EBM-Änderung 1. Oktober 2019

Videosprechstunde: Änderungen im EBM

Der Bewertungsausschuss (BA) hatte in seiner 449. Sitzung Maßnahmen zur Förderung der Videosprechstunde zum 1. Oktober 2019 beschlossen. In der 453. Sitzung hat der BA weitere Beschlüsse zur Videosprechstunde gefasst, die rückwirkend ab dem 1. Oktober 2019 gelten und auch frühere Regelungen aufheben. Die neue Anlage 4b des Bundesmantelvertrags Ärzte (BMV-Ä) ist noch nicht veröffentlicht und die Anlage 31b muss angepasst werden.

Die KVH hat für Ärzte und Psychotherapeuten alle wichtigen Informationen und Änderungen rund um die Videosprechstunde kompakt zusammengefasst.

Rückwirkende Änderungen im EBM

Rückwirkend zum 1. Oktober 2019 gibt es umfangreiche Änderungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) zur Videosprechstunde:

  • Videosprechstunde wird über die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale vergütet
  • Chronikerpauschale und Videosprechstunde
  • Psychotherapie und Gespräche über Videosprechstunde
  • Fallkonferenzen über Videosprechstunde
  • Zuschlag zur Authentifizierung neuer Patienten

Neu ist weiterhin, dass der erste Arzt-Patienten-Kontakt in einer Videosprechstunde stattfinden darf. Ärzte können die Videosprechstunde also auch bei neuen Patienten erbringen und abrechnen. Vor dem 1. Oktober 2019 musste der Arzt den Patienten kennen. 

Wenn Ärzte und Psychotherapeuten Videosprechstunden über den EBM abrechnen möchten, benötigen sie einen zertifizierten Videodienstanbieter. Ärzte/Psychotherapeuten teilen der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) den zertifizierten Videodienstanbieter mit, den sie in Anspruch nehmen.

Die Videosprechstunde wird neu über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale vergütet, statt wie bisher über die Gebührenordnungsposition (GOP) 01439. Die GOP 01439 wird rückwirkend zum 1. Oktober 2019 aus dem EBM gestrichen und kann nicht mehr abgerechnet werden.

Kennzeichnung: Wenn Ärzte/Psychotherapeuten einen Patient in einem Quartal ausschließlich über Videosprechstunde versorgen, kennzeichnen sie den Fall mit „88220“ – die Kennzeichnung wird ganz einfach wie eine GOP in der Abrechnung angegeben.  Die Anzahl dieser Behandlungsfälle ist auf 20 Prozent aller Behandlungsfälle des Arztes/Psychotherapeuten beschränkt.

Erfolgt der Kontakt ausschließlich über Video, werden die Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen und gegebenenfalls die sich darauf beziehenden Zuschläge gekürzt. Die Höhe des Abschlags wird fachgruppenspezifisch differenziert:

Abschlag von 20 ProzentAbschlag von 25 ProzentAbschlag von 30 Prozent

Hausärzte

Kinder- und Jugendmedizin

Neurologie/ Neurochirurgie

Kinder- und Jugendpsychiatrie/
-psychotherapie

Psychosomatik/ Psychotherapie/ Psychiatrie

Schmerztherapie

Strahlentherapie (nur GOP 25214)

Ermächtigte Ärzte

Innere Medizin

Gynäkologie

Chirurgie

Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie

Humangenetik

Dermatologie

Orthopädie

Urologie

Physikalische und Rehabilitative Medizin

Anästhesie

Augenheilkunde

Hals-Nasen-Ohrenheilkunde/ Phoniatrie

Ärzte erhalten ihre Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale in voller Höhe vergütet, wenn sie den Patienten im selben Quartal auch persönlich sehen (persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt).

