Eine Frau sitzt vor einem Schreibtisch. Sie telefoniert mit einem Handy während sie Dokumente liest.

EBM-Änderung Juli 2021

Zweitmeinung: Videosprechstunde und DFS

Ab dem 1. Juli 2021 können weitere Fachgruppen die Gebührenordnungsposition (GOP) 01645 über den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) abrechnen. Eine Anpassung im EBM war erforderlich, da Ärzte Patienten ab dem 1. Juli 2021 auch vor einer planbaren Amputation bei diabetischem Fußsyndrom (DFS) über das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung aufklären müssen. Zudem können alle Zweitmeinungsverfahren ab dem 1. Juli 2021 in einer Videosprechstunde durchgeführt und abgerechnet werden.

Als Erstmeiner tätig werden

Ab 1. Juli 2021 dürfen auch Fachärzte für Innere Medizin und Fachärzte für Allgemeinmedizin als Erstmeiner tätig werden.

Indikationsstellende Ärzte klären ihre Patienten über das Recht auf eine zweite ärztliche Meinung auf und rechnen hierfür die GOP 01645 ab. Sie kennzeichnen die GOP 01645 mit dem Suffix „D“ (01645D) für die geplante Amputation bei DFS.

Die GOP 01645 beinhaltet die Aufklärung, Beratung und die Zusammenstellung aller erforderlichen Unterlagen für den Patienten, wenn ein geplanter Eingriff bevorsteht, bei dem Patienten ein Recht auf eine Zweitmeinung haben. Der indikationsstellende Arzt händigt zudem das Merkblatt des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aus.

Ärzte können die GOP 01645D einmal im Krankheitsfall abrechnen. Sie ist 8,34 Euro wert (75 Punkte); bundeseinheitlicher Punktwert 2021 11,1244 Cent. Die GOP 01645D soll zunächst extrabudgetär vergütet werden.

Patienten beziehungsweise Diabetiker haben ein Recht auf das Zweitmeinungsverfahren vor planbaren Minoramputationen (bis unterhalb des Knöchels) oder Majoramputationen (bis oberhalb des Knöchels) bei diabetischem Fußsyndrom. Dies gilt nicht, wenn es sich um notfallmäßige Eingriffe wie zum Beispiel eine Sepsis handelt.  

Patienten haben somit die Möglichkeit, sich bei einem qualifizierten und unabhängigem Zweitmeiner zur Notwendigkeit einer Amputation und zu alternativen Behandlungsmöglichkeiten, die keine Amputation vorsehen, beraten zu lassen.

Als Zweitmeiner tätig werden

Folgende Fachärzte können Zweitmeiner werden:

  • Innere Medizin und Angiologie
  • Innere Medizin und Endokrinologie und Diabetologie
  • Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
  • Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Diabetologie
  • Gefäßchirurgie
  • Orthopädie und Unfallchirurgie 
  • Orthopädie oder Chirurgie mit Schwerpunkt Unfallchirurgie
  • Allgemeinchirurgie
  • Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie

Hierfür benötigen Sie eine Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) .

Zweitmeiner kennzeichnen für die unabhängige Aufklärung und Beratung im Zusammenhang mit dem Zweitmeinungsverfahren alle durchgeführten und abgerechneten GOP im freien Begründungsfeld (Feldkennung 5009) mit 88200D. Bei allen weiteren GOP neben der Versicherten- beziehungsweise Grundpauschale muss eine medizinische Begründung im freien Begründungsfeld vorliegen. Die Begründung soll die medizinische Notwendigkeit der Untersuchung beinhalten. Diese Leistungen sollen ebenfalls zunächst extrabudgetär vergütet werden.

Die KVH hat indikationsstellenden und zweitmeinungsgebenden Ärzten alle wichtigen Informationen zum Zweitmeinungsverfahren vollständig zu allen Indikationen leicht verständlich aufbereitet.

 

Beim Zweitmeinungsverfahren vor Amputation bei diabetischem Fußsyndrom können Angehörige folgender nichtärztlicher Fachberufe zur Beratung hinzugezogen werden:

  • Podologe oder Medizinischer Fußpfleger
  • Orthopädieschuhmacher
  • Orthopädietechnik-Mechaniker oder Orthopädiemechaniker und Bandagist

Ab dem 1. Juli 2021 ist das Gespräch zwischen Patienten und Zweitmeiner auch per Videosprechstunde möglich. Hierfür wurde die Zweitmeinungs-Richtlinie (Zm-RL) angepasst. Bislang erfolgte die Zweitmeinung in einem persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient.

Wenn ein Patient die Zweitmeinung im Rahmen einer Videosprechstunde einholt, können Ärzte die arztgruppenspezifischen Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschalen neben den GOP 01444 (Zuschlag Authentifizierung) und 01450 (Zuschlag Videosprechstunde) abrechnen. Es gelten die gleichen Abrechnungsbestimmungen, die für die Abrechnung der Videosprechstunde außerhalb des Zweitmeinungsverfahrens vorgegeben sind.

Die KVH hat Ärzten alle wichtigen Informationen und Abrechnungsbestimmungen zur Videosprechstunde vollständig und leicht verständlich aufbereitet.

Die Vorgaben zur Videosprechstunde erfahren Ärzte in der Vereinbarung über die technischen Anforderungen an die Praxis in der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag Ärzte (BMV-Ä). Für die Abrechnung benötigen Ärzte einen zertifizierten Videodienstanbieter. Diesen melden sie der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH) ganz einfach über das Formular "zertifizierten Videodienstanbieter melden".

 

 

zuletzt aktualisiert am: 02.07.2021

EBM-Begriffe verstehen

Zu speziellen Begriffen im EBM haben unsere Mitglieder immer wieder Fragen. Die KVH hat kurz und knapp in einer Übersicht zusammengefasst, was sie bedeuten.

Ansprechpartner

EBM-Hotline

Kassenärztliche Vereinigung Hessen

Europa-Allee 90
60486 Frankfurt

Tel 069 24741-7777
ebm-hotline(at)kvhessen(.)de

Ihre Downloads ()

Ihre gesammelten Downloads können Sie jetzt komfortabel mit einem Klick herunterladen.

Alle herunterladen