Ab 1. April 2020 gilt bei der Telefonsprechstunde eine bundesweite Regelung und löst die zunächst für Hessen eingeführte ab. Die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) informiert Ärzte und Psychotherapeuten nach Fachgruppen, wie sie die zwei neuen Zuschläge bis voraussichtlich 30. Juni abrechnen können.

Telefonsprechstunde: Änderungen auf Bundesebene

Zum 1. April 2020 hat der Bewertungsausschuss (BA) Änderungen bei der Telefonsprechstunde auf Bundesebene beschlossen. Diese lösen die hessenspezifische vorübergehend eingeführte Regelung ab. Es gibt jetzt zwei neue Zuschläge für die Telefonsprechstunde im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM). Die neue Regelung gibt es voraussichtlich bis zum 30. Juni 2020.

Wegen der Corona-Pandemie kommen viele Patienten nicht in die Praxis. Trotzdem müssen die Patienten versorgt werden. Mit der Ausweitung der Telefonsprechstunde auf Bundesebene können Psychotherapeuten und Ärzte ihre Patienten jetzt öfter und länger auch telefonisch betreuen.

Ärzte und Psychotherapeuten können jetzt die Telefonsprechstunde bis zu drei Stunden und 20 Minuten pro Patient abrechnen – zusätzlich zu der Gebührenordnungsposition (GOP) 01435 für die telefonische Beratung (88 Punkte / 9,67 Euro; bundeseinheitlicher Orientierungspunktwert 10,9871 Cent).

Zur Abrechnung werden die GOP 01433 (154 Punkte / 16,92 Euro; bundeseinheitlicher Orientierungspunktwert 10,9871 Cent) und die GOP 01434 (65 Punkte / 7,14 Euro) neu in den EBM aufgenommen.

Sie werden dem Arzt beziehungsweise Psychotherapeuten jeweils als Zuschlag für die telefonische Beratung im Zusammenhang mit einer Erkrankung gezahlt.

Möglich ist die Telefonsprechstunde (telefonische Konsultation) nur bei Patienten, die der Arzt oder Psychotherapeut bereits kennt. Als „bekannt“ gilt ein Patient, wenn er in den letzten sechs Quartalen, die dem Quartal der Telefonsprechstunde vorausgehen, mindestens einmal in der Praxis war.

Zu den Fachgruppen mit dem höchsten „Telefon-Kontingent“ gehören ärztliche und psychologische Psychotherapeuten, Nervenärzte, Neurologen, Psychiater, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendpsychiater. Sie können pro Patient bis zu 20 Telefongespräche von mindestens zehn Minuten abrechnen – insgesamt also 200 Minuten. Die Abrechnung erfolgt über die GOP 01433.

Deutlich mehr Vergütung für Gespräche mit ihren Patienten per Telefon erhalten ab sofort auch Hausärzte, Kinder- und Jugendärzte sowie Schmerztherapeuten. Sie haben die Möglichkeit, zusätzlich zur telefonischen Beratung (GOP 01435) bis zu sechsmal fünfminütige Telefongespräche abzurechnen, insgesamt also 30 Minuten. Die Abrechnung erfolgt über die GOP 01434. Ebenso wie die GOP 01433 kann auch sie mehrmals am Tag berechnet werden.

Gynäkologen, HNO-Ärzte, Dermatologen, alle fachärztlich tätigen Internisten, Orthopäden, Fachärzte für Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörungen sowie Urologen können die GOP 01434 fünfmal pro Patient abrechnen, alle anderen Fachärzte zweimal. Voraussetzung bei diesen Fachgruppen ist, dass der Patient in dem Quartal nicht in die Praxis kommt oder per Videosprechstunde behandelt wird. Grund ist, dass die telefonische Beratung des Patienten durch einen Arzt Bestandteil der Grundpauschale ist.

Ausnahme:  Ärzte und Psychotherapeuten, die die GOP 01433 abrechnen dürfen, und Haus- und Kinderärzte sowie Schmerztherapeuten erhalten eine Vergütung für die die neuen Gesprächsleistungen auch dann, wenn die Versicherten- oder Grundpauschale abgerechnet wird, weil der Patient doch noch in die Praxis kommt.

Die telefonische Beratung ist eigentlich Teil der Versicherten- bzw. Grundpauschale. Wegen des hohen Bedarfs an Gesprächsleistungen aufgrund der Corona-Pandemie können neben den Psychotherapeuten auch die Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte die Telefonsprechstunde abrechnen, wenn der Patient in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde erfolgt.

Nur in diesem Fall fließt die Telefonsprechstunde (GOP 01434) in das Budget für die Gesprächsleistungen (GOP 03230, 04230 und 04231) bei Hausärzten und Kinder- und Jugendärzten ein. Wenn im Arztfall nur die Telefonsprechstunde in dem Quartal stattfindet, wird das Budget nicht belastet.