Wichtig: Die strahlentherapeutischen Konsiliarpauschalen bei gutartiger beziehungsweise bösartiger Erkrankung (GOP 25210 und 25211) bleiben weiterhin nur im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt berechnungsfähig. Grund: Der persönliche Arzt-Patienten-Kontakt ist notwendig, um den obligaten Leistungsinhalt (Überprüfung der vorliegenden Indikation) zu erfüllen.

Auch die Konsiliarpauschalen der Fachgruppen Labor, Nuklearmedizin, Pathologie und Radiologie können  weiterhin nur bei persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt abgerechnet werden.

Videosprechstunden rechnet die KVH bei den Arzt-Patienten-Kontakten zur Chronikerpauschale an: Hausärzte sowie Kinder- und Jugendärzte erhalten die Chronikerpauschale (GOP 03220 bis 03222 / 04220 bis 04222) auch dann, wenn von den drei erforderlichen Arzt-Patienten-Kontakten ein oder zwei per Video stattgefunden haben. Die drei Kontakte müssen innerhalb der letzten vier Quartale erfolgt sein. In dem Quartal, in dem Ärzte die Chronikerpauschale abrechnen, müssen sie den Patienten persönlich treffen (es ist ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt notwendig).

Neu für ärztliche und psychologische Psychotherapeuten ist, dass sie bestimmte Leistungen der Richtlinien-Psychotherapie über Videosprechstunde durchführen und abrechnen können, für die das psychotherapeutische Berufsrecht und die Psychotherapie-Vereinbarung keinen persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt vorgeben.

Voraussetzung: Es muss ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt zur Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung vorangehen, bevor die weitere Therapie über die Videosprechstunde erfolgen kann. Ärzte/Psychotherapeuten kennzeichnen Gesprächsleistungen und Leistungen aus Kapitel 35 mit Buchstaben (Suffixe), wenn sie diese per Video erbringen.

Ferner können Ärzte/Psychotherapeuten auch bestimmte haus- und fachärztliche Gesprächsleistungen abrechnen, wenn sie per Videosprechstunde erfolgen. Ärzte/Psychotherapeuten beachten bitte, dass maximal 20 Prozent der jeweiligen Leistung im Quartal über Videosprechstunde erfolgen kann.

Ärzte können Fallkonferenzen in der Pflege öfter über Videosprechstunden durchführen. Möglich waren sie bisher bereits zwischen Ärzten und Pflegekräften des Pflegeheims (GOP 37120 und 37320).

Fallkonferenzen können neu über Videosprechstunde erfolgen und abgerechnet werden, wenn der Patient zuhause oder in einer beschützenden Einrichtung lebt. Ärzte/Psychotherapeuten rechnen hierfür die neue GOP 01442 ab. Diese ist 6,93 Euro wert (64 Punkte);  bundeseinheitlicher Orientierungspunktwert 2019 ist 10,8226 Cent. Die Vergütung soll zunächst extrabudgetär erfolgen.

Die GOP 01442 vergütet Videofallkonferenzen zwischen der Pflegekraft eines chronisch pflegebedürftigen Patienten und dem Arzt/Psychotherapeuten, der die diagnostischen, therapeutischen, rehabilitativen und/oder pflegerischen Maßnahmen des Patienten koordiniert. Die GOP 01442 kann höchstens dreimal im Krankheitsfall je Patient abgerechnet werden. Voraussetzung ist, dass im aktuellen und/oder den vorangegangenen zwei Quartalen mindestens ein persönlicher Arzt-Patienten-Kontakt in derselben Praxis stattgefunden hat.

Auch andere Fallkonferenzen und Fallbesprechungen können jetzt über Videosprechstunde erfolgen:

GOPLeistung
GOP 30210:Indikationsüberprüfung Hyperbare Sauerstofftherapie bei diabetischem Fußsyndrom
GOP 30706:Schmerztherapie
GOP 30948:MRSA-Fall- und/oder regionale Netzwerkkonferenz
GOP 37400:Versorgungsplanung für die letzte Lebensphase

Wichtig: Nur der Arzt/Psychotherapeut, der die Videofallkonferenz initiiert, erhält den Technikzuschlag (GOP 01450). Eine Videofallkonferenz darf ebenso wie eine Videosprechstunde nur mittels eines nach Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä) zertifizierten Videodienstanbieters durchgeführt werden.

