. Das grüne Zertifikat gilt in allen EU-Mitgliedstaaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen.

Die TestV wurde zum 1. Juli 2021 um die Testung mittels überwachter Antigen-Selbsttests zur Eigenanwendung ergänzt. Hier beträgt die Vergütung fünf Euro pro Testung. Ärzte nutzen für die Abrechnung die neue Pseudo-GOP 88314. Die Sachkosten werden ebenfalls mit einer Pauschale von 3,50 Euro je Test erstattet (Pseudo-GOP 88312).

Wenn Ärzte als Einsender bei einem PCR-Test eine Mutationssuche (Target-PCR) als notwendig ansehen, ist die Empfehlung in Hessen, diese über ein weiteres Muster OEGD zu veranlassen und bei dem Feld Regionale Sondervereinbarung die Kennung 999 einzutragen. Damit wissen Labore, dass eine Mutationssuche durchgeführt werden soll. Das weitere Formular ist zusätzlich zur Veranlassung des PCR-Tests nach TestV (Muster OEGD) und zum PCR-Test nach dem Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) mit dem Muster 10 C auszustellen. Wenn Ärzte ein außerhessisches Labor mit der Untersuchung beauftragen, klären sie die Details zur Veranlassung unbedingt im Vorfeld ab.

Veranlassung bei symptomatischen Patienten
MusterAuftragAnkreuzfeld
10CPCR-Test (Veranlassung EBM)Diagnostische Abklärung
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster 10C (PCR) verwendet werden.

Veranlassung bei asymptomatischen Patienten/Kontaktpersonen
MusterAuftragAnkreuzfeld
OEGDPCR-Test (Veranlassung TestV)TestV
OEGDMutationssuche (Veranlassung TestV)Bei Reg. Sondervereinbarung Kennung 999 eintragen

Barcode für Datenübermittlung an WarnApp darf nur von Muster OEGD (mit PCR) verwendet werden.

Wenn Ärzte die Mutationssuche gleich mit dem PCR-Test mitveranlassen, handelt es sich um eine bedingte Beauftragung, da die Mutationssuche nur bei eine positiven PCR-Test durchgeführt werden kann. Ärzte haben auch die Möglichkeit, nach einem positiven PCR-Testergebnis noch eine Mutationssuche zu veranlassen (bei beiden Möglichkeiten gehen sie dann wie oben beschrieben vor).

Ärzte übermitteln die Daten zur TestV bei Abstrichentnahme und Sachkosten sowie die Abrechnung von Schulungen in Einrichtungen mit der Quartalsabrechnung.

Wichtig: die Rechnungsstellung der KVH gegenüber dem Bundesamt für Soziale Sicherung (BAS) als datenannehmende Stelle erfolgt mit engen Lieferfristen. Aus diesem Grund können Ärzte bei Leistungen zur TestV keine Fristverlängerungen bei der Abrechnungsabgabe erhalten.

TestV Schulung (Pseudo GOP 88311) legen Praxen als extra Schein (ohne Patientenbezug) für die Einrichtung jeweils an und rechnen die Pseudo GOP am Datum der durchgeführten Schulung ab.

Für die Abstrichentnahme (ärztliche Leistung) und für die Sachkosten legen sie einen extra Schein mit dem Kostenträger KV Hessen (unten aufgeführt) bei dem Patienten an.

Kostenträger anlegen:

Als Kostenträger der erbrachten Leistungen im Kontext der TestV verwenden Ärzte die bekannte VKNR/IKNR der KVH

NameVKNRIKKT-GruppeKT-Abrechnungsbereich
KV Hessen – Abstrich Reiserückkehrer408101000408103000

Ersatzweise können Arztpraxen auch die VKNR 38825 vom Bundesamt für Soziales (BAS) verwenden. Die KVH bittet darum, dass Arztpraxen sich für die Angabe von einem der beiden Kostenträger entscheiden.

Die Dokumentation von Leistungen im Zusammenhang mit der TestV bewahren Praxen bis zum 31. Dezember 2024 auf.

Seit dem 8. März 2021 dürfen Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten sich und ihr Praxispersonal testen. Sie beschaffen sich hierfür PoC-Tests und können die Tests bis zu zehnmal im Monat durchführen. Die Sachkosten rechnen sie mit der Pseudo-GOP 88312 ab. Die Abrechnung erfolgt analog wie bei den Vertragsärzten über die Quartalsabrechnung. Nicht vertragsärztlich tätige Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten müssen sich zunächst bei der KVH registrieren. Bei einem positiven PoC-Test dürfen sie auch anhand der TestV einen PCR-Test veranlassen.

Praxen und Einrichtungen oder Unternehmen ohne vertragsärztliche Zulassung in Hessen müssen sich vor der ersten Abrechnung bei der KVH registrieren. Dies betrifft auch Rettungsdienste und den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), wenn diese Leistungen beziehungsweise Sachkosten im Rahmen der TestV abrechnen.

zuletzt aktualisiert am: 25.11.2021

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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