Details zur Telefonsprechstunde nach Fachgruppen

Die KVH hat die neuen bundesweiten Regelungen nach Fachgruppen für ihre Mitglieder zusammengefasst und stellt sie im Einzelnen detailliert dar.

Die Regelungen betreffen folgende Fachgruppen: Ärztliche und Psychologische Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten, Fachärzte für Neurologie, Fachärzte für Nervenheilkunde, Fachärzte für Neurologie und Psychiatrie, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Neurochirurgie, Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie beziehungsweise Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Die Psychotherapeuten sowie Ärzte der aufgeführten Fachgruppen können einen Patienten bis zu 200 Minuten im Quartal per Telefon betreuen. Dies gilt zusätzlich zur telefonischen Beratung nach der GOP 01435 oder zusätzlich zur Betreuung in der Praxis beziehungsweise Videosprechstunde.

Hierfür rechnen sie die neue GOP 01433 ab für das Gespräch mit dem Patienten oder einer Bezugsperson im Zusammenhang mit einer Erkrankung,

.Dauer: mindestens zehn Minuten

Nur Telefon:Telefon und Sprechstunde:

Die GOP 01433 wird zusätzlich zur GOP 01435 vergütet, wenn der Kontakt zum Patienten in dem Quartal ausschließlich telefonisch erfolgt.

Die GOP 01433 wird zusätzlich zur Grundpauschale gezahlt, wenn der Patient in dem Quartal in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde stattfindet.

Die GOP 01433 kann bis zu zwanzigmal im Arztfall abgerechnet werden. Pro Patient werden maximal 20 Gespräche nach den GOP 01433, 14220, 16220, 21220, 22220 und 23220 im Arztfall vergütet, entweder:

  • ausschließlich per Telefon (GOP 014133) oder
  • gemischt per Telefon (GOP 01433, persönlich in der Praxis oder in einer Videosprechstunde (GOP 14220, 16220, 21220, 22220 und 23220)

und zuzüglich

  • die GOP 01435 bei ausschließlicher telefonischer Beratung im Arztfall: einmal im Behandlungsfall berechnungsfähig, bei Kindern unter zwölf Jahren zweimal im Behandlungsfall oder 
  • die Grundpauschale (bei persönlichem Kontakt und/oder Videosprechstunde im Arztfall)

Grundpauschale: Die telefonische Beratung ist normalerweise Teil der Grundpauschale. Wegen des hohen Bedarfs an Gesprächsleistungen infolge der Corona-Krise gerade in den neurologisch-psychotherpeutischen (N-/P-) Fächern wird die GOP 01433 auch vergütet, wenn der Patient zur Untersuchung und/oder Behandlung in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde erfolgt und somit die Grundpauschale abgerechnet wird.

Diese Fachgruppen können einen Patienten mindestens bis zu 30 Minuten im Quartal per Telefon betreuen. Dies gilt zusätzlich zur telefonischen Betreuung GOP 01435 oder zusätzlich zur Betreuung des Patienten in der Praxis beziehungsweise Videosprechstunde. Hierfür rechnen sie die neue GOP 01434 (65 Punkte/7,14 Euro) ab für das Gespräch mit dem Patienten oder einer Bezugsperson im Zusammenhang mit einer Erkrankung.

Dauer: mindestens fünf Minuten.

Nur Telefon:Telefon und Sprechstunde:

Die GOP 01434 wird zusätzlich zur GOP 01435 gezahlt, wenn der Kontakt zum Patienten in dem Quartal ausschließlich telefonisch erfolgt.

Die GOP 01434 wird zusätzlich zur Versichertenpauschale von Hausärzten und Kinderärzten (03000/04000) beziehungsweise zur Grundpauschale der Schmerztherapeuten (30700) gezahlt, wenn der Patient in dem Quartal in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde stattfindet.

Die GOP 01434 kann bis zu sechsmal im Arztfall abgerechnet werden.

Im Falle der Kombination von Telefon und Sprechstunde in dem Quartal fließt die GOP 01434 bei Haus- sowie Kinder- und Jugendärzten in das Budget für die Gesprächsleistungen (GOP 03230, 04230, 04231) ein. Andernfalls gilt das Budget nicht.

Das bedeutet: Die GOP 01434 wird nur dann beim Gesprächsbudget berücksichtigt, wenn auch ein persönlicher Arzt-Patientenkontakt oder ein Arzt-Patientenkontakt per Videosprechstunde stattgefunden hat und die Versichertenpauschale im Arztfall abgerechnet wird. Wird der Patient im Arztfall ausschließlich telefonisch beraten, wird die GOP 01434 nicht in das Gesprächsbudget einbezogen.