Mit der neuen GOP 01444 wird der zusätzliche Aufwand berücksichtigt, neue Patienten in der Videosprechstunde zu authentifizieren, da die erforderlichen Stammdaten sich nicht über die elektronische Gesundheitskarte automatisiert erfassen lassen. Die  GOP 01444 ist 1,08 Euro wert (10 Punkte); bundeseinheitlicher Orientierungspunktwert 2019 ist 10,8226 Cent. Ärzte/Psychotherapeuten rechnen sie als Zuschlag zur Grund-, Versicherten- oder Konsiliarpauschale ab.

Die Details wie Ärzte/Psychotherapeuten neue Patienten in der Videosprechstunde authentifizieren, sind in der neuen Anlage 4b zum Bundesmantelvertrag Ärzte ausgestaltet. Diese und die wegen der Änderungen am EBM überarbeitete Anlage 31b (Vereinbarung über die Anforderungen an die technischen Verfahren zur Videosprechstunde) sollen zeitnah veröffentlicht werden und rückwirkend zum 1. Oktober 2019 in Kraft treten.

Als „unbekannt“ gilt im Rahmen dieser Regelungen ein Patient, den der Arzt/Psychotherapeut noch nie oder nur noch nicht im laufenden Quartal oder im Vorquartal in der Praxis behandelt hat. Die GOP 01444 ist zeitlich befristet bis zum 30. September 2021 in den EBM aufgenommen. Anschließend sollen neue technische Verfahren den zusätzlichen Aufwand, neue Patienten in der Praxis zu authentifizieren, obsolet machen.

Ab dem 1. Oktober 2019 erhalten Ärzte eine Anschubförderung zur Videosprechstunde. 

Die neue Gebührenordnungsposition (GOP) 01451 im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) setzt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KVH) den Ärzten automatisch je abgerechnete Videosprechstunde (GOP 01450) zu. Voraussetzung: Ärzte rechnen mindestens 15 Videosprechstunden im Quartal ab.  

Die GOP 01451 ist 9,96 Euro wert (92 Punkte); bundeseinheitlicher Punktwert 2019 ist 10,8226 Cent. Die Anschubförderung für Videosprechstunden nach Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte (BMV-Ä) im Rahmen der Betreuung von Patienten in der haus-/fachärztlichen Versorgung soll extrabudgetär vergütet werden. 

Ziel der Förderung

Die Förderung soll helfen, das Angebot in der vertragsärztlichen Versorgung weiter auszubauen und zu etablieren. Deshalb ist sie mit der GOP 01451 auf zwei Jahre begrenzt (sie läuft zum 30. September 2021 aus).

Technische Anforderungen Videosprechstunde

Vorgaben zur Videosprechstunde können Ärzte in der Anlage 31b zum BMV-Ä nachlesen. Die Praxis benötigt einen zertifizierten Videodienstanbieter. Wenn Praxen die Videosprechstunde (GOP 01439 und 01450) abrechnen und die neue GOP 01451 erhalten möchten, teilen sie der KVH den in Anspruch genommenen zertifizierten Videodienstanbieter mit.

Neuer Beschluss der 453. Sitzung des BA: Die GOP 01439 wird rückwirkend zum 1. Oktober 2019 aus dem EBM gestrichen und kann nicht mehr abgerechnet werden. Die Videosprechstunde wird neu über die jeweilige Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale vergütet, statt wie bisher über die Gebührenordnungsposition (GOP) 01439.

zuletzt aktualisiert am: 21.10.2019

Gut informiert

Über alle aktuellen Änderungen und den neuesten Stand informiert die KVH ihre Mitglieder kompakt und schnell auf der Themenseite zur Videosprechstunde.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

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