Ärzte müssen Änderungen bei der Onkologie-Vereinbarung beachten. Sie können unter anderem nicht die orale Tumortherapie und Palliativversorgung im selben Behandlungsfall abrechnen.

Onkologie-Vereinbarung angepasst

Die Onkologie-Vereinbarung (Anlage 7 Bundesmantelvertrag für Ärzte) wurde zum 1. Januar 2020 angepasst. Es gibt Änderungen bei der Abrechnung der Kostenpauschalen zur oralen Tumortherapie und Palliativversorgung. Weiterhin werden Begriffe geändert und klargestellt.

Update (7. Mai 2020): Im Nachgang zu den Änderungen zum 1. Januar 2020 gab es auf Bundesebene noch zwei Klarstellungen zur medikamentösen Tumortherapie. Den Inhalt der Klarstellungen finden Ärzte unter dem Punkt: "Zytostatische Tumortherapie" heißt neu "medikamentöse Tumortherapie".

Ärzte können bei einem Patienten im Behandlungsfall entweder nur die Kostenpauschale 86518 (Palliativversorgung) oder die Kostenpauschale 86520 (orale Tumortherapie) abrechnen. Die Abrechnung beider Pauschalen im selben Behandlungsfall ist ausgeschlossen.

In der gesamten Onkologie-Vereinbarung wird der Begriff „zytostatische Tumortherapie“ durch „medikamentöse Tumortherapie“ ersetzt. Die Definition wird in Paragraf 4 der Onkologie-Vereinbarung aufgenommen.

Ärzte können Therapien mit ausschließlich hormonell beziehungsweise antihormonell wirksamen Medikamenten (ATC-Klasse L02-Endokrine Therapie) nicht über die Kostenpauschalen (86514, 86516 und 86520) aus der Onkologie-Vereinbarung abrechnen. Sie zählen nicht zur medikamentösen Tumortherapie.

Die medikamentöse Tumortherapie umfasst neben unspezifisch zytostatisch wirksamen Medikamenten auch neue Medikamente. Diese blockieren zum Beispiel gezielt bestimmte Stoffwechselschritte, die für das Tumorzellwachstum wichtig sind.

Klarstellung: Die neue Definition bezieht sich allein auf die Kostenpauschalen, die in der Leistungslegende den Begriff „medikamentöse Tumortherapie“ (bis 31. Dezember 2019 den Begriff „zytostatische Tumortherapie“) enthalten. Diese sind:

  • 86514 (Zuschlag für die intrakavitär applizierte medikamentöse Tumortherapie),
  • 86516 (Zuschlag für die intravasal applizierte medikamentöse Tumortherapie),
  • 86520 (Zuschlag für die orale medikamentöse Tumortherapie).

Die medikamentöse Tumortherapie im Sinne der Kostenpauschalen 86514, 86516 und 86520 umfasst neben unspezifisch zytostatisch wirksamen Medikamenten auch neue Medikamente, die zum Beispiel gezielt bestimmte Stoffwechselschritte blockieren, die für das Tumorzellwachstum wichtig sind oder Mechanismen auslösen, die Tumorzellen immunologisch angreifbar machen. Die medikamentöse Tumortherapie im Sinne der Kostenpauschalen 86514, 86516 und 86520 umfasst nicht Therapien mit ausschließlich hormonell beziehungsweise antihormonell wirksamen Medikamenten (ATC-Klasse L02-Endokrine Therapie).

Die Definition bezieht sich nicht auf:

  • die durchschnittlichen Mindestpatientenzahlen im Quartal (§ 3 Absatz 4), obwohl dort der Begriff medikamentöse Tumortherapie ebenfalls verwendet wird, und
  • die Kostenpauschalen 86510 und 86512, da sie den Begriff medikamentöse Tumortherapie nicht enthalten und daher auch nicht an die Durchführung einer medikamentösen Tumortherapie entsprechend der Definition gebunden sind.

Die Kostenpauschale 86512 erfordert nach der Leistungslegende eine „Behandlung solider Tumore entsprechend § 1 Abs. 2 a-c unter tumorspezifischer Therapie …“. Dies kann auch eine Therapie mit ausschließlich hormonell beziehungsweise antihormonell wirksamen Medikamenten sein, sofern es sich nicht um die Behandlung im Rahmen der Nachsorge handelt. Nach § 1 Absatz 1 der Onkologie-Vereinbarung ist die in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung durchgeführte Nachsorge bei behandelten Patienten, die krebskrank waren, nicht Bestandteil der Onkologie-Vereinbarung.

Der Wortlaut „intravenös und/oder intraarteriell“ wird  in „intravasal“ geändert und damit vereinheitlicht. Mit „intravasal“ ist ebenso „intravenös“ wie „intraarteriell“ gemeint.

In der Onkologie-Vereinbarung werden die Facharztbezeichnungen für die Hämatologen/Onkologen an die aktuelle Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer angepasst . Die neue Bezeichnung lautet: Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie. Die Onkologie-Vereinbarung beinhaltet eine Regelung zum Bestandsschutz der bisherigen Bezeichnungen.

Die Fristen zur EDV-Dokumentation sowie in den Protokollnotizen zum Anhang 2 (Erstellung einer Medikamentenliste für die Kostenpauschale 86516) werden jeweils um ein weiteres Jahr verlängert. Bestehen bleibt, dass die Bewertung der Kostenpauschale 86520 bis zum 30. Juni 2020 überprüft wird.

Die Kostenpauschalen 86510 und 86512 aus der Onkologie-Vereinbarung können Ärzte bei einer Primärtherapie mit „active surveillance“ und „watchful waiting“ nicht abrechnen. Die Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und die Krankenkassen konnten sich in ihren Verhandlungen nicht darauf einigen, dass die ärztliche Behandlung nach Paragraf 4 der Onkologie-Vereinbarung bei nicht metastasiertem Prostatakarzinom zur Primärtherapie auch die Überwachungsstrategien „active surveillance“ und „watchful waiting“ umfasst – im Sinne der aktuell gültigen S3-Leitlinie zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms.

Um die Kostenpauschalen aus der Onkologie-Vereinbarung abzurechnen, benötigen Ärzte eine Genehmigung zur Teilnahme an der Onkologie-Vereinbarung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH).

zuletzt aktualisiert am: 07.05.2020

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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