Das fünfminütige Gespräch (GOP 01434)  wird berechnet und zuzüglich:

  • die GOP 01435 bei ausschließlicher telefonischer Beratung im Arztfall: einmal im Behandlungsfall, bei Kindern unter zwölf Jahren zweimal im Behandlungsfall oder
  • die Versichertenpauschale 03000/04000 beziehungsweise Grundpauschale 30700 (bei persönlichem Kontakt und/oder Videosprechstunde im Arztfall) und den weiteren für die Behandlung notwendigen Abrechnungspositionen

Versichertenpauschale: Die telefonische Beratung ist normalerweise Teil der Versicherten- bzw. Grundpauschale. Wegen des hohen Bedarfs an Gesprächsleistungen infolge der Corona-Krise gerade in der hausärztlichen und schmerztherapeutischen Versorgung wird die GOP 01434 auch dann vergütet, wenn der Patient zur Untersuchung und/oder Behandlung in die Praxis kommt oder eine Videosprechstunde erfolgt und folglich die Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale abgerechnet wird.

Die GOP 01434 und die Gesprächsleistungen (GOP 03230, 04320, 04231) werden insgesamt in diesem Fall nur bis zum maximalen Punktzahlvolumen für Gespräche (Gesprächsbudget) vergütet.

Die Regelungen betreffen folgende Fachgruppen: Gynäkologen, HNO-Ärzte, Dermatologen, fachärztliche Internisten, Orthopäden und Fachärzte für Sprach-, Stimm-, und kindliche Hörstörungen und Urologen.

Diese Fachgruppen können einen Patienten mindestens bis zu 25 Minuten im Quartal per Telefon betreuen. Dies gilt zusätzlich zur telefonischen Beratung nach der GOP 01435 (wenn kein persönlicher Art-Patienten-Kontakt in dem Quartal stattfindet). Hierfür rechnen sie die neue GOP 01434  ab für das Gespräch mit dem Patienten oder einer Bezugsperson im Zusammenhang mit einer Erkrankung.

Dauer: mindestens fünf Minuten.

  • Nur Telefon: die GOP 01434 wird zusätzlich zur GOP 01435 vergütet. Beide GOP werden nur vergütet, wenn der Patient in dem Quartal ausschließlich telefonisch betreut wird.
  • Die GOP 01434 kann bis zu fünfmal im Arztfall abgerechnet werden.

Grundpauschale: Die Leistungen der GOP 01435 und 01434 werden nur vergütet, wenn der Patient in dem Quartal ausschließlich telefonisch betreut wird. Kommt der Patient in die Praxis oder es findet eine Videosprechstunde statt, kann die Grundpauschale abgerechnet werden, dafür entfallen die GOP 01435 und 01434. Telefonische Beratungen sind mischkalkulatorisch in der Grundpauschale enthalten und damit abgegolten.

Die Regelungen betreffen folgende Fachgruppen: Anästhesisten, Augenärzte, Chirurgen, Humangenetiker, Laborärzte, MKG, Nuklearmediziner, Pathologen, Radiologen, Strahlentherapeuten und Fachärzte für Physikalische und Rehabilitative Medizin. (PRM).

Diese Fachgruppen können einen Patienten mindestens bis zu zehn Minuten im Quartal per Telefon betreuen. Dies gilt zusätzlich zur telefonischen Beratung nach der GOP 01435 (wenn kein persönlicher Art-Patienten-Kontakt in dem Quartal stattfindet). Hierfür rechnen sie die neue GOP 01434 ab für das Gespräch mit dem Patienten oder einer Bezugsperson im Zusammenhang mit einer Erkrankung.

Dauer: mindestens fünf Minuten.

  • Nur Telefon: die GOP 01434 wird zusätzlich zur GOP 01435 vergütet. Beide GOP werden nur vergütet, wenn der Patient in dem Quartal ausschließlich telefonisch betreut wird.
  • Die GOP 01434 kann bis zu zweimal im Arztfall abgerechnet werden.

Grundpauschale: Die Leistungen der GOP 01435 und 01434 werden nur vergütet, wenn der Patient in dem Quartal ausschließlich telefonisch betreut wird. Kommt der Patient in die Praxis oder es findet eine Videosprechstunde statt, kann die Grundpauschale abgerechnet werden und die GOP 01435 und 01434 entfallen.

Telefonische Beratungen sind mischkalkulatorisch in der Grundpauschale enthalten und damit abgegolten.

 

 

zuletzt aktualisiert am: 08.04.2020

EBM-Begriffe verstehen

Zu speziellen Begriffen im EBM haben unsere Mitglieder immer wieder Fragen. Die KVH hat kurz und knapp in einer Übersicht zusammengefasst, was sie bedeuten.

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